Samstag, 30. Mai 2026
Nach der TD-Beschreibung scheint Bitola für mehr als einen „one night stand“ gut zu sein. Also schiebe ich einen Sightseeing-Tag ein. Er beginnt auf dem Bazar.

Der Bazar entwickelte sich bereits im 14. Jhd. unter osmanischer Herrschaft, wurde im 15. Jhd. überdacht und brannte aufgrund der hölzernen Konstruktionen mehrmals nieder. Türken, Juden, Walachen und andere Neuankömmlinge bereicherten das Angebot kontinuierlich. Im 19. Jhd. erreichte er seine größte Bedeutung und auch Ausdehnung: er umfasste bis zu 30 nach Gilden geliederte einzelne Märkte mit 2.500 Marktständen.
Heute ist der Markt deutlich kleiner: er umfasst noch etwa 700 Gebäude, die sich auf 30 Straßen verteilen.








Hier gibt es alles: Spielzeug, T-Shirts, Haushaltsartikel, BHs, Ofenrohre, halbe Schweine, Briefkästen und natürlich jede Menge Gemüse und Obst. Die Planen, die zum Sonnenschutz die Wege zwischen den überdachten Ständen überspannen, sind so tief, dass ich mich bücken muss, um nicht anzustoßen. Um die Marktstände herum gibt es außerdem viele kleine Geschäfte in maximal zweistöckigen Gebäuden, die das Markt-Angebot ergänzen. Hier finden sich viele Dienstleistungen wie Friseure, Zahnreinigungen (tatsächlich!), Bäcker und natürlich viele kleine Bars und Cafés.
Vor einem davon trinke ich einen Espresso, von hinten erklingt „Riders on the Strom“, sofern es nicht von der Espressomaschine übertönt wird, vorne summt die Klimaanlage der gegenüberliegenden Bäckerei.
Ich will die Isak-Moschee besuchen, die wird aber erst um 17:00 geöffnet.



Das gilt leider auch für die kleinere Yeni-Moschee, die als ein beeindruckendes Beispiel der osmanischen Zeit gilt. Immerhin: am Abend komme ich tatsächlich in die Isak-Moschee hinein, die Yeni bleibt geschlossen, Offenbar wird sie gerade renoviert.

100 hölzerne Stufen führen auf den Uhrturm, der die Zeit bis 1912 noch „a la turka“ anzeigte, also die Stunden nach Sonnenaufgang. Von oben hat man bestimmt einen schönen Blick über Bitola und auf die nahe gelegenen Moscheen. Schade nur, dass auch der nicht zugänglich ist!
Auch die kath. Kirche ist geschlossen, die sich in die Straßenfront der zentralen Einkaufsstraße einfügt. Die wurde Mitte des 18. Jhd. erbaut, zu einer Zeit, also Bitola ein wichtiger Handelsknotenpunkt auf dem Balkan war und dadurch auch katholische Kaufleute sich hier dauerhaft niederließen. Immerhin kann man durch die Glastür einen Blick hinein werfen.


Aber wieso ist eigentlich nichts zugänglich – außer von außen? Vielleicht sollte Bitola und überhaupt Nordmazedonien mal an ihrem Tourismus-Konzept arbeiten. Auch Tourist Infos haben ich noch nirgends gesehen, wenngleich es mit bitola.info immerhin eine sehr informative Seite über Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Stadt gibt.

Ich laufe die Shirok Sokak entlang, „die“ zentrale Einkaufsstraße. Auch wenn sie ziemlich gewohnt aussieht, gibt es doch deutliche Unterschiede zu unseren: es gibt keine großen Kaufhäuser und Modelabels, dafür unzählige Cafés mit hohem Geräusch- und Musikpegel, wobei „Café“ hier heißt: Kaffee und andere Getränke, aber keinen Kuchen. Obwohl: eine „slatkarnika“, eine Konditorei, gibt es dann doch: das GT. Natürlich muss ich die ausprobieren – und auf einmal befindet sich eine Zitrone auf meinem Teller!

Architektonisch interessant ist dann auch das „Offiziershaus“. Hier hielten die oberen militärischen Ränge im 19. / 20. Jhd. u.a. ihre Bälle ab. Entsprechend repräsentativ wurde das Gebäude gestaltet. Dabei wurde aber auch darauf geachtet, wer hier ein- und ausging. So umfasst die Fassade auch militärische Elemente wie angedeutete Kanonen.



So, nun genug Sightseeing. Morgen geht es wieder aufs Rad!
Die Zitrone … und die Kanone: über die habe ich ziemlich gelacht und gestaunt: die Zitrone identifizierte ich beim Betrachten des Fotos als eine Art Berliner auf Mazedonisch, die beiden Kanonen als Wasserspeier….
Danke für all die interessanten Infos!
Also, Sightseeing sei dir auch mal gegönnt. Du powerst ja genug. Morgen dann dennoch wieder viele schöne Eindrücke per Rad und Abend s für uns „Follower“ auf der Couch.
Ich liebe solche Märkte. Sieht nach einer sehr lebendigen Stadt aus.