Mittwoch, 3. Juni 2026
Ein zunehmend dichter werdender Nieselregen treibt mich in ein Café, dabei habe ich doch gerade erst gefrühstückt. Aber wie habe ich schon in Wales gelernt: Coffee is always a good idea!

Immerhin bin ich nur einen Steinwurf von der „Bunten Moschee“ entfernt, meinem ersten Sightseeing-Punkt. Die wurde bereits 1495 errichtet. Davon ist allerdings nur noch das Minarett erhalten. Das alte Gebäude wurde 1833 vollständig ersetzt, wobei auch die für die islamische Kunst typischen Arabesken entstanden. Sie verzieren die Moschee außen wie innen, was zu ihrem Rufnamen führte.
Schon von außen ist die Bemalung des Gotteshauses beeindruckend. Aber als ich eintrete, verschlägt es mir schier die Sprache: diese Farbenpracht, die detailgenauen und vielgestaltigen Motive sind unglaublich. Ich kann mich kaum losreißen. Die Moschee ist frei zugänglich. Lediglich eine Spendenbox dient der Unterhaltung dieses faszinierenden Gebäudes.












Gleich gegenüber der Moschee auf der anderen Seite der Pena, des Flusses, der durch Tetovo fließt, liegt der Hamam, das islamische Badehaus. Er hat seine ursprüngliche Funktion verloren und wird heute als Galerie genutzt.

Arabati-baba tekke wirkt mit seinen zerfallenen Dächern auf den umschließenden Außenmauern erst einmal ziemlich heruntergekommen. Davon lasse ich mich aber nicht abschrecken und betrete einen Rückzugsort, eine Insel der Ruhe innerhalb des städtischen Lärms. Dafür waren „Tekken“ auch gedacht: als Rückzugsort und Zentrum des Sufismus, einer asketischen Strömung des Islam, die sich bildete, nachdem dieser im 8. Jhd. zu sehr verweltlichte. Irgendwie scheint diese Entwicklung typisch für alle Religionen zu sein. Mich erinnert es spontan an den Bau von Tintern Abbey und die Zisterzienser.






Ich treffe Abdulmetalip Beqiri, den, wenn ich ihn richtig verstanden habe, aktuell leitenden Derwisch der Tekke. Er gehört dem Orden der Bektaschi an. Die Bektaschi sind eine Untergruppe der Sufi, ein sehr toleranter islamischer Orden, in dem Frauen und Männer gleichberechtigt sind, der alle Menschen, unabhängig von Herkunft, Sprache, Hautfarbe und Religion als Brüder und Schwestern ansieht und der sich als friedliebend und -stiftend versteht. Selbst Alkohol gegenüber sind die Bektaschi tolerant. Dazu zitiert die Wikipedia folgende Anekdote:
Der Kalif besuchte das Oberhaupt des Bektaschi-Ordens. Als er die üppigen Weinberge um das Konvent des Ordens erblickte, fragte er: ‚Mein lieber Freund, was macht ihr denn mit den vielen Weintrauben?‘ ‚Ach‘, antwortet der Derwisch, ‚wir essen gerne süße, reife Trauben.‘ Der Kalif darauf: ‚Aber es ist doch unmöglich, so viele Weintrauben zu verspeisen.‘ Der Derwisch daraufhin: ‚Das ist kein Problem. Was wir nicht essen können, das pressen wir und lagern es in Holzfässern. Und was dann geschieht, ist allein Allahs Wille.

Abdulmetalip Beqiri erzählt mir noch, dass das Weltzentrum der Bektaschi in Tirana liegt und es derzeit Verhandlungen mit Albanien gibt, dieses in einen eigenen Staat zu verwandeln – eine Art Vatikan der Bektaschi. Mal schauen, vielleicht schaffe ich es ja vor meinem Rückflug noch, diesem Zentrum einen Besuch abzustatten.
Eine andere Art der Religion stellt die christliche Orthodoxie dar. Ich besuche die Anfang des 20. Jhd. erbaute Kirche St. Kyrill und Methodius, die etwas abseits, aber dadurch auch ruhig im alten Teil der Stadt liegt. Die Malereien in orthodoxen Kirchen schwelgen gerne in kräftigen Farben, was sich auch hier wieder zeigt.





Ein sehr interessanter Tag, bunt und vielseitig. Und sicherlich wohltuend für die geschundenen Beine.