Im Land der Skipetaren

Mittwoch, 20. Mai 2026

Während im Hintergrund der gestreamte Sänger mit kunstvollen stimmlichen Verzierungen im 6/8-Takt vor sich hin schmachtet, kämpfe ich mit salzigem Schafskäse, Spiegelei, Pommes und Hörnchen, die mehr Schokocreme enthalten als Teig. Schon gewöhnungsbedürftig, dieses Frühstück! Aber wer alles haben will wie zu Hause, sollte auch zu Hause bleiben! Jedenfalls bringt das Frühstück Kalorien und das ist das Wichtigste!

Später als geplant komme ich los, weil ich mein Handy versehentlich in den Schlafmodus versetzt hatte und am Morgen halbwach vergeblich auf den Wecker gewartet habe.

Als ich losfahre, schlafen in den Bergen noch die Wolken, während die Sonne behutsam den Dunst über dem See aufweckt. In der ersten 5%-Steigung ziehe ich die Windjacke aus, auch wenn es mit 15° noch ein bisschen kühl ist, warm wird mir jetzt von alleine.

Hoch über der Valbona fahre ich jetzt wunderschön auf einer Straße, auf der mir kaum jemand begegnet.

Hoch über dem Tal der Valbona
Die albanischen Alpen über Bajram Curr

Hinter Ragam windet sich die schmale Straße über 10 Kilometer in gemächlicher Steigung auf eine Höhe von 816 Metern. Bis auf Vogelgezwitscher ist es absolut still. Nur ab und an unterbricht ein Auto meine Pedal-Meditation.

Pause

Auf dem Pass mache ich Pause. Dann kann ich kilometerlang laufen lassen. Die Straße ist schmal, aber in bestem Zustand. Mein Blick schweift immer wieder in die umgebenden Berge. Was für ein Traum!

Viele Autos treffe ich auf dieser Strecke nicht an. Woran ich mich aber dennoch gewöhnen muss, ist der – zum Glück nicht allzu weit verbreitete – Gebrauch der Hupe. Dabei ist das keine Aggression wie zumeist bei uns, sondern entweder als Warnung im Sinne von „Achtung, Auto kommt von hinten“ gedacht oder auch als freudige Begrüßung und Anerkennung der sportlichen Leistung desjenigen, der da ohne Motor auf zwei Rädern unterwegs ist.

An Helshan, was ich eigentlich für gestern als Etappenziel geplant hatte, bin ich mittlerweile vorbei. Gut, dass ich gestern in Dushaj geblieben bin. Ich hätte im Regen nichts gesehen und wäre auch ziemlich fertig angekommen!

Die Bar, in der ich mich für die letzten Kilometer bis Kruma noch stärken wollte, existiert leider nicht. Es gibt lediglich zwei Klos mit Schwalbennest über dem Spülkasten und einen Wasserhahn, den ich mich aber nicht zu benutzen traue. Noch habe ich Wasser, das sollte bis Kruma reichen.

10 km vor Kruma finde ich dann doch noch eine Bar, in der ich mir eine Cola reinziehe, damit läuft auch die letzte Strecke noch!

Ja, und danach gibt es noch einen allerletzten Anstieg, der mich mit
bis zu 11% Steigung nochmal so richtig fordert. Aber läuft. Danke, Cola!

Time:
20.5.2026, 08:52:
Duration:
05:04:17
Ascent/Descent:
1413 m 1128 m
Distance:
77.57 km

Diesmal passt der Beitragstitel übrigens wirklich. Denn die Albaner bezeichnen sich selber auch heute noch als Shqiptarë, ihr Land als Shqipëria und ihre Sprache als shqip. So gesehen bin ich also schon seit meiner Ankunft am Flughafen in Land der Skipetaren, auch wenn Envar Hoxha das Karl-May-Klischee nachhaltig verändert hat:

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