On the road again

  1. Juli

Unerwartete Überraschung – Murphy schläft noch: Der E-Bike-Verleih vor Ort repariert auch Biobikes – und hat die passenden Ersatzteile! Die Abholung erfolgt zwar nur gegen Barzahlung, aber das ist ja kein Problem: ich muss nur meinen Bargeldvorrat am Geldautomaten im Ort auffüllen. Das sieht Murphy als seine Chance: der Automat ist nämlich außer Betrieb! Und es ist der einzige im Ort! Aber da hat er die Rechnung ohne die freundliche Hotelrezeptionistin gemacht, die sich kurzerhand als Bargeldautomat aus Fleisch und Blut entpuppt – Triumph über die Technik! Und über Murphy!

Es kann weitergehen!

Endlich geht es wieder los. Mit Argwohn passiere ich nach wenigen Kilometern die Stelle, an der es mich gestern erwischt hat. Aber alles geht gut, die Reifen rollen weiter! Und sowieso habe ich jetzt natürlich frisches Flickzeug und einen Ersatzschlauch dabei. Hatte ich bei den letzten Radtouren auch immer, nur diesmal nicht. Aber erfahrungsgemäß regnet es ja auch nur dann, wenn man keinen Regenschirm dabei hat!

Ich fahre an der Küste, oder besser gesagt: am Rand des Wattenmeeres entlang. Nach Westen geht der Blick nach Olond, Föhr, Amrum und weitere, teils unbewohnte Inseln. Von dort kommt ein kräftiger Wind, der aber das helle Keckern der Austernfischer nicht übertönen kann.

Mit der Zeit kommt der Wind mehr und mehr aus Nordwest, so wie man das hier oben eigentlich auch erwarten kann und treibt mich mit bis zu 28 kmh vor sich her.

Auf einmal fahre ich über Bahngleise, die den Weg am Deich kreuzen und dann ins Wattenmeer hineinziehen. Das ist der sog. „Lorendamm“, eine Verbindung zur Hallig Nordstrandischmoor, die auch heute noch genutzt werden soll, obwohl die rostigen Gleise das nicht vermuten lassen. Aber die Korrosion kommt wohl von der Salzluft. Nur bei Sturmflut kann die Strecke nicht befahren werden, schreibt die Wikipedia.

Der Lorendamm nach Nordstrandischmoor

Nordstrand ist eine Flächengemeinde und besteht aus mehreren kleinen Dörfern. Ursprünglich war es eine Insel. 1654 begann man mit dem Bau von eingedeichten Kögen, um Land zurückzugewinnen und die Zerstörung durch Sturmfluten zu reduzieren. Heute fügt sich die Insel aus sieben Kögen zusammen und ist durch einen Damm ans Festland angebunden.

Als ich die Vinzenzkirche in Odenbüll besuche, kommen mir viele schwarz gekleidete Menschen entgegen. Hier hat gerade eine Beerdigung stattgefunden. In diesem Moment ist die Kirche aber wieder frei zugänglich. Sie ist die älteste in Nordstrand, was daran liegt, dass sie auf einer Warft erichtet wurde und so selbst die Burchardiflut von 1634 überlebt hat, eine der schlimmsten „Mandränken“, der an der ganzen Nordseeküste zwischen 8.000 und 15.000 Menschen zum Opfer fielen.

Je länger ich fahre, desto lästiger werden mir langsam die Weidegatter, die den Deich in viele oft nur wenige hundert Meter lange Schafparzellen unterteilen und an denen ich immer wieder anhalten und absteigen muss, um sie zu öffnen. Das Schließen geht wenigstens von selbst, da sie in schrägen Angeln hängen. Und ja, ich sehe ja ein, dass die Schäfer ihre Schafe auch wiederfinden wollen, ohne sie zwischen Dagebüll und Husum suchen zu müssen.

Weidegatter

Außer Austernfischern, Möwen, Krähen, Staren, Lärchen und einem Falken sehe ich übrigens auch ein paar Löffler. Die sind aber recht scheu. Sobald sie merken, dass ich nicht nur vorbeifahre, sondern anhalte, um ein Foto zu machen, sind sie weg. Und deshalb gibt es eben kein Foto. Aber dafür hier noch ein paar aus Husum:

Ach ja – und Murphy? Ist auch weg! Das Rad fuhr problemlos bis Husum, die Powerbank war tatsächlich voll, musste aber auf eine etwas merkwürdige Art „angeschaltet“ werden (Bedienerfehler!), für den Tracker habe ich frische Batterien kaufen können und der Fahrradcomputer tat es heute morgen wieder. Einfach so! Magic!

Kommentare abonnieren?
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
neueste
älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen
Viktor
15 Tage zuvor

Siehste… alles wird gut 🙂

Marion
Marion
15 Tage zuvor

Hallo Thomas,
danke für das schöne Bild (ich dachte nach einer Nacht im Zug sehe ich abgekämpft aus!).
Hab besonderen Dank im Namen der Tiere und deine klaren einfühlsamen Worte zu Thema Tierversuche und essbare Tiere samt tierischer Lebenmittel; da können wir alle viel besser und artgerechter werden (weniger ist mehr) 🙂
Danke für deine Reise/n und Informationen über dies und das.
Farewell Marion