Heute passt einfach alles!

Donnerstag, 25.05.23

Irgendwie sind meine Füße die ganze Nacht kalt geblieben, geschlafen habe ich trotzdem immer wieder. Am Morgen ist alles feucht: die Wiesen und das Zelt von außen natürlich auch. Kein Wind. Bei den Bedingungen laufen die Midges zur Höchstform auf! Werner frühstückt deshalb im Abwaschraum.

Die ersten 20 km fahren wir wieder gemeinsam, bevor er nach Oban abbiegt, während ich nach Norden Richtung Fort William weiterfahre. Mittlerweile habe ich einen Tipp von einem warmshowers-Mitglied bekommen, nachdem es einen Zeltplatz am Beginn des Ben-Nevis-Aufstiegs gibt. Wieso hatte ich den nicht gesehen? Na, jetzt dürfte die Unterkunft wenigstens gesichert sein!

Obwohl die Sonne scheint, ist die Luft nach wie vor so kalt, dass ich die Handschuhe anziehe. Nachdem wir uns verabschiedet haben (leider gab es kein Café an unserer Wegtrennung), fahre ich eine kleine Straße, an der der Ginster zu beiden Seiten in voller Blüte steht. Sein Duft ist atemberaubend. Die Strecke ist einsam und landschaftlich wunderschön, allerdings geht es auch mal wieder beständig auf und ab. Auf der Höhe angekommen, grüßen dafür bereits die ersten Munros herüber. Für wen das Neuland ist: Munros sind alle schottischen Gipfel über 3.000 Fuß Höhe. Den Namen haben sie von Sir Hugh Munro, der sich die Arbeit gemacht hatte, sie alle zu katalogisieren.

In Connel überquere ich die Mündung des Loch Etive, der eher ein Fjord als ein See ist und hier ins Meer mündet.

In Benderloch, 35 km nach dem Start bekomme ich dann endlich den ersten Cappuccino des Tages. Ja, die Tradition besteht fort 🙂 Und er ist mittlerweile auch in Großbritannien genießbar!

Oberhalb des Loch Creran fahre ich teilweise auf einer alten Bahntrasse. Wie immer sind diese Wege sehr angenehm zu fahren, da sie wenig Steigung aufweisen. Überhaupt passt heute einfach alles: die Sonne scheint, der Wind ist mir gnädig, die Strecke ist toll und die Landschaft fantastisch!

Ich komme am malerisch gelegenen Castle Stalker vorbei. Solche Burgen wurden vor knapp 1.000 Jahren häufig auf kleine Meeresinseln gebaut, als es noch kaum Wege über Land gab und man viel häufiger und schneller mit dem Schiff unterwegs war.

Castle Stalker

Bei einer längeren Mittagspause trockne ich mein Zelt, das ich morgens nass einpacken musste. Dabei hält ein Typ aus Aberdeen an, der auf dem Caledonian Way unterwegs ist und sich völlig überrascht von der Qualität dieses Weges zeigt: „You never have something like this in the UK!“

kein Umweltfrevel – hier wird mein Zelt getrocknet!

Nun reiht sich Loch an Loch oder besser gesagt: Fjord an Fjord. Ein Fotostopp jagt den nächsten und bei jedem Stopp tue ich auch ein gutes Werk: ich füttere die Midges!

Nun muss ich einige Kilometer an der hier stark befahrenen A82 entlang. Immerhin gibt es einen separaten Radweg, der allerdings sehr ungeschickt gelegt ist. Er liegt auf der für mich rechten Seite der Straße, durch einen Bordstein abgesetzt und mitunter ist zwischen den entgegenkommenden Lkw und den Hecken zu meiner Rechten gerade mal ein Meter Platz. Besonders witzig ist es, wenn an Einmündungen auf diesem schmalen Streifen noch zwei Radwegspuren, also auch für den Gegenverkehr, markiert sind. Außerdem ist er schlecht gepflegt, voller Steinchen, Laub und Sand, teilweise sogar Glassplittern. Der Einsatz einer Kehrmaschine auf Radwegen wird hier offenbar als Verschwendung von Steuergeldern angesehen. Na gut, genug gemosert. Davon will ich mir den ansonsten fantastischen Tag nicht verderben lassen. Blöd nur, dass ich da, wo ich die A82 eigentlich verlassen will, eine Fähre benutzen müsste, die allerdings gerade „out of order“ ist. So bleibt mir also nichts über, als diese Straße bis Fort William weiter zu benutzen und nun sogar ohne separaten Radweg. Spaß geht anders, aber nochmal: davon lasse ich mir den Gesamteindruck des Tages nicht verderben!

Bei dem Track unten fehlen übrigens mal wieder die ersten 7,5 Kilometer. Wieso denke ich eigentlich nicht konsequent daran, die Aufzeichnung einzuschalten?

Time:
25.5.2023, 10:50:
Duration:
08:28:07
Ascent/Descent:
783 m 884 m
Distance:
91.52 km
Kommentare abonnieren?
Benachrichtige mich bei
guest
4 Kommentare
neueste
älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen
Antony
Antony
10 Monate zuvor

Hi Thomas – did you mean the Corran ferry is not operating? I had thought that a small passenger ferry was running, we are hoping to use it at the weekend. Anyway I’m glad you are having such lovely weather and (mostly) good cycling!

Viktor
10 Monate zuvor

Wunderschöne Landschaftsaufnahmen bei herrlichem Licht! Da kommt Sehnsucht nach „mal wieder Schottland“ auf. Die schottische Westküste ist aber auch wirklich ein herrliches Fleckchen Erde!