Start

Ursprünglich wollte ich ja ohne Flieger nach Albanien kommen. Man kann mit dem Zug über München nach Ancona fahren, dort die Fähre nach Durrës nehmen und die letzten 36 Kilometer mit dem Bus nach Tirana fahren. Das Ganze dauert allerdings zwei Tage und kostet dreimal soviel wie ein Flug, der in weniger als zweieinhalb Stunden am Ziel ist. Ganz ehrlich: alleine kann ich die Welt nicht retten! Dass Kerosin nicht besteuert wird und Flüge so billig sind, ist ökologisch ein Unding, aber politisch offensichtlich nicht änderbar – zu groß sind die Lobby-Interessen und zu viele Regierungen müssten den gemeinsamen Willen haben, etwas zu ändern. Naja, am Preis zumindest arbeiten Trump und die Revolutionsgarden ja gerade!

Um mein ökologisches Gewissen zu beruhigen, kompensiere ich die Flüge über Atmosfair, wo ich einigermaßen sicher bin, dass das Geld in sinnvolle Projekte angelegt wird. Nicht optimal, aber zumindest die zweitbeste Lösung. Und auf jeden Fall besser als die Ausgleichszahlungen, die die Fluggesellschaften anbieten, die firmieren eher unter Greenwashing.

Ob, damit bin ich natürlich nicht geflogen!

So, genug lamentiert und relativiert. Nun bin ich also in Tirana, dabei war der Auftakt durchaus Blutdruck treibend und zwar durch eigenes Verschulden:

Wir waren bereits seit 20 Minuten unterwegs zum Flughafen – Uta hat mich gefahren – als mir siedendheiß einfiel, das zwar das Fahrrad im Auto liegt, ebenso mein Handgepäck, aber der Gepäcksack mit den Fahrradtaschen noch zu Hause im Arbeitszimmer steht. Wie, bitteschön, konnte ich den nur vergessen? Jedenfalls sind wir die nächste Ausfahrt raus, gewendet, wieder nach Hause gebrettert (keine Knolle!) und nochmal Richtung Flughafen. Zum Glück reichte der Zeitpuffer; beim Check-In gab es keine Schlange, auch nicht beim Sperrgepäck, beim Security-Check und bei der Passkontrolle, sodass ich schließlich noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Boarding hatte.

Am Flughafen in Tirana holt mich ein Taxi ab, das mein B&B organisiert hat – eins, wo mein Radkarton hinein passt. Auf der Fahrt in die Stadt radebrechen wir ein wenig – er spricht außer Albanisch nur ein wenig Italienisch, von dem ich ebenfalls nur „un poco“ kann. Aber soviel verstehe ich:

  • Albanien ist schön
  • Albanien ist sicher – am Tag und auch in der Nacht
  • die Politik ist leider korrupt

Na, das ist ja schonmal eine Ansage! Wobei für mich im Moment die ersten beiden Punkte wichtiger sind als der letzte.

Was mir ansonsten auffällt: die Straße ist neu – von solch glattem Asphalt können wir in Deutschland mittlerweile nur träumen. Und auch die Autos sehen im Schnitt deutlich jünger aus als bei uns. Radwege gibt es allerdings erst nahe am Zentrum. Und die werden intensiv genutzt – von motorisierten Zweiradfahrern, die so den Stau rechts umfahren!

Am B&B steht mein Empfangskomitee – Vater und Tochter – schon an der Straße. Ich werde aufs Herzlichste begrüßt und der Vater – hoffentlich verstehe ich zumindest morgen seinen Namen – lässt es sich nicht nehmen, mich persönlich zum nächsten Restaurant und einem späten Abendessen zu begleiten, wobei er mir von Beckenbauer, Rummenigge und Bayern München vorschwärmt. Ich habe nicht versucht, ihm klar zu machen, das mir der Verbleib des Effzeh in der 1. Liga wichtiger ist als die x.te Meisterschaft der Bayern.

Das Abendessen war übrigens richtig lecker, obwohl ich nur zum Teil weiß, was ich da gegessen habe. Das Dessert jedenfalls war ungewöhnlich, und auch ungewöhnlich lecker. Soviel habe ich verstanden: es war ein Stück Wassermelone (und zwar aus der Schale), das mit Zucker und Gewürzen gekocht wurde. Schwarzer Tee war dabei nicht im Spiel, obwohl ich das beschwört hätte!

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