Montag, 8. Juni 2026

Amsel und Rotkehlchen machen ihren Konkurrenten unmissverständlich klar, durch wessen Revier ich hier am frühen Morgen schweißtreibend steil bergauf steige. Und das ist nicht gerade mein Lieblingsgelände: Kalkschotter mit Wegen, die sich immer wieder mal verlaufen, aber vor allem eins gemeinsam haben: möglichst gerade (also steil) hoch. Ich bin wieder auf einem Teilstück des POB (peaks of the Balkan) unterwegs.


Neulich habe ich noch darüber sinniert, dass eine anstrengende Wanderung weniger anstrengend ist als anstrengendes Fahrradfahren. Im Moment würde ich das nicht unterschreiben. Immerhin kommt jetzt ein leichter Wind auf und verschafft mir etwas Kühlung.
Nach den ersten 300 Höhenmetern geht der Weg dann immerhin in Wald über und legt sich ein paar Kehren zu, wenn auch immer noch steil.

Heute läuft’s nicht so wirklich rund. Ich find es anstrengend, meine Waden fühlen sich hart an und überhaupt. Andererseits ist die Landschaft viel zu schön, um sie nicht zu genießen. Ich laufe bis auf eine Geländeschulter, auf der ich einen Blick auf den weiteren Weg habe: ein weites Tal hinauf zwischen Berggipfeln hindurch, die an die Dolomiten erinnern.

Auch mein eigentliches Tagesziel, den Zla Kolata, sehe ich: 1.000 Meter über mir und in Wolken.

Kurz hinter der Geländeschulter wird es sogar noch schöner: ein kleines Hochtal, der Weg schlängelt sich durch eine dichte Blumenwiese, bevor er nach gut hundert Metern wieder in den Wald eintaucht. Hier mache ich ein lange Rast, während der immer wieder die POB-Wanderer an mir vorbei laufen, ein „oh, my god“ oder „this is amazing“ auf den Lippen. Tatsächlich sind es viele Engländer und Amerikaner, aber auch Deutsche, Franzosen und Belgier.

Ich lasse mein Tagesziel fahren, liege in der Sonne, entspanne meine Waden, höre den Vögeln beim Zwitschern zu und schaue hinauf zu den Gipfeln. Himmlisch! So wird aus dem Wander- eben ein Ruhetag. Auch egal. Hauptsache Genuss und innere Einkehr.


Nach über einer Stunde steige ich wieder ab. Da läuft mir erst eine blau-grüne Smaragdeidechse über den Weg und dann noch eine Blindschleiche. Leider hat keine von ihnen Lust, sich der Kamera zu stellen.









Selbst kurz vor Zwölf kommen mir noch Leute entgegen, die jetzt, in der beginnenden Mittagsschwüle, aufsteigen. Das wär mir echt zu heftig.

Um 14:30 höre ich einen Donner, den ersten. Ich bin wieder in meiner Unterkunft. Kurz drauf regnet es. War vielleicht gar nicht so schlecht, das mit dem umfunktionierten Wandertag.