Eine Straße zum Wandern?

Das Gap of Dunloe, ein schmaler Gebirgspass zwischen den Macgillycuddys Reeks und den Purple Mountains, ist uns von unseren Wirtsleuten als Wanderziel sehr empfohlen worden. Zwar keine lange Tour, aber schön soll es sein. Auch ein Bild von dem Tal des Loe, das, von Gletschern geformt, zum Pass hinauf zieht, hängt in unserem Frühstücksraum. In Tripadvisor lesen wir allerdings so Kommentare wie „Ja, klar ist das ein schönes Fleckchen Erde, aber dadurch, dass man die Strecke mit dem Auto fahren darf (und das nicht nur Einheimische oder Anlieger tun) ist das zum Wandern ungeeignet, auch weil es eine asphaltierte enge Strasse ist, die man gute 10 km entlang läuft.“ Unsere Vermieter versichern uns allerdings, dass Autos nur vor 9 und nach 17 Uhr fahren, da auf der engen Straße nicht genügende Platz sei, um an den tagsüber fahrenden Kutschen vorbei zu kommen. Da wir heute ohnehin nur eine kleinere Tour machen wollen, riskieren wir es.

Das Bild im Frühstücksraum

Das Auto bleibt auf dem Parkplatz bei Kate Kearneys Cottage, einem Live-Music-Touri-Pub-und-Restaurant-mit-Gift-Shop. Schilder weisen darauf hin, womit im Talverlauf zu rechnen ist (Engstellen, Brücken, 16% Steigung, Fußgänger, Kutschen, schleudernde Radfahrer,…) und dass der Vekehr hauptsächlich auf Pferdekutschen, Wanderer, Bewohner beschränkt bzw. als Zugang zu Unterkünften oder zu Geschäftszwecken erlaubt ist. Wie wir im Laufe des Tages merken, wird die Formulierung „primarily restricted“ genauso interpretiert wie „Anlieger frei“. Jeder, der hier mit dem Auto fährt, hat schließlich ein Anliegen: er möchte durch das schöne Tal fahren. Eine zeitliche Einschränkung gibt es nicht.

Warnungen und Restriktionen für das Gap of Dunloe

Und schön ist das Tal tatsächlich. Schafe grasen auf den Wiesen, gelbe Lilien und hellviolette Rhododendren blühen, an sumpfigen Stellen steht wieder das blaublühende Fettkraut mit seinen hellgrünen dicklichen Blättern. Auch an mehreren Seen geht es vorbei und über kleine steinerne Brücken. Ab und an werden wir von einspännigen Kutschen überholt, die zwei bis vier Touristen zum Gap transportieren. Vor einer Gegensteigung lässt der Kutscher das Zugpferd in einen schnellen Trab fallen, damit es die schwere Ladung auch hinauf bekommt. Wenn es zuviel wird, steigt der Kutscher, der hinten auf dem Wagen steht auch schon mal ab, um die Last zu reduzieren.

Der Verkehr (s.o.) hält sich immerhin in Grenzen, nur alle paar Minuten kommt mal ein Auto vorbei. Hinter einer Karawane von neun Kutschen stauen sich dann auch schon mal drei oder vier Autos. Gegen die Kutschen, eine Einnahmequelle für die hiesige Bevölkerung, habe ich nichts einzuwenden, schöner wäre es aber eindeutig ohne Autos und Motorräder. Und eine Reisegruppe von acht Harleys stört mit ihrem Geknatter eindeutig die Ruhe und Erhabenheit dieser Landschaft. Der begegnen wir aber erst, als wir mittags wieder hinunterlaufen. Zuvor am Gap treffen wir aber noch eine pensionierte Schweizerin, die mit ihrem Motorroller seit bald fünf Monaten durch Europa tourt und mit der wir uns so lange unterhalten, bis es uns im starken Wind auf dem Pass dann doch zu kalt wird.

oben!

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Sonja
1 Jahr zuvor

Hallo Thomas, toller Reisebericht. Ich bin auf deinen Beitrag gestoßen, da ich im Oktober eine Seen Wanderung machen möchte. Wir wollen erst zum Coomloughra Lough im Westen dann Augher Lake und danach zum Black Lake. Kannst du einschätzen, ob das Wetter im Oktober noch in Ordnung ist. Oder muss hier schon Schneeausrüstung mit? Wir sind sehr gespannt auf die unberührte Natur 🙂
Liebe Grüße
Sonja

Sonja
Reply to  Thomas Meier
1 Jahr zuvor

Lieben Dank für dein Feedback 🙂
Ich bin schon so aufgeregt und freue mich auf den Herbst in Irland!
Liebe Grüße
Sonja