Ein geologisches Sahnehäubchen

Dienstag, 16.9.25

In der Nacht habe ich wohl nicht gut gelegen, jedenfalls schmerzt am Morgen der Nacken. Einseitig, links.

Im Aufstieg oberhalb der Timmelsbrücke durch herrlichen Lärchen- und später Fichtenwald nehmen die Kopfschmerzen zu. Ich nehme eine Tablette und wir laufen einen kleinen Umweg zur Gostalm, um eine Kaffeepause zu machen. Was für ein Glück! Eine herrliche Lage, idyllischer Weitblick, die Kühe bimmeln, die Hühner laufen frei herum.

An der Gostalm

Zum Kaffee gibt’s noch ein Stück Kuchen, obwohl der Magen vom reichhaltigen Frühstück im Gasthof Hochfirst noch gut gefüllt ist. Aber wer kann bei der leckeren Himbeer-Vanille-Torte schon nein sagen? (Und ja, eigentlich käme hier wieder mein liebstes Oscar-Wilde-Zitat1, aber da ihr das ja schon kennt, verzichte ich heute mal darauf).

Liegt das nun an der Pause, der Tablette oder am Kuchen? Danach geht’s mir jedenfalls deutlich besser.

Unterwegs treffen wir Stephan mit einer Gruppe Tagestouristen, die er über die Alm führt. Als er hört, dass wir zum Schneeberghaus laufen, trägt er uns Grüße für die ganze Mannschaft auf. Er hat dort fünf Jahre als Koch gearbeitet. Dabei sollen wir auch schon Hans und Harald Grüße von Margit bestellen, der Servicekraft im Gasthof Hochfirst. Puh, wer soll sich denn all die Namen merken?

Heute haben wir es nicht weit, wir wollen zum ehemaligen Bergbaugebiet am Schneeberg, in dem sich auch eine Schutzhütte, das Schneeberghaus, befindet. Als wir aus dem Wald treten, fällt der Blick auf den Schneeberg, dessen Gipfelkappe aus einer dicken Schicht blendend weißem metamorphen Kalkgesteins besteht – ein geologisches Sahnehäubchen.

Der Schneeberg mit seinem „Sahnehäubchen“

Dabei ist es gar nicht dieser sog. Schneeberger Zug, der zu einem der höchstgelegenen Bergbaugebiete Europas führte – und das schon im 13. Jahrhundert. Vielmehr sind es die Mineralien in den darunterliegenden, ebenfalls metamorphen Gneisen.

Zunächst Silber, später Blei und Zink wurden hier bis 1979 abgebaut und führten zu einem Schweizer Käse im Untergrund: 150 km Stollen ziehen durch den Berg. Im Zuge der Bergbautätigkeit entstand auch die einst höchste, ganzjährig bewohnte Dauersiedlung Europas mit mehreren Hundert Bewohnern.

Schon kurz nach der Schließung wurde auf dem Gelände ein Bergbaumuseum geplant und 1993 eröffnet, etliche Wege und 21 Hörstationen eines herunterladbaren Audioguides bringen einem die Geschichte des Areals nahe.

Den Abend verbringen wir ehemaligen Verwaltungsgebäude, dem Herrenhaus, in dem heute die Schneeberghütte des AVS (Alpenverein Südtirol) eingerichtet ist.

Die Decke im „Herrenhaus“
  1. Wer’s doch noch nicht kennt: „Ich kann allem widerstehen außer der Versuchung“ (aus: Der Fächer der Lady Windermere) ↩︎
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Christa+Reppel
Christa+Reppel
2 Monate zuvor

Wahnsinn, dieser Schneeberg, kaum zu glauben, dass er aus Marmor (?) besteht, und nicht aus Schnee. So etwas habe ich bei all meinen Reisen noch nie gesehen! Danke für die Erläuterungen dazu und weiterhin entdeckungsreiche Tage!

Viktor
2 Monate zuvor

Wahrscheinlich hat der Kaffee gewirkt 🙂
Spannend, wo es überall Bergbau gegeben hat. Von diesem Gebiet hatte ich noch nie etwas gehört…

Birgit Rüge
Birgit Rüge
2 Monate zuvor

Also, bei Kaffee und Kuchen wäre ich auch dabei gewesen.