Albanische Schutzgebiete: Vorzeigeprojekte oder Verhandlungsmasse?

Freitag, 12. Juni 2026

Die Seilbahn fährt in den Nebel. Dabei hatte ich gehofft, auf dem Dajti, Tiranas Hausberg, über die Stadt bis zum Meer schauen zu können. Aber immerhin ist schon die Seilbahn eine Attraktion. 2005 wurde sie gebaut, als erste Albaniens und war gleich die längste des gesamten Balkans. Für die 4.354 m lange Fahrt braucht sie eine gute Viertelstunde. Und plötzlich ist die Bergstation vor mir und in der Sonne!

Ich halte mich nicht lange auf und steige durch schattigen Wald, musikalisch begleitet von Buchfink und Mönchsgrasmücke, während von unten die Rufe der Kinder tönen, die sich im Adventure Park vergnügen. Da wird schon einiges geboten, an der Seilbahnstation!

Über den „Dajti ridge“ steige ich auf, der allerdings kein Bergrücken ist, sondern als Weg einfach nur gradlinig und schweißtreibend durch dichten, feuchten Wald hochzieht.

Der Gipfel selber ist leider als Sicherheitsgebiet deklariert und für unautorisierte Personen wie mich gesperrt. Aber kurz unterhalb gibt es ein paar Logenplätze. Während der Blick auf Tirana von hochziehenden Wolken bedeckt wird, kann ich immerhin zu den Bergen im Nordosten schauen. Kurze Pause.

Schwertlilie

Dann Abstieg. Als ich wieder an der 500 Meter tiefer liegenden Bergstation bin, ist der Blick hinunter nach Tirana und bis zum Meer plötzlich frei. Nun fällt die Größe der Stadt erst so richtig auf. Von den 2,75 Millionen Einwohnern Albaniens leben über 20% hier.

293 qkm um den Gipfel des Dajti herum wurden als Nationalpark deklariert. Auch andere Gebiete wie die albanischen Alpen oder das Valbonatal wurden unter Schutz gestellt.

Aber auch das Vjosa-Narta Delta ist ein geschützt – eigentlich. Es ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für Pelikane und Flamingos und Rastgebiet vieler Zugvögel. Allerdings gibt es Pläne, ausgerechnet dort ein Luxus-Resort mit 10.000 Betten zu bauen, Investoren sind Ivanka Trump und Jared Kushner. Dagegen protestierten nun seit zwei Wochen Abend für Abend Tausende, wenn nicht Zehntausende in Tirana, friedlich, aber lautstark (die folgenden Fotos sind vom gestrigen Abend).

Albaniens Ministerpräsident Edi Rama hält das Projekt für unabdingbar für die Zukunft des Landes. Nun, wenn man die Geschäftspraktiken der Familie Trump und Albaniens Platz im Korruptionsranking kennt, kann man auch auf ganz andere Ideen als ein altruistisches Interesse des Landesvater kommen! Jedenfalls fordern die Demonstranten mittlerweile nicht mehr nur den Schutz der Lagune, sondern auch den Rücktritt der Ramas und seiner Regierung.

„Von Albanern nicht willkommen“ – „Genug mit Ungerechtigkeit und Korruption!“ – „Rama und die Räuber repräsentieren uns nicht.“

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