Vom Main an die Werra

30. August – 1. September 2026

Mit Blick auf das Fichtelgebirge folgen wir ab Bayreuth dem „Oberfranken-Trail“ über kleine Straßen und Wege bis zur JH Wirsberg, wo wir übernachten.

An der JH Wirsberg

Nach Regen und Gewitter in der Nacht ist es am Morgen grau und nur 16°C. Windjacken-Wetter. Wir fahren durch den Frankenwald. Das bedeutet: etliche Steigungen, zum Teil bis 16%! Da ist es doch sehr angenehm, motorunterstützt zu fahren. Es ist total einsam hier – uns begegnet nicht ein Radfahrer. Man merkt, dass wir hier nicht mehr auf einem populären Flussradweg sind.

In Presseck erreichen wir eine Höhe von 660 Metern und damit den vermeintlich höchsten Punkt unserer Tour. Da entdecken wir etwas abseits des Weges einen Aussichtsturm, den wir ansteuern. So kommen noch 40 Höhenmeter dazu. Am Aussichtsturm gibt es abschließbare Gepäckfächer und E-Bike-Ladestationen – was für ein Service. Fehlt eigentlich nur noch ein Café. Über 235 Stufen steigen wir auf den 45 Meter hohen Turm und blicken über Franken- und Thüringer Wald, wenn auch nicht lange, denn auf Dauer ist uns das zu kalt und zu windig.

Von Pressek aus fahren wir kilometerweit stetig bergab über eine wunderschöne schmale Straße bis ins Tal der Wilden Rodach (die uns überhaupt nicht wild vorkommt). Wir biegen links ab und sind auf einem separaten Fahrradweg, der wirkt, als wäre er extra für uns gerade erst frisch asphaltiert worden und uns an dem kleinen Flüsschen entlang nach Wallenfels führt.

Hinter Kronach kommen wir auf den Iron Curtain Trail, der hier der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Thüringen und Bayern folgt. Am Weg ist auf einmal eine Gedenkstätte für das Dorf Liebau, das im Jahre 1317 erstmals erwähnt wurde und bis 1975 hier stand. Da es direkt an der DDR/BRD-Grenze stand, sollten im Juni 1952 alle Bewohner ins Landesinnere der DDR zwangsumgesiedelt werden. Am Vorabend der geplanten Evakuierung erhielt der damalige Bürgermeister Edwin Beyer jedoch einen vertraulichen Telefonanruf und informierte die Bewohner, die sich daraufhin noch in der derselben Nacht geschlossen über die Grenze nach Bayern absetzten. Das Dorf stand verlassen, bis es 1975 auf Anweisung der SED-Führung dem Erdboden gleichgemacht wurde. Wir treffen einen Zeitzeugen, der erzählt, wie er damals mithelfen musste, das Dorf abzureißen.

Nach einer Hotelnacht in Neustadt bei Coburg wecken uns morgens um 6 Uhr die Kirchenglocken, Anschließend dreht die Kehrmaschine ihre Runden über den Platz, auf den unser Zimmerfenster schaut. Kein Wunder, dass es Frühstück hier bereits ab 6:30 Uhr gibt!

6:30 Uhr: Die Kehrmaschine fährt

Nach telefonischer Voranmeldung (es gibt keine festen Öffnungszeiten) besuchen wir das Murmelmuseum in Sachsenbrunn. Hier, am Rand des Thüringer Waldes, hat Axel Trümper, gebürtiger Berliner, Bildhauer und Restaurator eine alte Mühle gekauft und in jahrzehntelanger Kleinarbeit wieder hergerichtet. Quasi als Nebenprodukt fiel ihm auf, dass Murmeln aus Ton oder Stein ursprünglich in solchen Mühlen hergestellt wurden. Dabei haben sie auch eine Entwicklung von der Munition – denn das waren sie ursprünglich – zum Kinderspielzeug durchlaufen. Mit der Zeit hat er Vieles zum Thema zusammengetragen. Und etliches darüber hinaus. So ist die Führung durch den Museumsleiter mit Tendenz zur Selbstdarstellung zwar sehr persönlich, aber es geht auch laufend „vom Hölzchen aufs Stöckchen“. Der Mühle fehlt definitiv ein didaktisches Konzept. Interessant ist es trotzdem!

Gleich hinter der Mühle verläuft die Werra als schmales, erst wenige Kilometer altes Flüsschen. Und damit sind wir am Werratal-Radweg. Aber das ist Thema des nächsten Artikels.

Die junge Werra
Ascent/Descent:
1596 m 1468 m
Distance:
139.20 km

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