Rund um das Fierza-Reservoir

Donnerstag, 21. Mai 2026

Heute funktioniert der Wecker. Dabei ist es gar nicht meiner! Um vier Uhr in der Nacht schallt der Ruf des Muezzin, von einem großen Lautsprecher verstärkt, über den Ort. Die Moschee liegt direkt neben meinem Hotel.

Nach der gestrigen langen und steigungsreichen Etappe wird es heute erholsamer. Nur 30 Kilometer und 430 Höhenmeter stehen an bis Kukës, der größten Stadt der Region.

Ohne viel Verkehr folge ich der Straße. Nach der halben Strecke lockt eine Bar am Straßenrand. Es ist zwar erst halb Elf, ich gebe der Versuchung aber ohne jeden Widerstand nach! Ein Macchiato (Espresso, nicht Latte) mit einem Glas Wasser kosten mich 50 Lek – das sind etwa € 0,50!

Macht 50 Cent

Ich komme mit dem Besitzer ins Gespräch. Er hat fünf Jahre in UK gelebt und spricht fließend Englisch. Er ist aber wieder nach Albanien zurückgekommen, um dieses kleine Geschäft aufzumachen. Hier ist er schließlich zu Hause! Er ärgert sich, dass so viele Leute das Land verlassen, was er der Politik zuschreibt, die aufgrund ihrer Korruption nicht ausreichend Chancen für die eigene Bevölkerung verwirklicht.

Zwei Kilometer nach der Bar verlässt meine Route die neue Asphaltstraße und führt über eine schon verfallene alte Straße, auf der ich ab und an absteigen muss, weil Erdrutsche diese verschüttet haben. Zu Fuß, das Fahrrad schiebend, geht es aber!

Und es ist hier fantastisch ruhig. Der Blick auf das Fierza-Reservoir, das mich auch gestern schon begleitete, ist absolut beeindruckend! Klar ist das keine natürliche Landschaftsform, sondern ein Stausee, der zwangsweise die Täler aufgefüllt hat. Aber das Ergebnis ist einfach beeindruckend schön!

Ich esse den Rest meines morgendlichen Bureks, wobei ich mich kaum zu kauen traue, da schon meine Kaugeräusche diese herrliche Stille übertönen.

Wunderbar, dass diese heutige Etappe so kurz ist. So kann ich mir viel Zeit lassen zum Fotografieren und Filmen und diese Landschaft genießen.

Aber irgendwann breche ich dann doch wieder auf. Oder um es mit Hape Kerkeling zu sagen „dat Leben muss ja irjendwie weiterjehn!“
Wobei: wenn das hier nicht Leben ist, was dann?

Die Brücke über die weiße Drina

Und wieder dauert es nicht lange bis zur nächsten Pause. Einer Empfehlung des TransDinarica Navigation Packs folgend, besuche ich ein Lokal direkt hinter der Brücke über die weiße Drina. Der Blick von der Terrasse ist spektakulär. Die Gipfel des Grenzgebirges sind noch schneebedeckt, während das Wasser der Drina den Wald zu verschlingen scheint. Im Süden des Sees, der die Drina hier ausbuchtet, liegt schon Kukës, mein Tagesziel, nur noch drei Kilometer entfernt.

Kukës hat während des Kosovo-Krieges Tausende von Flüchtlingen aufgenommen, weshalb es im Jahre 2000 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde – als erste Stadt überhaupt.

Beim Gang durch die Straßen bekomme ich den Eindruck, das es hier mehr Geschäfte gibt als Einwohner. Das meiste davon sind kleine Lebensmittelmärkte und Bars, in denen übrigens nur Männer sitzen. Aber auch Friseurgeschäfte und Beauty Salons, Telekommunikationsanbieter oder kleine Baumärkte sind dazwischen. Sogar einen Juwelier entdecke ich.

Nach diesem kurzen Sightseeing kehre ich zu meinem Hotel zurück.

Und auch das wollte ich noch erzählen: Eine Unart albanischer Hotels und B&Bs ist übrigens die Nasszelle. Denn die macht ihrem Namen alle Ehre, definitiv nach dem Duschen! Eine Duschabtrennung gibt es nämlich nicht. Anschließend steht alles unter Wasser. Man sollte also tunlichst vor dem Duschen aufs Klo gehen und dann die Klopapierrollen ins Zimmer legen, wenn man diese nochmal nutzen will!

Dusche zwischen Klo und Waschbecken! 😊

So, morgen wird die Strecke auch nicht viel länger, dafür gibt es wieder jede Menge Höhenmeter. Heute war es eher gemütlich:

Time:
21.5.2026, 09:22:
Duration:
01:52:56
Ascent/Descent:
416 m 522 m
Distance:
30.44 km

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