Die Dinariden schließen die Adria nach Nordosten hin ab. Dieses 600 km lange Gebirge entstand gemeinsam mit den Alpen über einen Zeitraum von rund 100 Millionen Jahren, ein Prozess, der sich in abgeschwächter Form bis heute fortsetzt. Das dinarische Gebirge reicht von den Julischen Alpen in Slowenien über den Velebit in Nordwest-Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Südwest-Serbien und Montenegro bis nach Nordalbanien, wo es im Querriegel des Prokletije, den Albanischen Alpen, abschließt.
2022 hatten ein paar einheimische Rad-Enthusiasten die Idee, eine Radroute zu entwickeln, die sich an diesem Gebirge orientiert. Mit der professionellen Unterstützung einer Entwicklungsgesellschaft und zahlreicher Sponsoren wie z. B. USAID (ja tatsächlich, aber das war noch vor Trump!) oder der GIZ entstand so eine Route, die 2024 offiziell eröffnet wurde.
Die TransDinarica erstreckt sich über 5.500 km und 95.000 Höhenmeter. Die Strecke verbindet Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und Kosovo. Damit wird neben der kulturellen und landschaftlichen Vielfalt sowie der sportlichen Herausforderung auch eine andere Intention deutlich: Rund 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und den darauf folgenden Jugoslawien-Kriegen dient dieses Projekt auch der Völkerverständigung.

Die Route tangiert Nationalparks, UNESCO-Stätten und diverse Sehenswürdigkeiten und führt dabei vielfach durch einsame Landschaften und abgeschiedene Dörfer, in der Hoffnung, dadurch die Landflucht, die in vielen Gegenden eingesetzt hat, zu stoppen. Ein weiteres Stichwort also: sanfter Tourismus.
Als ich vor zwei Jahren erstmals davon las, war ich gleich angefixt. Aber zunächst wollten noch andere Pläne verwirklicht werden: Deutschland Nord-Süd etwa oder die VeloSud – und das waren nur die „Rad“-Pläne. Für dieses Jahr rutschte die „TD“ aber auf der Prioritätenliste ganz nach oben. Nicht, dass ich gleich die gesamte Route in Angriff nähme – eine so lange Abwesenheit von zu Hause konnte und wollte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. So wird es nur ein Teil werden. Dabei habe ich mich für eine südliche Schleife durch Albanien, Nord-Mazedonien und Kosovo entschieden, für die ich mir vier Wochen Zeit nehmen werde. Immerhin auch rund 1.500 km und 22.000 Höhenmeter.
Auf dieser Tour bleibt das Zelt übrigens zu Hause, u.a., um den Gedanken des sanften Tourismus zu unterstützen, ein Entschluss, der mir durch vergleichsweise niedrige Übernachtungspreise nicht schwer fiel. Und apropos schwer: Ohne Zelt, Schlafsack, Kocher etc. wird auch das Rad leichter, was bei den vielen Höhenmetern sicher nicht verkehrt ist. Schließlich bin ich wieder mit dem „Biobike“ unterwegs.
Mitte Mai soll es losgehen!