Im Burren

Kein Wasser zum Ertränken, kein Baum zum Hängen, keine Erde zum Begraben

Ein Heerführer Oliver Cromwells

Oliver Cromwells Charakterisierung des Burren ist reichlich militärisch geprägt. Der ausschließliche Blick auf die Möglichkeiten des Tötens verstellt – wie immer – die Sicht auf das Leben, das auch die vermeintliche Ödnis der Karstlandschaft in erstaunlicher Vielfalt bietet.

Vor 330 Millionen Jahren, als die Steinkohle des Ruhrgebiets noch in Form tropischer Wälder vorlag, war das Gebiet des heutigen Burren im Westen Irlands ein flaches, warmes Meer, in dem Wälder aus Seelilien wucherten und an Korallenriffen Brachiopoden (Verwandte der Muscheln) und Schnecken lebten, die nach ihrem Tod auf dem Flachmeerboden verblieben und von weiteren Sedimenten bedeckt wurden. In geologischen Zeitläufen wurden die Sedimente versenkt und verformt; es bildete sich Kalkstein, der schließlich wieder über die Erdoberfläche gehoben wurde – die ehemaligen Lebewesen sind noch heute in Form von Fossilien im Gestein erkennbar.

Crinoiden (Seelilien) im Kalkstein

Kalkstein erodiert schnell, Wasser löst ihn, schafft Rinnen, Höhlen und unterirdische Abflüsse. An der Oberfläche entstehende Bäche und Flüsse versickern schnell, auch Seen füllen sich nur kurzzeitig nach starken und längeren Regenfällen und trocknen dann wieder aus. So schaffen es nur wenige Pflanzen, sich im Karst zu halten. Diese ziehen einige Insektenarten an, denen wiederum Vögel wie Gebirgsstelze, Steinschmätzer und Lerche folgen. Auch wilde Ziegen leben im Burren.

Diese für die „Grüne Insel“ so untypische Landschaft wollen wir näher kennenlernen. Vom Burren National Park Information Point in Corofin startet ein kostenfreier Shuttlebus ins Herz des Burren, wo wir auf einem mit farbigen Plaketten gut markierten Weg in die blasse Landschaft starten. Kalkplateaus übernehmen immer stärker die Vorherrschaft über Farne, Eiben und Haselnusssträucher. Wir durchschreiten aus Kalksteinen von wem auch immer aufgebaute Mauern an schmalen Durchgängen und wundern uns, dass die doch recht schmalen Mauern im immer stärker werdenden Wind nicht einfach umfallen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Schmalseiten der Steine nach außen zeigen und immer wieder Platz für den hindurch pfeifenden Wind lassen. Wir passieren einen See, dessen Farbe von einem blassgrün am bald schon wieder verlandenden Rand zu einem dunklen Blau an seiner tiefsten Stelle wechselt, an der er langsam, aber sicher im Untergrund versickert.

Karstplateau im Burren
Die Wege sind gut markiert

Je höher wir kommen, desto stürmischer wird es. Längst habe ich die Kapuze meiner Jacke über mein Käppi gezogen, das sonst schon längst abgehoben hätte. Stelle ich mich gegen den Wind, komme ich mir vor wie Kate Winslet auf der Titanic (nur, dass sie dabei die bessere Figur abgegeben hat). Schließlich sind wir auf dem höchsten Punkt unserer Tour, dem Mullagh More angekommen, von dem wir uns bald nach Osten wenden, weg vom Wind, der längst Sturmstärke angenommen hat. Unterhalb eines Absatzes halten wir eine windgeschützte Rast mit Blick auf die frei erodierte Schichtung des nächsten Karstgipfels.

Die Wolken haben sich mittlerweile verdichtet, der Abstieg bringt außer Sturm auch noch Regen und den von vorne. Aber was soll’s. In Irland kommt nach Regen bald wieder kein Regen. Und der weiterhin starke Wind trocknet bald wieder alles, was zuvor nass geworden ist.

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