Sonntag, 7. Juni 2026

Heute gibt es wieder nur was Kleines, aber dafür stetig bergauf. Ich will deswegen schauen, dass ich das vor dem Sonnenhöchststand absolviert habe. Es wird trotzdem 7:30 Uhr, bis ich alles gepackt habe, das Hotel bezahlt ist und ich mich beim Bäcker mit Proviant versorgt habe.

Eigentlich wollte ich ja keine Pause unterwegs machen, aber ich brauche doch noch ein paar Kalorien. Die eine Banane hat als Frühstück wohl nicht gereicht. Und die kleine Bar am Straßenrand kommt mir dann auch gerade recht. Der Besitzer, der mich mit Handschlag begrüßt, sieht mit seinen fettigen Haaren, die er unter einer schmutzigen Kappe verbirgt und seinen Zahnlücken zwar nicht wie jemand aus, dem ich einen Gebrauchtwagen abkaufen würde, aber Kaffee machen kann er!

Ich halte die Pause kurz und weiter geht’s!
Natürlich halte ich mich auch mit Fotografieren und Filmen wieder auf, die Zeit läuft und die Sonne steigt. Aber ohne kann ich nicht. Dann muss ich halt nachher ein bisschen mehr schwitzen!

Das ist aber auch wieder ein herrliches Fleckchen Erde. Die Valbona hat sich hier eine tiefe Schlucht gefräst, sodass die Straße immer wieder mal die Seite wechseln muss, um überhaupt noch ins Tal zu passen. Obwohl das alles Kalkgebiet ist, fühle ich mich ans Bergell erinnert mit seinen steilen Schluchtwänden und den hohen Plattenschüssen am Ende des Tals.





Mir kommt ein anderer Radler entgegen, vollgepackt mit Reisegepäck. Wie auch neulich bei dem Spanier halten wir kurz an und tauschen uns aus. Er kommt aus Deutschland und will auf jeden Fall noch bis Thessaloniki. Und dann mal sehen. Vielleicht über Frankreich wieder zurück, Zeit hat er. Er lässt sich treiben. Herrlich, diese Freigeister!

Später als gedacht (warum nur?) komme ich in Valbona an, das in einem wunderbaren Hochtal liegt, umrahmt von hohen Bergen. Quartier nehme ich auf einem Campingplatz, der auch Zimmer vermietet und etwas außerhalb des touristischen Ortes liegt, völlig ruhig. Auch wenn ich selber lieber ruhiger übernachte: solche Orte wie Valbona oder neulich Mavrovo und die damit verbundenen Arbeitsplätze braucht das Land, damit die Menschen nicht in die Tourismus-Hochburgen an der Küste oder ins Ausland abwandern.


Time: 7.6.2026, 07:21:1 |
Duration: 02:10:22 |
Ascent/Descent: | Distance: 26.22 km |
Der Tag ist noch nicht alt. Nachdem ich geduscht bin, esse ich etwas und mache mich dann zu Fuß Richtung Theth auf, die ersten drei Kilometer mit dem Rad abkürzend.
Dieser Weg ist ein Teilstück des "Peaks of the Balkans", den ich auch noch auf meiner "bucketlist" habe. Da kann ich jetzt schonmal ein bisschen reinschnuppern.
Die ersten Kilometer sind nicht so prickelnd. Glücklicherweise hat das Rad schonmal drei asphaltige davon weggeputzt. Danach ist es ein Schotterweg - so ein typischer Talhatscher halt. Was auch auffällt: die Wandererdichte ist so hoch, dass viele nicht mehr grüßen. Aber das Panorama ist überwältigend!


Ein Schild 'Bar Kaffee" weist zu einem alten Haus. Das sieht schon sehr ländlich, um nicht zu sagen, ärmlich aus. Vor dem Haus stehen grob zusammengezimmerte Tische und Bänke, um die die Hühner laufen. Ich riskiere es. Eine Frau mit weißen Kopftuch zählt auf, was ich trinken kann und ich entscheide mich für ein Lemonsoda. Sie geht ins Haus, vor dem sie ihre Schuhe gegen Schlappen wechselt und kommt mit der Dose zurück. Natürlich nicht, ohne beim Heraustreten die Schlappen wieder gegen die Schuhe zu tauschen. Dazu bringt sie noch einen Teller mit Schafskäse. Sie setzt sich zu mir und wir kommunizieren so gut es eben ohne eine gemeinsame Sprache geht. Sie hat fünf Töchter, die ihr vermutlich bei der Logistik helfen, denn eine Zugfahrt gibt es hier nicht. Ansonsten hat sie ihre Schäfer und Hühner. Im Gegenzug liste ich meine drei Töchter auf. Zum Abschluss unserer "Unterhaltung" darf ich ein Porträt von ihr machen.



Ich laufe bis zu einem Platz, der in der Karte als Zeltspot eingezeichnet ist. Tatsächlich ist es deutlich mehr als das: Bar, Cafe, Tische und Bänke mit Überdachung, ein hervorragender Pausenort und reichlich frequentiert. Dazu gibt es eine natürlicher Wasserkühlung für die Getränke. Die Versorgung erfolgt offensichtlich per Pferd. Ich lasse mir einen"traditional coffee" zubereiten und definiere das im übrigen als meinen höchsten und zugleich Zielpunkt für heute.





Ob der "Peaks of the Balkan" trotz Talhatscher und offensichtlicher Beliebtheit auf meiner bucketlist bleibt? Ich bin noch nicht sicher.
Ascent/Descent: | Distance: 15.56 km |
Traumhafte Landschaft!
Ich kommentieren mal wieder mit einem meiner Lieblingszitate, diesmal von Denholm Elliott aus dem Film „Zimmer mit Aussicht“:
„Ein herrliches Fleckchen Erde haben Sie hier!“
Stimmt! 😊