Taxi bitte!

Dienstag, 2. Juni 2026

Die Route nach Mavrovo verläuft über etliche Kilometer auf der A2 / E65. In der Facebook-Gruppe zur TransDinarica habe ich dazu schon Warnungen gelesen und da ich bereits ein entsprechendes Verkehrserlebnis hatte, erspare ich mit ein zweites und nehme ein Taxi bis zum Abzweig nach Mavrovo.

Nachdem ich das Rad angemeldet hatte, hatte ich eigentlich einen Kombi erwartet, in den man das Rad problemlos hinein legen kann. Tatsächlich kommt ein alter Jetta, das Rad kommt in den Kofferraum (Rücksitze umgeklappt) und die Heckklappe wird mit einem Verzurrgurt gesichert.

Fahrrad in Kofferraum

30 Kilometer weiter geht es kurz vor 10 los. Es ist bewölkt, die Temperatur angenehm. Die heutige Etappe beginnt gleich mit 300 Höhenmetern, die Dank der moderaten Steigung relativ ressourcenschonend über die Bühne gehen.

Hier möchte ich gar nicht Fahrrad fahren!

Dann erreiche ich das Nordende des Mavrovo-Stausees. Hier, wo er langsam mit dem Land verschmilzt, halten die Frösche ein großes Konzert ab.

Frischkonzert am Nordende des Mavrovo-Sees

Auf den nächsten 30 km werde ich den See einmal komplett umrunden. Während ich an seiner Ostseite nach Süden fahre, weitet er sich immer mehr.

Am Südende weht mir ein scharfer Wind entgegen. Das ist gut, denn dann müsste ich ja gleich auf der anderen Seite des Sees Rückenwind haben. Ansonsten ist das Wetter so lala. Es ist grau und ein ganz feiner Nieselregen liegt in der Luft, aber die Temperatur ist ok.

So sehr Mavrovo von den Einheimischen und den Machern der TD gehyped wird, auf mich wirkt es wie einer dieser typischen und recht gesichtslosen Touristenorte, wie ich sie hundertfach aus den Alpen kenne. Auch sind viele Geschäfte noch geschlossen, was einen noch tristeren Eindruck erzeugt. Offenbar ist die Sommersaison Anfang Juni noch nicht eröffnet. Ich verlasse den Ort bald wieder.

Immerhin gibt es als Touristenattraktion auch eine halb versunkene Kirche, wie am Reschenpass.

Ist die alte baden gegangen, muss natürlich eine neue Kirche her!

Dann finde ich ein Restaurant, wo ich einen Kaffee trinken kann. Und das unbeschallt und draußen, da die wie immer zu laute Musik nur drinnen läuft! Dafür hat der Espresso hier Touristenpreise, zumindest für mazedonische Verhältnisse.

Am Westufer des Sees Richtung Norden treibt mich nun tatsächlich ein herrlicher Rückenwind vor sich her. Dazu ist die Sonne herausgekommen – so lässt sich’s fahren!

Sozialistisches Arbeiterdenkmal

Wenige Kilometer nach dem See folgt eine Gravelpassage. Man kann es auch eine Katastrophenpassage nennen. Jedenfalls handelt es sich um eine alte, ausgewaschene Straße aus grobem Natursteinpflaster, dazwischen viel lockerer Schotter. In den Pedalen stehend, mit lockeren Knien und beide Hände an den Bremsen fahre ich diesen Weg hinunter. Echte Härteprüfung für Mensch und Material!

Schließlich geht der ausgewaschene Geröllweg in eine unbefestigte Straße über und endlich auch wieder in Asphalt. Am Ende dieser siebeneinhalb Schotter-Kilometer muss ich erst einmal meine Hände entlasten.

Bremshand (eine von zwei 😉)

Nach einiger Zeit überhole ich einen Pferdewagen. Gestikulierend frage ich, ob ich ein Foto machen darf. Und das alte Paar auf den Sitz hält sogar extra für mich an! Ich klatsche die Beiden ab und bedanke mich (auf Deutsch).

Prompt höre ich aus einer Toreinfahrt heraus „Schönen Tag noch!“ Verblüfft sehe ich einen Teenager in der Einfahrt verschwinden. Schnell wende ich und komme mit ihrem Papa ins Gespräch. Sie kommen aus München und nutzen die Pfingstferien zu einem Besuch in der mazedonischen Heimat. So erfahre ich auch, dass in diesem Landstrich rund 40% Albaner leben, was wiederum die albanischen Fahnen erklärt, die mir unterwegs aufgefallen waren. Ein Problem zwischen den Ethnien gebe es deshalb aber nicht, erklärt er mir, Probleme machen immer nur die Politiker. Nun gut, dazu hatte mein albanischstämmiger Taxifahrer heute morgen eine andere Meinung.

Albanische Flagge in Norazedonien

Nun geht es zwar zügig, weil meistens leicht bergab, aber immer noch ein paar Dutzend Kilometer Richtung Tetovo, geschmückt von einem Ausblick auf das vor mir liegende Šar-Gebirge.

In Tetovo finde ich ein (für deutsche Vorstellungen) günstiges Hotel und nicht für zwei Nächte ein. Morgen gibt es wieder einen Sightseeing-Tag!

Time:
2.6.2026, 09:54:4
Duration:
04:44:41
Ascent/Descent:
823 m 1311 m
Distance:
82.95 km

Eine Antwort auf „Taxi bitte!“

  1. 1. Immerhin hat die neue Kirche einen pfiffigen Glockenturm 🙂
    2. Die „Gravelpassage“ ist schon krass – das hätte ich meinem Fahrrad nicht zugemutet. Aber deines ist für sowas ja wohl geeignet.
    3. Solche Pferdefuhrwerke hab ich letztes Jahr in Rumänien jeden Tag gesehen, die werden von der Landbevölkerung mit ihren bäuerlichen Kleinstbetrieben gerne verwendet. Sind viiiiel billiger, als ein Traktor.
    Auf jeden Fall wird deine Tour nicht langweilig. Jeden Tag neue Erlebnisse und Eindrücke. Macht Spaß, dich lesend zu begleiten. Und kostet kaum Schweiß…

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