Donnerstag, 28. Mai 2026

Ich starte bei Traumwetter und idealen 18 Grad Fahrradtemperatur in Ohrid, wo ich mich beim Bäcker noch mal mit Proviant für den Tag versorge.

Dann geht es am See entlang. Im Schilf quaken die Frösche, während Straßenfeger die Promenade reinigen und Jogger die kühlen Morgentemperaturen für eine Trainingsrunde nutzen. Alle paar Meter bleibe ich stehen, um zu schauen, Fotos zu machen oder zu filmen.

Wenige Kilometer hinter Ohrid reiht sich ein Hotel, eine Apartmentanlage an die nächste. Die idyllische Uferpromenade ist mittlerweile einer Straße gewichen, der ich nun rund 20 km lang folgen muss.

Ich fahre am Ostufer des Sees entlang, die Straße liegt teilweise noch im Schatten. Aber wenn ich bedenke, wie warm es heute wieder werden soll, ist das gar nicht unangenehm. Vorkühlung sozusagen!

16 km hinter Ohrid liegt die sogenannte „bay of bones“. Der Name kommt von den vielen Tierknochen, die hier von Archäologen neben Keramikscherben gefunden wurden. Holzreste ließen darauf schließen, dass hier während der Bronze – und Eisenzeit (1200 -700 v. Chr.) eine Pfahlbausiedlung bestand, deren Nachbau man besichtigen kann. Ich begnüge mich mit einem Blick von oben, zumal es für einen Besuch noch zu früh ist.

Nach einem Besuch von Sveti Naum wird heute Ljubanishta meine Endstation sein. Da ich schon vorher durch den Ort komme, suche ich erstmal nach einem Quartier, was sich gar nicht so einfach gestaltet. Schließlich checke ich auf dem Campingplatz ein, der auch Caravans vermietet, lasse mein Gepäck dort und fahre mit leichterem Rad zum heutigen Sightseeing-Höhepunkt.
Sveti Naum ist eine vom heiligen Naum von Ohrid gegründete Klosteranlage aus dem 9. Jhd. Sie liegt am Ufer des Ohrid-Sees und am Fuß des Galičica-Gebirges. Lange Zeit ein Wallfahrtsort, ist sie heute eines der beliebtesten touristischen Ziele Nordmazedoniens.
Begrüßt wird man mit Bars und Restaurants, Musik, Souvenirläden, Bootsverleih und überhaupt viel Kommerz. Ob das dem Heiligen gefallen hätte, der ein wenig abseits des Weges vor sich hin kontempliert?

Ich betrete die Anlage durch ein Tor, dahinter ein Hof, in dem sich Pfauen aufplustern – optisch und akustisch – und dann die niedrige Kirche, neben deren Eingang Kerzen entzündet werden können.



Gar nicht wenige Besucher, sofern sie nicht Teil einer größeren Gruppe sind, bekreuzigen sich beim Eintritt, berühren die ausgestellte Ikone mit der Stirn oder küssen sie und treten auch rückwärts wieder durch die niedrige Tür hinaus.
Trotz des geschäftigen Umfelds stellt sich im Innern der kleinen Kirche eine meditative Ruhe ein, wenn man einen der Momente erwischt, an denen keine Führung deren räumliche Kapazitäten sprengt. Zur kontemplativen Stimmung tragen auch die orthodoxen Gesänge bei, die leise im Hintergrund laufen. Für das Innere der Kirche gilt übrigens ein Fotoverbot.
Wenige hundert Meter oberhalb der Klosteranlage liegt eines der wichtigsten Quellgebiete des Ohridsees. Hier tritt das Wasser wieder zu Tage, das am 200 m höher liegenden Prespasee im Karst versickert. Ich mache einige Fotos vom Wasseraustritt und den Touristenbooten, die hierher zu den Quellteichen fahren. Dafür muss ich allerdings bezahlen – mit einigen Mückenstichen.

Eine der Quellen ist gefasst und mit einer kleinen Kirche überbaut. Auch diese besuche ich.



Damit ist das Sightseeing-Programm dann aber auch schon absolviert, schneller als gedacht. Die nächste Etappe anzugehen ist aber auch keine Alternative: zuviel Höhe für den Rest des Tages. Dann stehe ich besser morgen wieder früh auf, damit ich die Steigung vor der Mittagshitze hinter mir habe.
Also fahre ich zurück zum Campingplatz, beziehe meinen Caravan und nutze die Zeit für ein Bad im See. Allerdings nicht lange, als ich sehe, wie ein bodenlanger grauer Vorhang von Norden kommend die Bergsilhouette verhüllt. Ich wollte zwar noch duschen, aber bitte kontrolliert!

Beim Duschen werde ich beobachtet – ich beobachte zurück. Es sind Schwalben, die an den Dachsparren des offenen Sanitärtrakts ihre Nester geklebt haben, in denen noch ein paar hungrige Schnäbel aufgerissen werden.
Der Regen fällt dann auch im Wesentlichen, als ich im Sanitärtrakt bin.

Time: 28.5.2026, 07:09: |
Duration: 02:22:54 |
Ascent/Descent: | Distance: 38.23 km |
Und ja: zwischendurch war es mal wieder so steil, wie es im Höhenprofil aussieht! 🥵
DANKE für die bewundernswerten und wunderbaren Einblicke in deine Reise!
Herrliches Wetter, schöne Landschaft und diese tollen byzantinischen Oktogon-Kirchen. Beim Lesen rieche ich beinahe schon den Weihrauch 🙂
Jetzt hast Du bestimmt Kraft für morgen! Ich drück die Daumen…
Morgen Abend weiß ich mehr! 😅