Parenzana

In der Nacht gewittert es. Über dem Karst zucken die Blitze und aus Portoroz kommen die Donner – etwa 120 pro Sekunde. Ein Glück, dass ich mittlerweile ein erfahrener Ohropax-Schläfer bin! 🙂

Nach wenigen Kilometern am Meer entlang bin ich an der Grenze. Doch was ist das? Grenzkontrollen!? Sowohl bei der Ausreise aus Slowenien als auch bei der Einreise nach Kroatien! Von einem EU-Staat in einen anderen! Ist irgendetwas passiert, während ich unterwegs war?

Salzgewinnung am Meer

Ein in Europa eigentlich unbekanntes Bild: Grenzkontrollen

Die Parenzana ist eine ehemalige Eisenbahnstrecke von Triest nach Poreč (auf italienisch: Parenzo), wie ich gestern ja schon geschrieben habe. Sie wurde zwischen 1902 und 1935 als Schmalspurbahn betrieben. 2008 wurde sie als multinationaler „Weg der Gesundheit und Freundschaft“ für Radfahrer und Wanderer wiedereröffnet. Dabei ist der slowenische Teil, wie ich gestern erleben konnte, hervorragend ausgebaut, der kroatische weniger. Hinter der Grenze fehlt offenbar ein Stück der alten Trasse, jedenfalls muss ich steil und schotterig gute 100 Höhenmeter hinauf, die die Schmalspurbahn so sicherlich nie bewältigt hätte. Die Steilheit ist irgendwann vorbei, schotterig bleibt’s. Und so geht es durch Eichenwälder, als einzige Geräuschquelle knirschen die Reifen auf dem Kies und das Gepäck klappert. Schmetterlinge fliegen vor mir auf und Eidechsen huschen erschreckt beiseite.

Da ich nicht weiß, ob Grožnjan, mein heutiges Ziel, einen Geldautomaten hat und ich mir im Nicht-Euro-Land Kroatien noch Kuna besorgen muss, mache ich einen Abstecher nach Buje hinein, wo es gleich drei davon im Umkreis von 10 Meteren gibt. Außerdem ein Volksfest. Von allen Seiten werde ich mit Musik beschallt – auch mit drei unterschiedlichen gleichzeitig, was mir einigermaßen auf den Keks geht! Einen Cappuccino genehmige ich mir trotzdem!

Buje

Das Rad hat mehr Flaschenhalter als meins!

Im weiteren Verlauf begegnen mir dann doch immer öfter andere Radler, natürlich mit dem Mountainbike. Und ehrlich gesagt ist das auch sinnvoll. Der Schotter ist zwar meistens auch für mich zu bewältigen, aber mit grobstolligen Reifen und Federung (und ohne Gepäck) macht das sicher mehr Spaß! Und das hier ist der Teil, der laut Itzok noch ganz ok ist!

Auf der kroatischen Parenzana zwischen Buje und Grožnjan

In Grožnjan mache ich bereits Schluss für heute, auch wenn es kaum früher Nachmittag ist. Aber erstens habe ich ja noch viel Zeit bis zum Rückflug am Donnerstag und zweitens wollte ich hier noch einmal hin (Uta und ich waren 2011 bereits einmal hier). Grožnjan ist in den 1960er-Jahren fast vollständig von seiner Bevölkerung verlassen gewesen, als sich hier einige Künstler auf der Basis unentgeltliches Wohnen gegen Gebäudeerhalt ansiedelten und daraus im Laufe der Zeit erst eine Art Künstlerkolonie und dann eine Touristenattraktion mit vielen Galerien, Kunstgewerbe- und Spezialitätenläden (Wein, Olivenöl und Trüffel) schufen. Aber auch die Musik steht hier hoch im Kurs. Im Sommer gibt es Klassikkonzerte und Jazzfestivals. Trotz der touristischen Beliebtheit hat es sich immer noch einen gewissen Bohème-Flair erhalten, besonders abend, wenn die Tagesgäste wieder verschwunden sind.

und so macht das Blog schreiben auch noch mehr Spaß!

Und hier noch einige Bilder aus Grožnjan, vor und nach Sonnenuntergang:

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Angelika Schmidt
Angelika Schmidt
4 Jahre zuvor

Lieber Thomas, knapp 2 Wochen waren wir im Urlaub (Segeln) und nun bist du schon in Kroatien, welch eine großartige Leistung. Ich lese jetzt alle Berichte der letzten 1 1/2 Wochen in der Rückschau, bestaune Höhlenbilder und wunderschöne Falter, etc. Die aktuellen Bilder aus Istrien kommen mir so vertraut vor, weil wir dort schon so häufig gewesen sind und ich die dortigen Küstenstädte so schön finde. Also große Hochachtung vor deiner wunderbaren Leistung und für die letzten Kilometer wünsche ich dir noch weiterhin schöne Begenungen und Ausblicke. Vielleicht hast du ja noch Zeit für die Küste vor der Einmündung in… Weiterlesen »