Verrückt! Da sitze ich in über 3.000 m Höhe und schreibe meinen Blog! (während wir Pause machen und Essen) Na gut, geschrieben ist er schon seit gestern, nur hatte ich keinen Mobilfunkzugang. Im Gegensatz zu Leo – offenbar der falsche Provider! jetzt muss ich nur noch Text und Bilder montieren und dann ab damit. Jetzt also:
Donnerstag, 18.9.25
In der Nacht muss ich raus – das Klo ist außerhalb. Der kalte Wind tobt sich inzwischen woanders aus, die Wolken sind verschwunden, unzählige Sterne stehen am Himmel. Zwischen Haupt- und Wintergebäude der Hütte verläuft die Milchstraße, im Osten steht der Orion.
Das Fotografenherz ist sofort wach. Das muss ich einfach probieren. Also wieder rein in die Hütte, Kamera, Stativ und Fernauslöser geholt und dann geht das Ausprobieren los: Belichtungszeit nicht zu lang, die Sterne sollen schließlich Sterne bleiben und keine Streifen werden. Blende ganz offen, damit genügend Licht ankommt. ISO-Zahl hochdrehen für die Lichtempfindlichkeit. Aber auch nicht zu hoch, sonst gehen die Sterne nachher im Farbrauschen unter. Ach ja, Autofokus aus und manuell einstellen, der findet sich im Dunkeln schließlich überhaupt nicht zurecht. Wobei auch manuelle Entfernungseinstellung im Dunkeln tricky ist. Die Hütte leuchte ich mit der Taschenlampe an, damit der Vordergrund nicht nur aus Schemen besteht.

Und das Ergebnis? Ist noch verbesserungsfähig. Die meisten Fotos sind unscharf (ungenaue Entfernungseinstellung) und die Hütte hat doch ein bisschen zu viel Licht abbekommen. Vielleicht habe ich ja kommende Nacht noch eine Chance!

Von der Siegerlandhütte zum Gamsplatzl, einem Joch in 3.016 m Höhe, laufen wir über Moränenschutt, dann über Blockfelder, weitere Moränen und wieder über Blockfelder – eine riesige Schutthalde, unterbrochen nur von Gletscher(Rest)abflüssen und dem Triebenkarsee. Die Stille wird außer bin Rauschen der Bäche nur unterbrochen vom Pfeifen eines wahnsinnig aufgeregten Murmeltiers, das sich über die Eindringlinge in seinem Reich beschwert und dabei selber nicht zu sehen ist, so sehr verschmilzt es mit der Umgebung.



Das Gamsplatzl entpuppt sich als Sammelplatz für Steinmännchen, eins hat sogar eine Mütze auf. Am größten machen wir Pause.



Was für ein Wetter heute: pure Sonne. Und was für eine Fernsicht! Im Süden sind die Dolomiten zu erkennen, dominant die Rosengartenspitze, weiter westlich statt der Lagorai, den ich vor einem Monat durchquert habe.
Nach Norden hin sehen wir die Ausläufer des Stubaier Skigebietes und im Nordwesten, nur einen guten Kilometer Luftlinie entfernt, die Hildesheimer Hütte. Bis dahin geht es aber nochmal 250 Meter steil hinunter und dann wieder 150 Meter steil hinauf – natürlich durch Moränen und Blockfelder.


Wir sind am frühen Nachmittag an der Hütte, sitzen in der Sonne, genießen die Aussicht, Essen, sitzen in der Sonne, trinken einen Kaffee, sitzen in der Sonne… Mann, haben wir’s gut!


Mann, habt ihr’s gut!
Dem ist nichts hinzuzufügen 🙂