Postojna

Dank Andrejs Tipp lasse ich die ersten Berge links liegen und fahre auf kleinen asphaltierten Straßen genau im Winkel zwischen Ebene und Geländeaufschwung.

Hinter Vrhnica geht es dann mal wieder ein Trockental hoch, ähnlich wie schon im Mährischen Karst, nur ist der Weg diesmal nicht asphaltiert. Idyllisch ist es hier. Man hört nur Vogelgezwitscher, das Kreischen des Bussards, das Krächzen von Raben, im Wind rauschende Blätter und das Klackern ab und an vom Baum fallender Eicheln. Ich bin allerdings ziemlich sicher, dass das momentan nicht der Weg ist, den Andrej mir empfohlen hat. Und der Preis dafür sind natürlich mal wieder ein paar heftige Steigungen am Ende des Tals.

Morgens irgendwo hinter Ljubljana

sinniger Fahrradparkplatz: wie kommt man dahin?

Mittags treffe ich ein Paar aus Villach, das mit dem Motorrad ebenfalls unterwegs nach Kroatien ist. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns in Pula wieder! Kaffeepausen machen übrigens seit Tagen immer mehr Spaß. Der Kaffee wird zwar kleiner, aber auch immer besser, je weiter ich nach Süden komme.

Bei Planina fahre ich an einem weiten, ebenen Becken entlang, in dem laut Karte ein Fluss, die Unica mäandert, wobei sie auf dieser Fläche sowohl entspringt als auch wieder verschwindet. Später erfahre ich, dass die Höhlen von Postojna von der Pivka gespeist werden, die als Unica wieder heraus kommt, bevor sie erneut im Karst verschwindet und schließlich als Ljublanica nach Lubljana und dort in die Save fließt. Karst macht Geographie ganz schön kompliziert!

die Ebene bei Planina

Und dann das Ziel des heutigen Tages: Die Höhlen von Postojna. Vor 200 Jahren (1818) als „Adelsberger Grotte“ entdeckt und bereits nach wenigen Jahren als Schauhöhle eingerichtet, ist sie heute die größte für Besucher zugängliche Höhle Europas, in der Welt nur übertroffen von der Jetta-Grotte im Libanon. Dementsprechend kommerziell geht es natürlich auch zu, was aber den Vorteil hat, dass Führungen u.a. auch in Deutsch angeboten werden. Das gesamte Höhlensystem ist 24 km lang, wovon 5 für Touristen geöffnet sind. Davon läuft man 1,5 km zu Fuß, der Rest wird per Bahn erledigt, da die schönsten Teile weiter innen liegen. Und davon gibt es wahrlich viele! Schon die schiere Größe der Höhle und ihrer einzelnen „Dome“, die z. T. schon für Konzertaufführungen und Tanzveranstaltungen genutzt wurden, ist beeindruckend, die vielfältigen Tropfsteine, je nach Mineralzusatz rot, gelb, grau, schwarz oder auch rein weiß gefärbt, ebenfalls. Am Ende der Tour weiß ich kaum, wohin mit meinen Superlativen – und dann gibt es neben über 100 verschiedenen Tierarten, die hier in der Dunkelheit leben, noch das Aushängeschild von Postojna: den Proteus, bei uns besser bekannt als Grottenolm. In Aquarien mit speziellem Licht, das die Amphibien, die nie ihr Larvenstadium verlassen, angeblich nicht stört, werden einige den Besuchern gezeigt. Die Olme werden erst mit 16 Jahren fortpflanzungsfähig, haben dafür mit 80 noch Sex und werden über 100 Jahre alt!

Rund 1 Million Touristen pro Jahr gehen an einem solch empfindlichen Ökosystem natürlich nicht spurlos vorbei. Die ursprünglichen Lokomotiven mit Verbrennungsmotor wurden 1959 durch elektrische ersetzt, die Beleuchtung wird mittlerweile vor jeder Besuchergruppe an- und danach wieder abgeschaltet.

Hoch kommerzialisiert: der Eingang zu den Höhlen von Postojna

darf ich vorstellen: Proteus, der Grottenolm

und jetzt einfach einige Bilder ohne Kommentar:

Maja hat mir eine Übernachtung bei ihrem Cousin Itzok in Postojna organisiert, den ich nun treffe. Itzok ist Architekt und baut u. a. Dächer. Dächer? Ich dachte immer, Architekten bauen auch alles darunter? Macht er natürlich auch, aber die Dächer-Geschichte ist ein Charity-Projekt, das er nach einem Erdbeben 1998 in Slowenien begonnen hat und das ihn mittlerweile u.a. nach Vietnam und Uganda geführt hat. Am Abend werde ich auch von seiner Frau Nataša herzlich begrüßt und von ihrer Tochter Hanna mit Fragen bombardiert – Papa muss übersetzen. Auch den Globus holt sie hervor, um zu sehen, woher ich gefahren bin. Es wird jedenfalls ein sehr kurzweiliger Abend!

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Viktor
4 Jahre zuvor

Ahhh toll! Ich liebe Tropfsteinhöhlen 🙂
Leider ist in den meisten, die ich kenne, fotografieren streng verboten…