Ein Start mit Überraschungen

Im Berufsverkehr fahre ich sechs Kilometer aus Tirana hinaus zum Bus Terminal East, von wo ein Bus Richtung Shkodra abfahren soll, der auch in Mjeda hält. Hier will ich meine Tour beginnen.

Berufsverkehr ist Berufsverkehr und macht auf dem Rad nicht wirklich Spaß, aber wenn man noch eine Zeit kennt, in der kein Mindestabstand von 1,50 m beim Überholen von Fahrrädern vorgeschrieben war, funktioniert das auch in Albanien einigermaßen stressfrei.

Dann die Überraschung: Trotz gegenteiliger Auskunft auf der Website von Gjirafa fährt hier kein Bus nach Shkodra. Die fahren alle vom neuen Bus-Terminal im Nordwesten der Stadt ab. Ich bekomme die Auskunft, mit dem Gelenkbus in die Innenstadt zu fahren und dort noch einmal umzusteigen. Da war ich zwar vorhin erst, aber ok. Der Bus nimmt allerdings keine Räder mit! Na,toll! Also lasse ich mir von cycle.travel eine Route zum NW-Terminal geben, die mich immerhin an der City vorbei lotst, und radele nochmal gute zwölf Kilometer, bevor meine eigentlich Reise überhaupt begonnen hat.

Das Terminal ist chaotisch – zumindest nach deutschen Maßstäben. Keine Auskunft, keine Bussteige, keine Abfahrtstafeln. Funktionieren tut das Ganze natürlich trotzdem. Man schaut einfach auf die Ziele, die an den überall herumstehenden Busen angeschlagen sind und während ich suchend umherschauen, bekomme ich die Ziele von den Fahrern sogar zugerufen.

Der Bus nach Shkodra ist bald gefunden und nimmt mich und mein Rad mit. Obwohl es eigentlich ein Direktbus ist, lässt er mich in Kosmaç raus. Von hier sind es nur acht Kilometer bis Mjeda, meinem Startpunkt für heute. Nach einer Cola und ein paar Keksen von Supermarkt fühle ich mich gestärkt genug, meine Tour zu beginnen. Es ist Viertel nach eins.

Mit 22 Grad ist es draußen angenehmer als im (klimatisierten) Bus. Und auch ein leichter Wind geht – angenehmste Fahrradbedingungen.

Hinter Vau-Deja erreiche ich die erste von heute insgesamt sieben Steigungen. Mit fünf bis sechs Prozent ist die ganz moderat, allerdings hat der Wind jetzt eine Mittagspause eingelegt und die Sonne wärmt ordentlich.

Auf der Höhe hat man einen wunderbaren Blick hinunter auf einen See und dahinter auf die albanischen Alpen. Nach jeder Steigung kommt eine Abfahrt. Und die könnte so schön sein, wenn nicht gerade die Straße neu gemacht würde. So ist es kein Asphalt, sondern Piste. Immerhin zwitschern die Vögel, während ich langsam darüber knirsche. Am See angekommen, bestimme ich sie als Drosselrohrsänger. Im Schilf quaken die Frösche.

Kilometerweit geht das jetzt pistenmäßig so weiter. Immerhin gibt es zwischendurch eine Bar und für mich einen Espresso.

In der fünften Steigung habe ich dann endlich wieder Asphalt unter mir, ganz frischen, nachdem ich die Baustelle noch vor den Autos passieren durfte. Eine Woche später wäre wahrscheinlich die ganz Strecke asphaltiert gewesen. Jedenfalls macht das Fahren gleich viel mehr Spaß. Bergauf nicht ganz so anstrengend und bergab die pure Freude!

Und das ist der Rückstau

An einer weiteren Bar sorge ich mit einer Limo für Kaloriennachschub, bevor ich die letzten zehn Kilometer nach Koman angehe. Mein Nacken ist nach der langen Rüttelstrecke ganz schön angespannt und freut sich aufs Ankommen!

Koman ist tatsächlich nicht mehr weit, mein B&B das erste im Ort. Nach einer Dusche fühlt sich die Welt schon wieder ganz anders an und der nächste Imbiss ist nur 500 m entfernt!

Time:
18.5.2026, 13:17:
Duration:
02:49:34
Ascent/Descent:
657 m 581 m
Distance:
41.80 km

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