Der höchste Punkt Irlands

Vorgestern versprach die Wettervorhersage noch sieben Sonnenscheinstunden für heute, gestern immerhin noch drei und heute morgen regnet’s. Niederschlagswahrscheinlichkeit für den ganzen Tag: 80%! Dabei hatten wir extra auf den vermeintlich schönsten Tag der Woche gesetzt, um auf auf den höchsten Berg Irlands, den Carrauntoohil (gesprochen etwa „Karahntuhl“). In Schottland würde er mit seinen 1.039 Metern Gipfelhöhe als „Munro“ geführt, das sind die Dreitausender Schottlands (3.000 Fuß, versteht sich!). Aber da Sir Munro Schotte war, kam in Irland selbstverständlich niemand auf die Idee, diese Klassifizierung zu übernehmen. Erschwerend kommt sicher dazu, dass die Zahl der Dreitausender in Irland verschwindend gering ist.

Aber zurück zum Wetter (ohnehin ein beliebtes Thema hierzulande): Sollen wir oder nicht? Aber unsere Wirtsleute meinen, dass es im Laufe des Tages besser würde und den Rest den Woche wieder schlechter. Eine abwechslungsreiche Aussicht kann zwar auch aus der Vielfalt der Wolkenformationen bestehen, aber ehrlich gesagt ist das nicht unsere Idealvorstellung von Gipfelsicht. Aber wenn wir es erst gar nicht versuchen und am Mittag scheint dann die Sonne … ?

Also los! Der Regen hat aufgehört und als wir am Cronin’s Yard aus dem Auto steigen, kann man den Gipfel des Carrauntoohil auch fast sehen. Wir laufen zunächst über einen breiten Weg das Tal des Gaddagh-Flusses entlang. Vor uns die Berge, rechts grüne Wiesen, links auch. Und Schafe mit bunter Wolle! Lila Schafe! Nanu, experimentiert Milka mit Schafsmilch-Schokolade? Doch nein, es gibt auch rote, blaue und orangene Schafe, manche sogar zweifarbig! Ob es deswegen Schafswoll-Pullover in den Craft Shops in unterschiedlichen Farben gibt? Aber im Ernst: wir haben zwar noch niemand dazu befragen können, aber die Vermutung liegt nahe, dass die verschiedenen Schafsbauern durch die Farbmarkierungen ihre Tiere leicht auseinanderhalten können.

Im Gaddagh-Tal, hinten in den Wolken: der Carrauntoohil
buntes Schaf

Nach wenigen Kilometern verlassen wir den breiten Weg und wechseln ins Gelände. Wegmarkierungen wie in den Alpen gibt es hier keine, wir folgen den Wegspuren. Das Gelände, meine Pfadfinder-Vergangenheit und die alpine Erfahrung helfen ebenfalls bei der Wegfindung. Über felsige Steilstufen, an kleineren Wasserfällen und mehreren Seen vorbei gelangen wir in eine steile Rinne. Die ist ohne eindeutigen Weg, dafür mit vielen „alternativen (Weg-) Fakten“ recht ätzend zu gehen, bringt uns aber nach gut einhundert Höhenmetern an den Gipfelaufbau. Wir treffen ein französisches Paar, das bereits auf dem Abstieg ist, aber tatsächlich nur Wolkensicht hatte. Wir haben mehr Glück, als wir schließlich oben sind. Meistens knapp unterhalb der Wolkenuntergrenze stehend, sehen wir die Dingle Bay und die gleichnamige Halbinsel im Norden, die Meeresbucht des Kenmare River und die Halbinsel Beara im Süden und die westlich von uns liegenden Berge der Macgillycuddys Reeks, auf deren höchstem wir stehen.

Im Gaddagh-Tal
Zwei der vielen Seen. Am gegenüberliegenden Hang werden wir wieder hinunter kommen.
weite, einsame Berge
Zwei Wanderer
Auf dem Gipfel

Nach einer langen Mittags- und Fotopause steigen wir ab, nicht über den kürzesten Weg, die steile und stark erodierte „Devil’s Ladder“, sondern über einen weiteren Gipfel, den Cnoc na Toinne mit seinem gelenkschonenden Gras- und Torfrücken, bis wir in einem weiten Bogen wieder das Tal des Gaddagh erreichen, an dessen Fuß uns Cronin’s Tea Shop mit Scones und dann das Auto erwartet.

Blick ins Gaddagh-Tal vom Cnoc na Toinne
Und so schließt sich der Kreis: jetzt ist der Gipfel frei!

Am Abend regnet’s!

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2 Comments
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Andreas Keller
Andreas Keller
3 Jahre zuvor

Wenn man raus geht hat man doppelt so viel schönes Wetter 🙂
Gruß Andreas

P.S. Hattest du nicht gerade Geburtstag? Herzlichen Glückwunsch nachträglich.