Akklimatisation mit Hindernissen

In Gavarnie angekommen, sind alle Zweifel nur noch nächtliche Schatten. Der Ort selber ist zwar nicht schöner als letztes Jahr, aber das Panorama ist über alle Zweifel erhaben. Und der Himmel ist so blau, da kommt nur noch unbändige Lust auf die nächsten Wochen auf.

Gavarnie

Da ich direkt aus dem Flachland komme, habe ich mir erst mal eine Akklimatisationsrunde um Gavarnie vorgenommen mit zwei bis drei Nächten in etwa 2.000m Höhe, bevor ich wieder auf die eigentliche HRP gehe.

Ich gehe um 11:30 Uhr los. Da es nur 14 Grad sind, ist die Mittagshitze noch kein Problem. Nach einem gemächlichen Waldanstieg, der meinem Akklimatisationsbedürfnis sehr entgegen kommt, erreiche ich das Plateau Bellevue. Hier öffnet sich die Landschaft, Kühe und Schafe grasen und der Blick wird frei Richtung Pic de Sarradets und Port de Bucharo. Das ist übrigens kein Hafen, so heißen hier die Grenzjöcher zwischen Frankreich und Spanien.

Wären meine botanischen Kenntnisse nicht so rudimentär, könnte ich diese Schönheit benennen.
Im Anstieg zum Plateau Bellevue

Oben weht ein heftiger und kalter Wind. Ich finde ein sonniges, windgeschütztes Plätzchen und mache eine lange Pause, bevor ich zum Pic Entre les ports auf- und zum unterhalb gelegenen Ibon de Lapazosa wieder absteige. Hier finde ich meinem ersten Zeltplatz – direkt am See.

Rückblick Richtung Tal von Gavarnie
Mein Zeltplatz am Ibon de Lapazosa

RappRappRappRappRapp. Ich bin gerade im ersten Tiefschlaf, als mich ein hässliches, kratzendes Geräusch weckt. Was war das denn? Ist da im Dunkeln irgendein Tier über die Zeltleinen gestolpert? Das Zelt scheint jedenfalls unbeeinträchtigt zu stehen. Ich kann das Geräusch nicht einordnen und versuche, wieder zu schlafen.

Dann wieder: RappRappRappRappRapp. Und mit einem Knall liege ich auf dem Boden – meine Isomatte hat schlagartig alle Luft verloren. Ich kann immer noch nicht einordnen, was da passiert ist, aber jetzt bin ich hellwach. Und dann sehe ich ein Loch in der Zeltwand und eins in der Isomatte. Was um alles in der Welt war das? Welches Tier in über 2.000m Höhe ist nachtaktiv und zerstört Zelte? Und dann sehe ich, das meine Lebensmittelvorräte umsortiert sind (erst am Morgen sehe ich, dass die Salami verschwunden ist). Ich packe alle verbliebenen Lebensmittel zusammen, ziehe mich an und verlasse mit der Stirnlampe das Zelt, um mir draußen einen sicheren Platz dafür zu suchen. Lieber die Lebensmittel als ich!

Zelt mit Katzen- (oder Bären???) Klappe

Dann schaue ich mir den Schaden an, flicke Zelt und Isomatte notdürftig und pumpe die Matte wieder auf. Wie befürchtet höre ich ein leises Zischen. Tesaband klebt zwar gut, ist aber nicht luftdicht. Was anderes habe ich aber nicht. Also muss es irgendwie gehen. Ich versuche, wieder zu schlafen. Gelingt natürlich erstmal nicht. Außerdem muss ich nach zehn Minuten die Matte wieder aufpumpen. Und das wird meine Nachtbeschäftigung. Matte aufpumpen, zehn Minuten hinlegen, bis ich wieder auf dem kalten Boden liege und das Spiel beginnt von vorne. Irgendwann überwiegt die Müdigkeit das Kälteempfinden und ich wache erst deutlich später und frierend wieder auf.

Die erste Nacht in den Pyrenäen! Wie das wohl weiter geht? Wird es weitergehen? Ich breche die Akklimatisationsrunde erst einmal ab und steige wieder nach Gavarnie ab. Zumindest brauche ich eine neue Isomatte.

4 Replies to “Akklimatisation mit Hindernissen”

  1. Das ist ja doof. Hoffentlich findest du da eine Lösung.
    Bei der Pflanze handelt es sich um eine Schwertlilie, wahrscheinlich Iris Latifolia, die Pyrenäen-Schwertlilie (s. Wikipedia).
    Gruß, Andreas

  2. Das ist ja fast unglaublich – du hast ja echt Pech! Wer war der Täter? Konnten die Einwohner von Gavarnie etwas dazu sagen? Eine Schleichkatze oder doch ein Bär oder ein Fuchs??? Na, jetzt bin ich ja gespannt, was du dazu rausfindest. In Island kommen Polarfüchse gern ins Vorzelt und knabbern Lederschuhe an, und bei dir war es die Salami statt der nicht vorhandenen Lederschuhe…
    Jedenfalls halte ich dir die Daumen, dass dir in Gavarnie jemand das Zelt und die Isomatte professionell repariert! Viel, viel Glück dabei und eine ruhige friedliche nächste Nacht!

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