23. September
Ein paar Tage mit der Familie in Fontanella im Großen Walsertal leiten eine jahrzehntelange herbstliche Tradition ein: Leo und ich sind wieder unterwegs. Dieses Jahr wollen wir durchs Rätikon laufen.
Der Anfang der Tour erfolgt seniorengerecht mit der Golmer Bahn, die uns von Latschau aus 900 Meter in die Höhe bringt. Nach dem anstrengenden Aufstieg ist es Zelt für einen Cappuccino bei Traumwetter auf der Panorama-Terrasse der Bergstation. Ein umfassendes Montafon-Panorama breitet sich unter einem ungestörten blauen Himmel aus. Nicht eine Wolke unterbricht die Monochromie.

Nach der wunderbar gelegenen, aber natürlich auch trubeligen Bergstation umfängt uns bald Stille auf dem Almweg, der zur Latschätzalpe führt. Die Wiesenweidenröschen sind verblüht und schicken ihre Samen auf Erkundungsflug für einen neuen Standort.




Keine zwei Stunden nach der Bergstation erreichen wir schon die Lindauer Hütte und checken ein.


Prompt werden wir mit einem Novum überrascht: zur Vermeidung der sich immer weiter verbreitenden Bettwanzen werden wir aufgefordert, unsere Rucksäcke in große Plastksäcke zu stecken und diese zu verschließen. Was wir benötigen, dürfen wir rausholen. Nur verschlossene Rucksäcke dürfen aufs Zimmer. Die Hüttenschlafsäcke müssen zwei Minuten in die Mikrowelle. Seidenschlafsäcke allerdings nicht, da sie die Prozedur nicht überstehen. Und was habe ich? Na klar, sind nun mal die leichtesten. So bekomme ich einen baumwollenen gestellt.

Also, ganz ehrlich: es macht immer weniger Spaß, auf einer AV-Hütte zu übernachten. In unserer Jugend gingen wir einfach auf eine Hütte, zückten unseren AV-Ausweis und bekamen vom Hüttenwirt ein Lager zugewiesen. Zu essen gab es, was gerade da war. Man wusch sich mit kaltem Wasser, manchmal auch vor der Hütte. Heute gibt es warme Duschen und 3-Gänge-Menüs. Ist zwar angenehm, aber braucht man das wirklich oder zieht der Komfort nur immer mehr Leute in die Berge?
Jedenfalls muss man heute den Schlafplatz vorab reservieren, wozu zunächst eine Registrierung beim Buchungssystem erforderlich ist. Eine Beschreibung der einzelnen Schritte erspare ich euch. Booking.com geht jedenfalls deutlich einfacher. Spontane Übernachtungen oder wetterbedingte Routenänderungen sind so kaum möglich. Bei Absage der Reservierung ist eine Gebühr fällig. Zu dieser „Professionalisierung“ des Übernachtungsbetriebs kommt jetzt noch die Bettwanzenvorbeugung. Das Ziel kann ich ja verstehen, aber das Prozedere ist doch reichlich umständlich und reduziert den Spaßfaktor der Hüttenübernachtung zusätzlich. Mittlerweile ist mir das Zelt lieber, nur dass das in den meisten Alpengegenden nicht zum Einsatz kommen darf. Vielleicht müssen wir langsam mal auf andere Gebiete ausweichen.

Aber immerhin: die Wetterprognose verspricht eine traumhafte Tourenwoche!
„seniorengerecht“… dass dieses Wort mal bei Dir im Text auftaucht… ts, ts, ts
Aber die Landschaftsfotos sind mal wieder Spitze!
Rentner im Unruhezustand. Man kommt ja auf
deinen Touren kaum mehr mit🤣 Ich wünsche dir wieder tolle Eindrücke.🙏
Rentner im Unruhezustand. Man kommt ja auf
deinen Touren kaum mehr mit🤣 Ich wünsche dir wieder tolle Eindrücke.🙏