Ein Traumtag

Freitag, 29. Mai 2026

Ein bisschen Bammel habe ich vor der heutigen Strecke mit 1.400 Höhenmetern ja schon. Andererseits: hatte ich so etwas schonmal? Naja, nicht ganz! Habe ich zwischendurch schieben müssen? Ja! Habe ich es trotzdem geschafft? Ja! Also: wird schon!

Es ist noch frisch, als ich kurz nach Sieben losfahre. Deswegen ist auch erstmal die Windjacke am Mann, die ich aber nach 100 Höhenmetern in Ljubanishta gleich wieder ausziehe. Dort trudeln auch die ersten Geburtstagsglückwünsche ein – bis auf diejenige, die offenbar unter Insomnia leider und deshalb schon vor allem anderen dran war 😉

Rund 800 Höhenmeter warten am ersten Berg des Tages auf mich

Was für eine angenehme Straße! In konstanten fünf bis sieben Prozent zieht sie gleichmäßig den Berg hoch. Das kann ich locker bewältigen. Auch temperaturtechnisch ist es ok: die Betriebstemperatur kompensiert den kühlen Schatten des frühen Morgens. Auf 1100 m Höhe komme ich dann in die Sonne. Gleichzeitig weht ein kalter Wind vom Berg herunter. Um 9 Uhr gibt es eine Frühstückspause in einer sonnigen Kehre.

Vor dem Weiterfahren, wobei ich wieder in den Schatten komme, ziehe ich erneut die Windjacke an. Jetzt auf knapp 1300 m Höhe merkt man die Temperatur doch schon empfindlich.

9:45 Uhr. Auch Motorradfahrer haben mittlerweile gefrühstückt. Schade, dieser Lärm passt so gar nichts in die Landschaft. Aber zum Glück kommt eher selten mal eine Gruppe vorbei. Viel besser gefällt es mir, wenn ich zwischendurch nur Kuckuck, Buchfink und das Rauschen des Windes im grünen Laub der Bäume höre.

Um halb Elf habe ich die Passhöhe erreicht. Erst stehen noch ein paar Autos und Motorräder da, dann sind sie auf einmal alle verschwunden und ich bin alleine hier oben mit diesem majestätischen Ausblick. Tief unten liegt der Ohrid-See, an seinem Südende das albanische Pogradec, im Norden, kaum zu erkennen, das mazedonischen Ohrid. Darüber Berge, die immer noch Schneemützen des Winters tragen.

Wenige hundert Meter geht es über eine Hochfläche und dann sehr ich schon den erfolgt Prespa-See. Von dort zieht ein ziemlich kalter Wind hoch. So ziehe ich den Buff, den ich unterm Helm trage, noch über die Ohren. Und auch die Handschuhe kommen zum Einsatz.

Was folgt, ist eine Traumabfahrt auf glattem Asphalt bis zum 750 Meter tiefer liegende Prespa-See. Kilometerlang kann ich nun ohne eine Pedalumdrehung einfach laufen lassen.

Auf der Terrasse des Lake View Hotels verbringt ich eine längere und regenerierende Mittagspause.

Nun geht es nahezu eben, wenn auch mit Gegenwind, rund 11 km um den See herum. Wenn mal drei Autos hintereinander kommen, bin ich geneigt von einer motorisierten Stampede zu reden, so wenig ist hier los. Was für ein herrliches Fleckchen Erde!

25 km vor Bitola geht die Strecke dann in einer alte Straße über, die gespickt ist mit Schlaglöchern, Teerflecken und schließlich Kopfsteinpflaster.

Und damit beginnt der zweite Aufstieg des Tages. Diesmal sind aber nur noch 300 Höhenmeter zu bewältigen, und das aber in der gleichen sanften Steigung wie heute morgen.

Die Abfahrt von der Höhe erfolgt in der selben Kopfsteinpflasterqualität, bis sie dann weiter unten in eine Asphaltstraße übergeht.

Den ganzen Tag schon bestimmt der 2601m hohe Pelister mit seinen noch unter Schnee liegenden Flammen das Bild. hm komme ich nun immer näher, bevor ich mich in Bitola einquartiere.

Fazit des heutigen Tages: trotz der Anstrengung ein fantastischer Tag mit Superwetter und herrlichen Landschaften!

Time:
29.5.2026, 07:07:
Duration:
05:20:56
Ascent/Descent:
1365 m 1419 m
Distance:
80.42 km

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