Durch die Karawanken

Anders, als gestern noch gedacht, bleiben die hohen Berge, allen voran der Boč mit seiner markanten Pyramidengestalt und dem unübersehbaren Sendemast auf seinem Gipfel nicht rechts, sondern links von mir. Das heißt, ich muss da schon irgendwo durch. Aber zum Glück weitet sich die Landschaft, je näher ich den Bergen komme. Auf angenehmen Steigungen, die mich selten an meine Grenzen bringen, geht es nun durch die Karawanken, eine schon fast lieblich zu nennende Landschaft mit grünen Hügeln, auf denen Kühe grasen, darüber bewaldete Höhen und dazwischen eingestreut immer wieder Häuser und Gehöfte. Und immer wieder unterbrochen durch Waldpassagen, deren Schatten den Anstiegsschweiß erträglicher machen.

Aber dann muss ich doch mal wieder pumpen! Wenigstens hatte ich vorher gerade eine Banane. Und nach der Steigung gibt es direkt noch einen Müsliriegel hinterher. Wie gesagt: ich mutiere langsam zum Hobbit 🙂

Ab Vitanje fahre ich das Hudinja-Tal hinunter, dass sich tief eingeschnitten durch steile Wälder und eingestreute Kalksteinfelsen windet. Hinter Celje sehe ich weitere Berge. Da kommt vermutlich noch mal etwas auf mich zu!? Überraschender Weise öffnet sich ein Tal und ich fahre die Savinja hinunter! Und dieser Fluss hat sich ein Bett zwischen steil aufragenden Bergen gegraben, so dass sich nach jeder Biegung ein neuer Blick öffnet. Steigungen: Fehlanzeige! Was für eine Etappe! Ich bin geneigt, sie als die schönste der bisherigen Tour zu bezeichnen. Ja, ich weiß, da war auch schon der Mährische Karst. Und auch der Altvater war zwar anstrengend, aber auch schön. Aber kein Tag war bisher landschaftlich so homogen und dabei relativ unangestrengt!

Da kommen wohl noch weitere Berge auf mich zu!

Celje

Doch kein Mitradler – der wollte nur ein Foto machen!

Im Savinja-Tal

kurz vor Strensko

Und dann suche ich hinter Strensko den Zeltplatz, den mir mapy.cz, eine App, die ich auf Empfehlung von Jan und Zdenek installiert hatte, anzeigt. Da gibt es aber nur eine Wiese mit einer Art selbstgebasteltem Schuppen, mehr ein Dach über ein paar Bänken, auf denen ein paar Jugendliche sitzen und Musik hören, die nicht unbedingt mein Stil ist. Hm, soll ich nicht lieber wieder verschwinden? – Hallo? – Vorurteil? Ich frage einfach mal, wie das mit dem Zeltplatz ist. Einer der Jungs kann Deutsch und bestätigt, dass diese Wiese zum Zelten genutzt wird und sagt mir sogar noch, wo ich Wasser bekomme – nämlich 200 m entfernt auf dem Friedhof! Wie gesagt: Vorurteil!

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Update zur Zeltwiese (Plaža Rimske Toplice) von Judith v. 3.9.2022 – vielen Dank dafür!

„Das Gelände war ursprünglich das Niemandsland hinter der alten Brücke und gar nicht so groß, weil die beiden Flüsse etwas weiter oben zusammengeflossen sind. Dann wurde die alte Brücke abgerissen und die Wiese/Wald gehörte niemandem, also haben sich vor ca 20-30 Jahren Menschen gedacht, sie bauen da mal einen Ort auf, der von allen genutzt werden kann. Mittlerweile ist es schon die zweite Generation, die die Plaža hauptsächlich bespielt und instandhält und der Bretterunterstand ist seit letztem Jahr eine recht ordentliche Pergola. Wir hatten sehr nette und interessante Gespräche mit den beiden, die da waren, und wurden gebeten, ruhig weiterzusagen, dass man da übernachten darf. Strom und Wasser gibt es auf dem Gelände weiterhin nicht, weil es ja quasi besetzt ist (die Leute aus dem Dorf kommen aber mittlerweile wohl auch ab und zu und stehen dem neutral bis positiv gegenüber), aber auch, um Trittbrettfahrern an diesem gemeinschaftlichen Ort keinen Anreiz zu geben.“

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Viktor
4 Jahre zuvor

Was für eine schöne Landschaft! 🙂 🙂 🙂