Im Herzen Albaniens

Samstag, 25. Mai 2026

Im Herzen Albaniens? Echt? Wie kann das sein, wo ich doch in Nord-Albanien nahe den Grenzen zu Nord-Mazedonien und Kosovo bin? Lasst euch überraschen. Die Auflösung kommt. Versprochen!

Während ich behaglich im warmen Bett lag, trommelte der Regen auf das Hüttendach. Schön, wenn er sich auf die Nacht beschränkt. Am Morgen durchbrechen blaue Flecken die Wolken.

Bei nur 11 Grad am Morgen und Wind kommen heute mal die Arm- und Beinlinge an den Mann. Auch die Windjacke kommt wieder zum Einsatz und sogar die Handschuhe! Also doch nichts zuviel mitgenommen!

Während ich durch die weite und doch gebirgige Landschaft am Korab Nationalpark fahre, bekomme ich immer wieder Heizölgeruch in die Nase. Das ist der Preis dafür, dass mein Rad diese Nacht neben dem Heizöltank geparkt hat, dafür immerhin eingeschlossen. Aber der Fahrtwind wird das schon wieder richten!

Kulturell läuft das hier in den Bergen schon anders als in den Städten oder auch bei uns. Ich hatte ja schon gesehen, dass in den Bars nur Männer sitzen (das gilt im Großen und Ganzen tatsächlich auch für die Städte)! Wenn ich draußen unterwegs bin, sehe ich Frauen nur mit Kopftuch; die alten traditionell in weißen, bei jüngeren auch schon mal andere, aber eher gedeckte Farben. Nur die ab dem Jahrtausendwechsel Geborenen sieht man häufiger ohne. Das gilt, wie gesagt, fürs Land. In den Städten ist das Bild ein anderes: da sieht man kaum Kopftücher.

So wie bei uns in jedem Dorf ein Kirchturm steht, gibt es hier in jedem Dorf ein Minarett, Kirchen sehe ich hier keine.

Kurz vor Zehn mal wieder eine Bar an der Straße! Kaffeestopp! Aber an einem Tisch draußen. Mittlerweile geht es mir ziemlich auf den Zeiger, das drinnen immer alles verqualmt ist. Ob den Albanern klar ist, dass sie darauf verzichten müssten, wenn sie in die EU wollen? Und das wollen sie. Aber der Weg ist noch weit (was nicht nur am Nichtraucherschutz liegt 😅)!

Und dann komme ich in das albanische Herz: Kastriot ist der Geburtsort Skanderbegs (erinnert euch: er wurde als Gjergij Kastrioti geboren). Hier steht ein großes Denkmal zu Ehren des Nationalhelden direkt an der Straße.

Ich halte an um ein Foto zu machen. Zwei vielleicht elfjährige Jungs kommen dazu und versuchen ein wenig Konversation zu machen: „How are you?“ – „Thanks, fine! And you?“ – “ How are you?“ – Ach so, das ist offenbar die einzige Phrase, die sie kennen. Obwohl, doch nicht ganz, denn jetzt kommen sie zum Höhepunkt: „Chocolate?“ – Ah, daher weht der Wind! Ich kann immerhin mit ein paar Oreos dienen.

Die meisten Kinder rufen aber einfach „Hello!“, wenn ich vorbeifahre. Einige strecken die Hand aus, um mit mir abzuklatschen. Schön zu sehen, welchen Spaß sie daran haben!

Die heutige Etappe ist vergleichsweise entspannt. Es geht mehr runter als rauf – viel mehr! In der Ebene, in der ich mich mittlerweile befinde, ist dann aber auch deutlich mehr Autoverkehr als oben in den Bergen. Selbst SUV-Coupés in sechsstelliger Euro-Größenordnung sind darunter. Gleichzeitig sind an manchen Stellen noch die Spuren des Lotterie-Skandals aus den 90er-Jahren in Form einzelner Bauruinen am Straßenrand zu finden.

Trotz des zunehmenden Verkehrs fühle ich mich sicher. Werde ich überholt, dann mit genügendem Abstand. Bei Gegenverkehr bleiben die Autos meistens hinter mir, bis wieder Platz ist. Über die albanischen Fahrer kann ich mich bisher echt nicht beschweren!

Peshkopi hat einen für eine Kleinstadt (ca. 14.700 Einwohner) ausgesprochen großzügigen, autofreien Boulevard und ein Skanderbeg-Denkmal, das war’s dann aber wohl auch.

Immerhin endet der Tag in einem ruhigen Restaurant ohne Zigarettenrauch und Musikbeschallung!

Ach ja: und das Hotelzimmer hat dieses Mal sogar eine abgetrennte Duschkabine!

Time:
23.5.2026, 08:36:
Duration:
02:15:42
Ascent/Descent:
618 m 1108 m
Distance:
37.40 km

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