Hannover-Schlüsselburg

Oh Mann, mir tun ja jetzt schon die Beine weh, dabei bin ich noch gar nicht losgefahren. Aber vor das Vergnügen hat der liebe Gott ja die Arbeit gestellt und die besteht darin, die Wohnung auszuräumen, da ich vor der Fahrt nach Bonn noch die Schlüssel abgeben muss. Und natürlich sind es deutlich mehr als die mal angenommenen ein bis zwei Umzugskartons. Obwohl Anna und Uta natürlich helfen, heißt das: mehrfach die 77 Stufen von der Wohnung zum Auto und zurück.

Aber schließlich ist doch alles verpackt und das sogar zweimal (beim ersten Versuch passte noch nicht alles rein). Uta und Anna steigen ins Auto und sind, wenn’s wie geplant läuft, in dreieinhalb Stunden in Bonn. Ich in sechs Tagen. Ich fahre erst nochmal in die Firma, Schlüssel und Zugangskarte abgeben und ein letztes Abschiedsfoto vor dem Firmen-eigenen Hanomag aufnehmen, auch ein Stück Hanoverscher Wirtschaftsgeschichte

ein letztes Foto mit Hannoverscher Wirtschaftsgeschichte

Dann geht es tatsächlich los, halb elf ist es mittlerweile. Zunächst einige Kilometer am Mittellandkanal entlang, am Yachthafen vorbei und langsam in ländlichere Gefilde. Tenperaturen geschätzt knapp über 0 Grad, Die Sonne scheint von links und da ist es auch ausreichend warm. Auf der rechten Seite hingehen beschweren sich Oberschenkel und Hintern, dass es auch etwas mehr sein dürfte. Unangenehm wird es allerdings trotz Überschuhen von unten: Erwartungsgemäß sind die Cleats der Radschuhe eine Kältebrücke. Hier muss ich wohl bei der nächsten Pause nachrüsten.

Die kommt in Garbsen in einem kleinen – ja, was denn, mehr als ein Kiosk, aber weniger als ein Café. Egal, es gibt einen Cappuccino und ein Croissant – und die Heizsohlen in die Schuhe.

Ich bin bestimmt schon 25 km gefahren und noch nix von der Leine zu sehen, ich dachte, ich hätte die Tour die Leine entlang geplant? Vielleicht habe ich eine falsche Version aufs Navi geladen?

kleine Schikane – zum Glück ist der Boden gefroren!

Zwischen Schloss Ricklingen und Neustadt am Rübenberge wechseln Felder und Grünflächen mit Wäldern ab und irgendwann entdecke ich auf dem Navi-Display, dass die Leine tatsächlich in der Nähe ist. Immerhin. Einige Minuten später komme ich ran. Mittagspause!

Mittagspause an der Leine

Zwischen Neustadt und Mardorf geht es zunächst auf einem dauergewellten Radweg an der B6 entlang. Moorwäldchen und später aktueller Torfabbau säumen die Straße zur Rechten. Nach wenigen Kilometern kann ich von der Straße abbiegen und auf dem Uferweg am Steinhuder Meer entlang radeln.

Moorwäldchen an der B6

Am Steinhuder Meer

Nach der Umrundung des Steinhuder Meeres mit Vorbeifahrt an Tausenden von Gänsen wollte ich im Café Am Kuhstall nochmal Pause machen, leider hat das zu, also schieb ich mir noch einen Müsliriegel rein, bevor ich über die Rehburger Berge muss. Das geht anfangs mit angenehmer Steigung auf einem asphaltierten Feldweg, der dann in einen unbefestigten Waldweg übergeht. Und schon höre ich wieder das Schleifgeräusch Am Hinterrad, das mit vorhin schon mal aufgefallen war. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Fahren immer schwerer wird. Ich steige ab und schaue nach: da scheint sich Dreck unter dem Schutzblech gesammelt zu haben. Mit einem Stöckchen versuche ich, ihn raus zu kratzen. Der Dreck ist stärker. Also muss das Schutzblech runter. Mit klammen Fingern – ich stehe natürlich gerade im Schatten – schraube ich das Kunststoffteil ab (“Blech” ist hier ein klarer Fall von Euphemismus!) Und dann wundert mich nix mehr! Kein Wunder, dass mir die Beine weh tun. Also Dreck raus, Schutzblech wieder ran und weiter. Und auf einmal läuft’s wieder wie von selbst!

vorher

nachher

 

Kurze Zeit später muss ich leicht bremsen und stelle fest, dass die hintere Bremse überhaupt keine Wirkung zeigt. Oh, Mist, ich hatte vergessen, nach der Schutzblech-Demontage den Bremszug wieder einzuhängen. Gut, dass das nicht in schneller Fahrt oder auf bei starkem Gefälle passiert ist!

Weiter geht’s Richtung Schlüsselburg, zwei Störche winken mir zu (ok, eher umgekehrt), ich fahre durch Schlüsselburg und wieder hinaus!? Und schließlich sagt das Navi “Ziel erreicht” – mitten auf der Straße! Also Track-Navigation aus und Zieladresse eingeben – hätte ich natürlich auch schon vorher drauf kommen können. Nach zweieinhalb Kilometern – wieder zurück, versteht sich, bin ich endlich an der Pilgerherberge angekommen und werde von zwei netten alten Frauen begrüßt – ich bin der einzige Gast, muss wohl an der Jahreszeit liegen.

79 km / 320 Hm

Ziel erreicht! Hä?

3 Replies to “Hannover-Schlüsselburg”

  1. Hallo Thomas!
    Dein erster Tag scheint sehr erlebnisreich zu sein. Viel Freude beim Radeln weiterhin!
    Grüße aus Hannover,
    Nadja

  2. Hallo Thomas. Den Effekt mit Matsch unterm Schutzblech hab ich auf einer Tour im Bergischen Land auch mal erlebt (Waldweg, Matsch, und dann ging nichts mehr). Weiter gute Fahrt! Andreas

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