Pommern – von Schwetz nach Bromberg

Nachdem ich gestern von Kulm aus über die Weichsel gefahren bin, musste ich noch 3,5 km gegen meine Fahrtrichtung radeln, um zu einem Campingplatz in Świecie / Schwetz zu gelangen. Eigentlich nur eine etwas größere Wiese mit einem Sanitärtrakt und einer überdachten Sitzgelegenheit, aber einer prima Lage direkt unter der Burg Zamek. Das ist ein recht imposanter Bau, der vermutlich auch in die Zeit des Deutschen Ordens fällt, aber merkwürdiger Weise finde ich im Internet nichts darüber. Innen ist nicht viel übrig geblieben, das Dach wurde durch ein Betondach ersetzt, womit erst einmal die Voraussetzung geschaffen wurde, das Gemäuer zu sanieren.

Burg Schwetz

… und von innen

Heute fahre ich durch ein Pommern, wie ich es bisher nur aus Geschichten kannte: weite Landschaft, weiter Himmel, Wolken wie auf blaue Leinwand getupft. Dazu Sonne und weder übermäßiger Wind noch Betonplatten! Auch zu meinem Polen-Erlebnis komme ich heute wieder: Ich komme aus einem Sklep in Gruczno und verstaue meine Einkäufe fürs Mittagessen, als mich ein Mann anspricht, der gerade mit seinem alten Fahrrad vorgefahren ist, auf dem Gepäckträger eine großen Kiste Obst, das er vermutlich heute vormittag gepflückt hat. Ich verstehe mal wieder nichts und sage noch, dass ich aus Deutschland komme. Vermutlich weil ich das bisschen aber auf polnisch sage, redet er weiter auf mich ein und holt aus seiner Kiste eine besonders schöne Birne, die er mir schenkt. Ich bin mal wieder baff und kann nur „Dziękuję“ (Danke) sagen.

Pommern – irgendwo zwischen Świecie und Gruczno

In Topolinek mache ich Pause an einer Kirche. Auch einen kurzen Blick hinein werfe ich und bin erschlagen von der barocken Üppigkeit, mit der diese Dorfkirche um sich wirft. Gott kommt offenbar aus Polen!

Die Dorfkirche in Topolinek

Am Nachmittag bin ich in Bydgoszcz, dem ehemaligen Bromberg. Die breiten Ausfallstraßen, über die ich immerhin auf separatem Radweg Richtung Stadt fahre, sind gesäumt von Discountern und großen Wohnblocks, die vermutlich noch aus sowjetischer Zeit stammen, aber optisch mit Farbe und zusätzlichen Balkonen aufgehübscht wurden. Da es in Bromberg keinen Campingplatz gibt, habe ich mich in einem Hotel eingebucht, das in einer Mischung aus Gewerbegebiet und billigem Wohnviertel liegt, was man aber vergisst, sobald man es betritt: es wird sauber und regelrecht gediegen mit seinen roten Teppichen auf dem Boden und den Gemälden an den Wänden. Auch der Garten kann sich sehen lassen: gepflegt, mit kleinen Wegen und einem Pavillon mit Sitzgelegenheit.

Seit gestern Abend schmerzt meine linke Ferse und schwillt auch ein wenig an, deshalb verzichte ich lieber darauf, nochmals viereinhalb Kilometer in die vermutlich sehenswerte Innenstadt zu fahren und lieber die Ferse zu schonen (und zu pflegen). Auch morgen wird das „Bromberger Venedig“ wohl noch stehen und mein Weiterweg führt mich ohnehin hindurch.

Das Fahrrad darf mit aufs Zimmer – so muss ich wenigstens nicht alleine schlafen!

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Viktor
4 Jahre zuvor

Hi Tom,
da bekommt man ja beinahe Lust, mit zu fahren 🙂
VG
Viktor