Von schwarzen Scharten und kalkigen Gletschern

24. September

Die Nacht ist erfüllt vom Mond, der aus einem sternenübersäten Himmel ins Zimmer scheint. Olfaktorisch dominiert der Geruch der PVC-Säcke, die unsere potentiellen Bettwanzen zügeln sollen und der sich trotz geöffnetem Fenster im Raum hält.

Nachdem ich gestern zum Start der Tour den Tracker zwar am Rucksack montiert, aber einzuschalten vergessen hatte, habe ich heute Morgen dran gedacht! Ab sofort findet ihr den Track also auch hinter dem zweckentfremdeten Pinterest-Logo mit dem großen P wie „Pfad“. Auch wenn ich kein Mobilfunknetz zum Bloggen habe, zeigt der Track immer den aktuellen Standort und damit den Fortgang unserer Tour.

Ursprünglich war für heute noch eine Regenwahrscheinlichkeit von 60% vorhergesagt worden. Davon sind nur noch ein paar Wolken am Morgen geblieben. Der Regen wurde gestern schon zurückgenommen. Nichts dagegen!

Über einen schönen Waldanstieg gelangen wir auf den Bilkengrat, eine ehemalige Seitenmoräne und steigen bis auf knapp 2.400 Meter Höhe auf. Hier erreichen wir die „schwarze Scharte“, die ihrem Namen alle Ehre macht: Tiefschwarzes, metamorphes Gestein empfängt uns, das hauptsächlich aus Biotit (ein schwarzer Glimmer) und Olivin (ein dunkelgrünes Mineral) zu bestehen scheint.

Das geologische Setting sieht ziemlich verrückt aus, denn sowohl unter- als auch oberhalb befindet sich Kalk. Ohne die lokale Geologie zu kennen, würde ich annehmen, das hier durch die Tektonik der alpinen Orogenese ein Stück Grundgebirge abgequetscht und hoch gedrückt wurde.

Etwas oberhalb der Tilisuna-Hütte liegt eine Kalkzunge wie ein Gletscherbruch – tektonisch scheint hier alles ziemlich wild zu sein!

Kurz vor der Schweizer Grenze haben wir dann ein wenig Mobilfunk-Empfang! Mit kalten Händen schaffe ich es, den gestrigen Blog-Artikel hochzuladen. Mal sehen, wie das die nächsten Tage weitergeht.

Hinter dem Tilisunafürggli gewinnt der Kalk endgültig die Oberhand – auch einige Höhlen zeigen sich am Weg und in den umliegenden Wänden. Dann laufen wir noch ein paar Kilometer über einen schönen Höhenweg, dem wir auch morgen noch folgen werden.

Es bleibt bedeckt, aber regenfrei, als wir die Carschinahütte erreichen. Unser Zimmer ist zwar eher etwas für Honeymooner, aber uns kann so leicht nichts erschüttern, schließlich haben wir in Bamberg ja auch schon eine Nacht im Romantik-Hotel verbracht! 😅

Gute Nacht!

3 Antworten auf „Von schwarzen Scharten und kalkigen Gletschern“

  1. Nicht nur geologisch eine interessant geschichtete Gegend, sondern auch linguistisch. Eine Web-Recherche zu dem seltsamen Namen „Tilisuna“ ergibt, dass der wohl, wie auch andere Ortsnamen in der Gegend, aus der ausgestorbenen Rätischen Sprache stammt, die einst dort gesprochen wurde. Diese war mit dem Etruskischen verwandt, ist also vor-indoeuropäisch.
    Bin gespannt auf die weiteren Folgen. Gruß, Andreas

  2. Mal wieder ein Bericht,den ich gern aufgesogen habe, samt den herrlichen Gebirgsmassiv-Fotos in der üppigsten Form. Und ihr 2 knalligbunte Gestalten belebt die wilde Landschaft noch wilder! Danke, dass du mich als Sesselleserin an dieser urigen Wanderung teilnehmen lässt, ich freue mich schon auf den nächsten Blog, viel intensive Freude in dieser komplett abseits vom Alltag existierenden Bergwelt!

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