Kurz, aber heftig!

Freitag, 22. Mai 2026

Und wieder so ein üppiges Frühstück – das ist schon deutlich mehr als ich an Grundlage für den Tag brauche! (Ich habe übrigens noch nie so viel Essen gepostet 😅)

Heute morgen hängen graue Wolken über den Bergen. Die Straßen sind noch nass vom nächtlichen Regen. Es ist etwas kühler und so fahre ich erst einmal in der Windjacke los.

Immer wieder grüßen mich Kinder ganz begeistert, wenn sie diesen merkwürdigen Radfahrer sehen. Und dann bin ich auf einmal auf einer Ausfallstraße Richtung Flughafen. Ursprünglich von den VAE finanziert, können hier sogar Airbus A320 und Boeing 737 starten und landen. Und tatsächlich wird dieser Regionalflughafen an manchen Tagen von Billigfluglinien angeflogen. Ob sich aber dafür der ganze Aufwand gelohnt hat???

Und immer wieder kleine Moscheen

Dann geht es in die Berge. Und wie! Die ersten 350 Höhenmeter weisen immer wieder Steigungen zwischen 10 und 14% aus. Hammer! Zum Glück gibt es zwischendurch auch erholsame Passagen von drei bis sechs Prozent. Trotzdem muss ich einmal absteigen, sonst platzen die Oberschenkel!

Erleichtert halte ich an, als mich drei Männer am Straßenrand in ein Gespräch verwickeln wollen. Dann stellt sich heraus: sie sind vom albanischen Fernsehen – und machen ein Interview mit mir! Lustig!

Ein Kilometer weiter endlich eine Bar und ein Espresso. Der Besitzer hat einige Jahre in Dortmund in einem griechischen Restaurant gearbeitet und dort Gyros-Pita, Pommes und Schnitzel verkauft, wie er mir erzählt.

Und dann geht es runter und wieder rauf. Und dann nochmal runter und wieder rauf. Und so weiter. Schließlich wird es doch wieder so steil, dass ich schiebe. Und das gleich mehrmals. Zum Glück ist die Etappe heute nicht lang und ich habe Zeit genug.

Runter und wieder rauf

In einem Restaurant in Lusen will ich eine längere Mittagspause machen, um mich etwas zu regenerieren. Das hat aber leider geschlossen. Drei Kilometer weiter soll es ein weiteres geben, hoffentlich hat das nicht auch zu.

Und noch mehr runter und wieder rauf

Eine lange und wahnsinnig steile Abfahrt – noch steiler als auf der anderen Seite – bringt mich immerhin ohne weitere Anstrengung nach Bushtrice, wo das Restaurant Billa geöffnet hat. Hier bleibe ich länger, denn anschließend kommt zur Krönung des Tages ein 7,5 km langer und steiler Aufstieg über 550 Höhenmeter bis zu meinem Tagesziel Matranxh.

there is a fair amount of climbing

… sagt die Routenbeschreibung der TransDinarica leicht euphemestisch über die heutige Etappe!

Vom Restaurant aus geht es gleich so steil weiter, dass ein LKW, der vorbei kommt, nicht hochschalten kann und in ersten Gang bleiben muss. Ich werde wohl erstmal schieben! Dabei zeigt mein Neigungsmesser 15%, hiermit ist mein Leistungslimit eindeutig überschritten.

Interessant sind immer wieder die Begegnung mit den Menschen: Bei einer Pause am Straßenrand hält ein junger Mann in seinem Auto an und fragt zunächst das Übliche. Woher? Wohin? Wie mir Albanien gefällt? Wo es mir besser gefällt, Deutschland oder Albanien? Dann erzählt er, dass auch er ein paar Jahre in UK gearbeitet hat und es ihm seitdem in Albanien nicht mehr gefällt – keine Chance, genug Geld zu verdienen. Als er hört, dass ich in privaten Hotels oder B&Bs übernachte, meint er, ich müsse reich sein. Und sitzt dabei in schwarzen Ledersitzen in seinem ziemlich neuen Benz 😊.

Noch mehrmals steige ich ab und schiebe, bis ich auf gut 1.100 m Höhe in Matranxh angekommen bin.

Endlich angekommen!

Hier komme ich im Guesthouse Vasie unter, wo ich eine Hütte ganz für mich allein habe. Unten gibt es neben dem Bad einen großzügigen Wohnraum und oben Betten für drei Personen. Eine „Rocket“ (einen Heizlüfter) bekomme ich auch noch hineingestellt, um ein bisschen Wärme in die Bude zu bekommen. Und das Ganze soll nur € 15 kosten – inkl. Frühstück! Ich glaub’s erst, wenn ich bezahlt habe.

In Summe war die Etappe heute kurz, aber heftig. Nicht ganz so viele Höhenmeter wie vorgestern, aber dafür mit brutalen Anstiegen. Morgen geht es dann hoffentlich wieder entspannter nach Peshkopi.

Time:
22.5.2026, 08:11:
Duration:
03:01:41
Ascent/Descent:
1199 m 588 m
Distance:
36.06 km

4 Antworten auf „Kurz, aber heftig!“

  1. Hey, ich bin total fasziniert wie toll deine Reise ist lieber Tom. Und ja, fordert bestimmt deine gute Kondition. Lustig, dass du auch gleich interviewt wirst. Einen besseren hätten die nicht finden können.
    Liebe Grüße

  2. Respekt lieber Thomas!
    Wie heißt doch gleich der Spruch…..Das größte Leid sich selbst…..und so weiter. 😉.
    Dann gönne dir in deiner Villa eine gute Erholung!

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