Samstag, 6. Juni 2026
Ich habe meine ursprüngliche Planung überarbeitet. Eigentlich wollte ich noch einen Tag im Kosovo verbringen und bis Peja fahren, um von dort über Mazedonien wieder nach Albanien zu gelangen. Man kommt dabei über einen inoffiziellen Grenzübergang und braucht deswegen ein Permit. Das habe ich. Allerdings sind es von Peja bis zur Grenze hoch rund 2.000 Höhenmeter. Und das mit mindestens einer „Schiebgravel“-Passage, wie ich mittlerweile weiß. Davor habe ich, ehrlich gesagt, ordentlich Respekt. Zuviel Respekt! Ich werde deshalb bereits von hier aus wieder nach Albanien hinüber fahren und komme dann am Koman-Stausee an, über den ich auch auf dem Hinweg schon gefahren bin – in die andere Richtung. Und damit es nicht ganz so langweilig wird, plane ich noch einen Abstecher nach Valbona in die albanischen Alpen. So wird das heute strecken- und höhentechnisch eher etwas Kleines, was mir aber gar nicht unangenehm ist, denn mittlerweile liegen die Temperaturen mittags schon bei schwülen 27°, da finde ich es ganz angenehm, die körperlichen Aktivitäten auf den Vormittag zu begrenzen.
Am Morgen besuche ich den alten Bazar von Gjakova in der Annahme, dass da morgens so richtig das Leben tobt. Das Gegenteil ist der Fall. Alles ist noch tot, vereinzelt öffnen die Geschäfte gerade. Denn es ist kein Obst- und Gemüsemarkt, sondern tatsächlich ein Viertel mit kleinen Straßen und einstöckigen hölzernen Verkaufsläden. Hier wäre ich besser gestern Abend hingegangen. Aber gut, einen Eindruck bekomme ich trotzdem.


Aus der Stadt heraus, bin ich die nächsten 13 km auf kleineren Straßen unterwegs. Dann verlockt ein Bäcker zu einer ersten Pause im Schatten.


So wie es in Berlin eine „Straße des 17. Juni“ gibt, treffe ich hier auf eine „Straße des 27. März 1999“. An diesem Tag begann der Exodus von Hunderttausenden Kosovo-Albanern, die von den Serben aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Bereits am ersten Tag überschritten über 12.000 Menschen gezwungenermaßen die Grenze, die ersten Geflüchteten kamen aus der Region Prizren.

Die Straße ist jetzt zwar wieder breiter und auch etwas stärker befahren, aber alles im Rahmen. Und außerdem fahre ich auf schneebedeckte Berge zu. Das ist schon erhebend! In den akustischen Autopausen höre ich sogar einen Pirol!


Grenze! Erneut Albanien. Nur warum braucht der Grenzer so ewig, meinem Perso zu prüfen. Er wird beidseitig gescannt, dann nochmal, dann gibt er offenbar die ID noch in seinen PC ein und schließlich notiert er handschriftlich etwas in einer vor ihm liegenden Liste. Hinter mir stauen sich mittlerweile ein halbes Dutzend Autos. Aber das soll nicht mein Problem sein. Schließlich geht es weiter.



Hach, ist das schön, wieder in den Bergen zu sein! Arg warm ist es trotzdem. Keine Stunde mehr bis zum Etappenziel, ich mache trotzdem noch eine Pause: ein Espresso und ein halber Liter Wasser, und das in einer gut gekühlten Bar!

Noch eine letzte Steigung und ich checke in einem günstigen Hotel ein, mein Fahrrad wird sicher untergebracht.
Time: 6.6.2026, 08:15:5 |
Duration: 02:37:24 |
Ascent/Descent: | Distance: 43.15 km |
Minarett und Kirchturm, Steinbogenbrücken, Flüsse in ihrem natürlichen Bett vor schneebedeckten Bergen. Beim ersten schnellen Wischen glaubte ich Szenen aus Nordgriechenland zu sehen. Wie sich die Bilder ähneln. Herrliche Landschaft! Eine Gegend zum Innehalten und tief durchatmen.