Sonntag, 17.05.26
In der Nacht regnet es mehrmals und heftig. Aber am Morgen ist es wieder trocken. Ich bin früh wach und baue schonmal mein Rad zusammen, bevor es Frühstück gibt. Der Fahrradkarton kann die nächsten Wochen hier stehen bleiben, bevor ich die letzte Nacht wieder hier verbringe. So kann ich ihn für den Rückflug nutzen. Echt netter Service!
Ich gehe in die City und schließe mich einer „free tour“ an. Die gibt es auch auf Deutsch. Außer mir ist nur noch Mike aus Berlin dabei und natürlich Ervin, unser Guide. Er trägt ein FC Bayern Trikot. Ob wohl alle Albaner Bayern-Fans sind? Er hat immerhin ein Auslandssemester in München verbracht. Da kann ich das ja noch ein bisschen verstehen.

Ervin gibt uns einen Abriss der Geschichte Albaniens und natürlich des Nationalhelden Gjergj Kastrioti (1405 – 1468), der als Skanderbeg in die Geschichte eingegangen ist und Albanien durch osmanische, venezianische und neapolitanische Herrschaft führte, viele Schlachten schlug und, wie Ervin nicht ohne Stolz bemerkt, nie besiegt wurde.
Die Führung startet auf dem zentralen Platz Tiranas, der natürlich nach Skanderbeg benannt ist. Es gibt viele Neubauten rund um den Platz. Interessant ist dabei die Vorschrift, dass kein Gebäude dem anderen gleichen darf. Ein (Büro- und Wohn-) Gebäude ist sogar Skanderbegs Kopf nachempfunden. Wohnungen dort kann sich der normale Albaner übrigens nicht leisten. Auch die vielen neuen Autos, die mir gestern schon aufgefallen sind, erklärt Ervin so: sie gehören entweder Politikern oder Arbeitsmigranten.



Am Platz steht auch die älteste Moschee Albaniens, Et’hem Bej. Sie hat Enver Hoxhas „atheistischen Staat“ überlebt, in dem viele Moscheen, Kirchen und Klöster zweckentfremdet oder zerstört wurden. Heute ist Albanien ein religiös toleranter Staat, in dem Islam, katholische und orthodoxe Kirche friedlich koexistieren. Hier ruft der Muezzin und die Glocken läuten!
Die Et’hem Bej ist aber bei Weitem nicht so beeindruckend wie die Zentralmoschee. Mit Platz für über 4.500 Gläubige ist sie die größte des Balkans. Der Bau wurde von der türkischen Stiftung für Religionsangelegenheiten unterstützt, was bis heute zu Problemen führt. Über die finanzielle Unterstützung sollte – wen wundert’s – Einfluss auf die muslimische Gemeinschaft Albaniens genommen werden. Ervin erzählt, dass auch der Bau eines Parkhauses unter der Moschee zu Streitigkeiten mit Erdogan geführt hat – und in der Folge zu entsprechenden Bauverzögerungen.





Interessant ist aber auch die Pyramide, das teuerste Gebäude, das während der Hoxha-Diktatur gebaut wurde und ihm ein Denkmal setzen sollte. Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes verfiel es – wobei die Bevölkerung kräftig nachgeholfen hat – bis man sich überlegte, daraus ein internationales Kultur- und Begegnungszentrum für Jugendliche zu machen. 2023 ist es fertig geworden. Viele Treppen erschließen es außerdem als Aussichtsplattform.

Den Abend beschließe ich mit einer Meerbrasse. Tirana liegt zwar nicht am Meer, aber auch nicht weit weg. Interessant: nebenan ist ein Sushi-Restaurant, aus dem im Laufe des Abends jede Menge Japaner herauskommen. Japaner mit Sushi in Tirana ist so ähnlich wie Deutsche auf Mallorca mit SchniPoSa*, oder?

Morgen wird’s nochmal spannend: ich will mit dem Bus von Tirana nach Mjeda fahren, um dort meine Tour zu beginnen. Allerdings ist nicht klar, ob der Bus Bikes mitnimmt …
1SchniPoSa = Schnitzel, Pommes, Salat
Interessante Einblicke und tolle Architektur. Das Haus mit Gesicht ist der Hammer! HOffentlich wird das Wetter stabiler…