23. – 30. August 2026
Zwischen Rüsselsheim und Frankfurt fahren wir durch einen Mix aus Industriegelände und grünen Lungen, ruhig in den Mainauen und laut auf Schnellstraßen-parallelen Wegen, aber immer gut zu fahren.
Wir machen einen kurzen Abstecher in die Frankfurter Innenstadt zum Römer. Auch die Paulskirche schauen wir uns an, die zwar bereits seit 1944 nicht mehr als Kirche fungiert, aber als Tagungsstätte des ersten demokratisch gewählten Parlaments 1848/49 einen der ersten Demokratieorte Deutschlands darstellt, zu dem es einen Vorläufer eigentlich nur im Fest auf dem Hambacher Schloss 1832 gibt.




Wir übernachten bei Utas Schwester in Rodgau, bevor wir über Seligenstadt nach „Ascheberch“ (so nennt der Aschaffenburger seine Heimatstadt) weiter radeln und einen Blick auf Schloss Johannisburg werfen, die ehemalige Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten. Bis Miltenberg geht es nun zwar am Main entlang, aber gleichzeitig an einer recht stark befahrenen Schnellstraße – das ist nicht so wirklich idyllisch.



Zwetschgendatschi-geboostert wechseln wir die Main Seite in Freudenberg und finden in Stadtprozelten einen Marina-Campingplatz. Das Zelt ist gerade aufgebaut, als es zu regnen beginnt, aber wir haben wir Tisch und Bänke unter Dach und somit einen bequemen und trockenen Koch- und Essplatz!

Auf den verregneten Abend folgt ein ziemlich bedröppelter Tag, bei dem wir uns von Kaffee zu Kaffee hangeln. Oder auch von Kuchen zu Leberkäs-Semmel. Dabei ist es landschaftlich eigentlich ganz schön. Auch lauter nette Orte reihen sich aneinander: Wertheim – Marktheidenfeld – Lohr – Gemünden und schließlich Karlstadt, wo wir uns ein Hotel nehmen und das Zelt trocknen.





Am Wochenende werden wir in Bamberg und Kulmbach sein, wo es offenbar nur Wohnmobil-Stellplätze, aber nichts zum Zelten gibt. Sicherheitshalber buchen wir Hotels vor – immerhin ist noch Feriensaison!
Die Abfahrt aus Karlstadt verzögert sich, als der Hotelbesitzer die Kamerabefestigung an meinem Lenker sieht und mich in ein Gespräch über Radtouren mit Videokameras und Drohnenunterstützung verwickelt. Derweil steht Uta herum und fragt sich wohl insgeheim, wann wir endlich losfahren – ‚Immer muss man auf die Männer warten‘! 🙂
Wir besuchen das Weihnachts Postamt in Himmelstadt, den Rokokogarten in Veitshöchheim (Empfehlung von unserer Chor-Mitsängerin Susanne) und natürlich die Würzburger Residenz.









Aus der Würzburger Residenz hier noch ein 360 Grad-Panorama des Spiegelsaals.
In Wein-Franken (Marketing-Bezeichnung) steigen die Temperaturen wieder, der Regen ist verschwunden und nach einer Zeltnacht bei Schwarzach fahren wir früh los, da es an diesem Tag auf einmal wieder über 30 Grad warm werden soll. Wir weichen vom Mainradweg ab, um von der Vogelsburg einen Blick auf die Mainschleife zu werfen – auch ein Tipp von Susanne, die aus der Gegend stammt.





Hinter Schweinfurt wird die Landschaft zunächst langweiliger. Richtung Haßfurt radeln wir rund 20 km Bahn-parallel, davon einige Kilometer über blöde Betonplatten. Dann nähern wir uns den Haßbergen, während der Weg entlang von Sojafeldern verläuft. In Haßfurt entschieden wir uns, bis Bamberg durchzuziehen, auch wenn der Tag so über 100 km lang wird. Ins Hotel können wir auch schon eine Nacht vorher. Morgen schieben wir dann einen ganzen Ruhe- und Sightseeing-Tag ein.

Die Wallfahrtskirche Maria Limbach ist eine schöne Unterbrechung der nicht sonderlich attraktiven Etappe, die offenbar nur eine Strecke ist, um Strecke zu machen. Die Barockkirche wurde nach Entwürfen von Balthasar Neumann erbaut, dessen Schaffen wir ja auch vom Brühler Schloss kennen und zuletzt in der Würzburger Residenz bewundern durften.


Bamberg: Stadt des Rauchbieres. Wir essen im Schlenkerla. Naja, Brauhausküche halt. Wer es raffiniert mag, muss eben woanders hingehen. Interessant ist aber schon die Geschichte des Rauchbieres. Das war eigentlich schon immer da, seit Bier gebraut wird. Denn zum Bierbrauen braucht man gemalzte Gerste, die zuvor auf der Darre getrocknet wird. Und bevor man geschlossene Trockenräume erstellen konnte, wurde das Grünmalz auf einem „Sieb“ mit feinen Spalten direkt über dem Feuer gedarrt. Logisch, dass das Ergebnis dann rauchig schmeckt. Während nahezu alle Brauereien der Welt mit der Zeit auf rauchfreie Trocknung umgestiegen sind, gibt es allein in Bamberg mit dem Schlenkerla und dem Spezial die beiden einzigen verbliebenen Brauereien, die ihre Gerste ganz traditionell, sprich: im Rauch darren. Wer mehr über fränkisches Beir lesen will: ich war 2021 mit Leo in Bamberg und Umgebung und dabei haben wir natürlich auch das ein oder andere Bier getestet.





In der Nacht regnet es mal wieder. Am Vormittag besuchen wir den Bamberger Dom. Dann kommt der große Regen plus Gewitter. Gestern bis Bamberg durchgefahren zu sein, war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Statt mit ohnehin noch nass eingepacktem Zelt uns jetzt auf dem Rad einweichen zu lassen, sitzen wir im trockenen Hotelzimmer, trinken einen Kaffee aus der Nespresso und schauen durch das weit geöffnete Fenster dem Regen beim Schütten zu. Am Nachmittag besuchen wir das Brauereimuseum und Klein-Venedig, die auf der Bamberger Regnitzinsel liegende ehemalige Fischersiedlung.







Von Bamberg Richtung Kulmbach ist die Strecke wieder schön und abwechslungsreich: kleine Wege und Straßen, schöne Landschaft, auch der Wettergott spielt wieder mit und tupft ganz viele Wattebäuschchen an den Himmel.


Wir machen einen Abstecher zur Basilika Vierzehnheiligen (wieder Balthasar Neumann). Diese Wallfahrtskirche, die auf dem Höhepunkt des Barock entstand, ist beeindruckend. Sie ist hell und wirkt, was für Barock bei Weitem nicht immer zutrifft, nicht überladen und schwülstig. Auch ihre Entstehungsgeschicht ist sehr interessant, würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wer mehr wissen will, schaue mal in die Wikipedia.


Im Bierhäusla in Kulmbach feiern wir dann unseren 40. Hochzeitstag. Hier gibt es – neben gutem Essen – auch diverse lokale Biere. Nachdem wir uns haben beraten lassen, sagt Uta „Also einer nimmt das Tagesbier und ich das Rubin!“ – Ok, machen wir!


Wir fahren durch eine schöne Hügellandschaft und über kleine, kaum befahrene Straßen. Ein Dorffest erfordert eine Umleitung – eigentlich! Zumindest, wenn das Fest läuft und auf jeden Fall für Autos. Wir aber fahren einfach durch das Festzelt hindurch – es ist noch Vormittag!






Weiter geht’s nach Bayreuth. Bei Richard Wagner assoziiere ich wunderbare Ouvertüren, viel zu lange Opern und Antisemitismus. Bei der Betrachtung des ihm zu Ehren gebauten Festspielhauses denken wir darüber nach, wie erschreckend und auch rätselhaft es ist, dass der Sinn für künstlerische Schönheit einerseits und menschenverachtende Überzeugungen andererseits ein und demselben Geist entspringen können.




Anschließend besuchen wie die Eremitage mit ihren beeindruckenden Schlössern. Das „Neue Schloss“ wurde mit ganz vielen Mineralien „verputzt“. Quarzit, Malachit und Azurit kamen dabei zum Einsatz und sorgen für ein funkelndes Farbenspiel.
Mit Bayreuth beenden wir unsere Reise am Main entlang. Nun geht es an die Werra. Aber erst im nächsten Artikel.
Ascent/Descent: | Distance: 554.13 km |
Immer wieder schön, sich daran zu erinnern, wieviele sehenswerte Städte Deutschland hat. Auch zuhause ist es schön 😉