26. Mai 2026
Vorbei an Gebrauchtwagenhäusern und Reparaturwerkstätten fahre ich aus dem Ort raus und auf eine leider stark befahrene Straße, die zugleich eine Riesen-Baustelle ist.

Ich war durch die Routenbeschreibung zwar darauf vorbereitet, aber der viele Verkehr macht mich trotzdem nervös. Ich muss darauf achten, dass ich nicht in die Kette Nervosität, Adrenalin, Fluchtreaktion und daraus folgende Verausgabung hineinrutsche. Also trete ich bewusst ruhig und konzentriere mich auf einen gleichmäßigen Rhythmus. Nach fünf Kilometern verlagert sich die Baustelle immerhin von der Straße ins Tal.
Die Luft ist aufgepumpt mit Abgasen. Den Hühnern, die am Straßenrand im staubigen Gras picken, ist das offenbar egal, sie kennen es wohl nicht anders.
Wenn ich mal für längere Zeit nicht überholt werde, weiß ich, da kommt bald ein langsamer Laster und zieht eine entsprechende Schlange hinter sich her. Zum Glück sehe ich das dann im Rückspiegel, fahre rechts ran und lasse die Schlange vorbei.

Aber auch 12 km hinter Librazht sind die Baustellen im Flusstal noch im Gange. Offenbar wird hier eine Autobahn vorbereitet, die dann zwar Entlastung für zukünftige TransDinarika-Radler bringen wird, wofür dem Tal aber gigantische Umgestaltungen abverlangt werden.
Der schönere Weg wäre sicher gewesen, die vorhandene Straße schonend auszubauen und die alte Eisenbahntrasse, die hier existiert, als Radweg zu reaktivieren.

Nach 20 Kilometern weicht die TransDinarica für 12 km auf eine etwas längere, aber ruhige Alternativroute aus, bevor ich auf die Hauptstraße zurück muss. Am Abzweig gibt es eine Bar. Eine Viertelstunde Pause, ein Espresso und eine Banane lassen mein Stresslevel wieder sinken.

Und die Straße ist tatsächlich viel ruhiger. Und auf einmal hört man auch wieder Vögel. Bevor ich erneut auf die Hauptstraße komme, mache ich noch mal eine Limo-Pause für den Kalorien-Nachschub.



Es geht weiter bergauf. Und zwar nochmal 370, meist steile, Höhenmeter. Auf halber Höhe brauche ich eine Verschnaufpause. Der Verkehr hält sich zum Glück in Grenzen und die Straße ist breit genug, dass die Autos mit ausreichend Abstand überholen können.
Dann muss ich mich entscheiden: Griechenland oder Mazedonien! Da ich nicht Viktor heiße, biege ich links ab 😄

Um 13 Uhr bin ich endlich oben. Rechts unter mir der Ohrid-See,

vor mir die Grenze und ich bin in einem neuen Land:
Nordmazedonien

Die südlichste Teilrepublik des kommunistischen Jugoslawiens wurde nach dessen Zerfall 1991 zunächst als „Republik Mazedonien“ gegründet. Da es aber im Norden Griechenlands ebenfalls ein Mazedonien gibt (beide Regionen gehören zum historischen Makedonien) und beide Länder Anspruch auf den Namen erhoben, dauerte es bis 2018, bis man sich darauf einigte, das neue Land „Nordmazedonien“ zu nennen.
Nodmazedonien hat ca. 1,8 Millionen Einwohner. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International zeigt sich Nordmazedonien kaum besser als Albanien. Als Tourist merkt man davon aber wohl nichts – beide Länder gelten als sicher.
Als Binnenland profitiert Nordmazedonien sicherlich weniger von touristischer Entwicklung als Küstenländer wie Albanien. Die TransDinarica-Organisatoren halten das Land auch als Radreiseziel für unterschätzt. Dabei soll es neben UNESCO-Welterbestätten auch mit Nationalparks, Bergen, Seen und einer Vielzahl kulinarischer Genüsse aufwarten. Ich bin gespannt!
In Nordmazedonien erwarten mich rund 400 km Strecke mit 6.300 Höhenmetern.

Aber zurück zum Tag
Dann brauche ich kilometerlang nicht die Pedale bewegen, bis ich unten am See bin. Unterwegs begrüßen mich Nachtigall, Pirol, Amsel und Mönchsgrasmücke, während die Nase intensiv vom Jasmin bezirzt wird. Am See macht dann noch der Drosselrohrsänger enorm Krawall.
Der erste Eindruck von Mazedonien: die Straßen sind nicht ganz so toll wie in Albanien, aber die Straßenränder sind unvermüllt und die Ortschaften, Häuser und Gärten wirken deutlich gepflegter und sauberer.

Ich fahre ein Stück am Schilfrohrgürtel entlang, da die TD hier die Hauptstraße meidet. Elf Kilometer vor dem Ziel schiebe ich noch ein Mittagessen ein und dann fliege ich förmlich am See entlang, keine Steigung mehr! Es pedaliert sich wie von selbst. Ich finde ein günstiges und ruhiges Quartier und freue mich auf den morgigen Ruhe- und Sightseeing-Tag in Ohrid.

Time: 26.5.2026, 08:28: |
Duration: 04:23:59 |
Ascent/Descent: | Distance: 72.33 km |
Wie schön dass du dich so gut regulieren kannst und auch in den stressigen Situationen ruhig bleiben kannst ! Die Belohnung war dann wohl die Abfahrt und die schöne ruhige, gut riechende, sowie vogelstimmenfreundliche Landschaft in Nordmazedonien.
Und zu deiner Frage: Bayern?
Aber schon verblüffend, dass das Schild in Nord-Albanien, kurz vor der mazedonischen Grenze steht. Und dazu noch mit einer kompletten, ebenfalls deutschsprachigen Jet-Zapfsäule!