Vom Winde verweht

Die ersten 13 Kilometer sind so erholsam wie noch keine in den letzten Tagen. Von Bodmin geht es kurz und steil hinab und dann auf den Camel Trail. Das ist übrigens kein Karawanenweg, sondern eine ehemalige Eisenbahntrasse entlang des Flusses Camel. Idyllisch führt der Weg durch lichten Wald. Ich höre nichts als links von mir den Camel rauschen, das Zwitschern von Buchfink und Rotschwanz und das Knirschen des Kieses unter meinen Reifen.

Auf dem Camel-Trail
Eine kurze Reminiszenz an die Eisenbahn

Am einem Cafe ist das Tal zu Ende. Und die Gemütlichkeit auch. Im ersten Gang keuchend trete ich mich auf die Höhe. Das war grenzwertig, aber immerhin!

Dann bin ich auf der cornischen Hochebene. Eine gänzlich andere Landschaft tut sich hier auf: Weite, gefüllt mit Wiesen, Moor und Mauern, intensiv gelbem Ginster, Schafen und viel Wind. Immerhin kommt der meistens nicht von vorne.

Auf der cornischen Hochebene
Stilleben mit Fahrrad auf der cornischen Hochebene

Aber dann erwischt es mich doch. Der Weg biegt ab nach rechts und damit voll gegen den Wind, der heute von ESE kommt. Mit nur 8 km/h kämpfe ich dagegen an – auf gerader Strecke! Nur gut, dass es nicht noch regnet, dann wäre meine Motivation jetzt unterirdisch!

Eigentlich schon ganz schön schön hier!

Ich wäre ja bereit, heute Mittag irgendwo einzukehren, um auch mal aus dem Wind zu kommen. Aber die Gegend hier oben ist so einsam, die Ortschaften so klein, dass es nichts gibt: keinen Pub, kein Café. Der einzige Inn, den ich dann doch noch finde, hat – trotz der „Open“-Tafel, die an der Straße steht, geschlossen. Immerhin finde ich eine Hauswand im Windschatten. Hier keine ich Brot, Wurst und Käse, Kekse und Schokolade, Äpfel und Bananen essen – was die Gepäcktaschen halt so hergeben.

Und weiter geht es mit Wind und Steigungen. Es ist Viertel vor vier. Wieder mal wird es ekelhaft steil. Meine Oberschenkel schreien „Feierabend!“. Noch zwei Kilometer und meine Route bricht nach Osten ab – also voll in den Wind. Nee, heute nicht mehr!

St. Marys Church in Week St. Mary

Insgesamt komme ich doch langsamer vorwärts als gedacht. Meine zeitlichen Planungen – obwohl gar nicht soo ambitioniert – zerschellen gerade an Steigungen und werden vom Winde verweht. Ich entschließe mich, jetzt schon nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau zu halten. Das ist aber gar nicht so einfach. Zelten scheint mir heute nicht angebracht, das würde das Zelt nicht überstehen. Orte, die groß genug für ein B&B wären, gibt’s nicht. Ich entscheide mich, nach Bude zu fahren, obwohl das abseits meines Weges liegt. Dann werde ich die Wettervorhersage checken und überlegen, wie es morgen weitergeht.

Time:
3.5.2023, 10:49:1
Duration:
07:10:17
Ascent/Descent:
1286 m 1255 m
Distance:
62.56 km
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4 Kommentare
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Birgit
Birgit
9 Monate zuvor

Hallo Thomas, ich lese zeitverzögert. Heutevhaven wir schließlich schonnden 05.05. Dennoch empfinde ich nachträglich Hochachtung, Mitleid und Stolz für meinen Cousin. Du schaffst das. Weiter so. Ich schicke dir positive Energie.

Christa Reppel
Christa Reppel
10 Monate zuvor

„Eigentlich schon ganz schön hier“…. Hallo, du wind- und steigungsverwehter Thomas! Das “ eigentlich“drückt ja alles andere als Zufriedenheit aus, es ist beim Lesen deines Blogs total nachvollziehbar ist. Nein, da meint es die Natur zzt nicht gerade gut mit dir. Rückenwind wünsche ich dir heute noch… Und weniger Rauf und runter… Also mehr Lust als Frust