Akklimatisationstour zum Fräulasloch

Der Nederkogel schwebt in den Wolken

Die erste Hütte auf unserer geplanten Runde, das Brunnenkogelhaus, liegt auf 2.739 m. Von 0 direkt auf die Höhe resultiert bei mir in Kopfschmerzen und Tränensäcken unter den Augen – Akklimatisation fällt mir halt nicht mehr so leicht wie in meiner Jugend. Deswegen verbringen wir zwei Nächte in knapp 2.000 m auf Kleble und auch ein Tag will verplant sein.

In einer alten AV-Karte hatte Leo eine Höhle in knapp 2.500 m Höhe unter dem Fräulaskogel entdeckt: das Fräulasloch. Die Namensgebung rührt übrigens von den „saligen Fräulein“ her, die an vielen Stellen im Ötztal und im Windachtal wohnen und den Menschen wohlgesonnen sind. Eigentlich. Es sei denn, man reizt sie, insbesondere, wenn man ihren Schützlingen, den Gämsen, Leid antut. Eines der „Fräulas“ wollen wir zu Hause besuchen – vielleicht mag sie ja ein wenig aus ihrer Geschichte erzählen!

Der Weg zum Fräulaskofel ist steil und nur noch in Ansätzen zu finden. Letzteres gilt allerdings auch für den Spaßfaktor. Leo meint, der kommt, wenn wir oben sind, den Rucksack abgesetzt haben, auf unseren Hintern sitzen und kauender Weise die Aussicht genießen. Aber zunächst schwitzen wir uns hinauf und frieren gleichzeitig im kalten Wind.

Aus dem Windachtal zum Fräulasloch

Doch tatsächlich: die Aussicht über das Windachtal, in früheren Zeiten ein häufig frequentierter Handelsweg vom Ötztal nach Neustift im Stubaital, ist wunderbar: zum Brunnenkogel mit der auf seinem Gipfel stehenden Hütte, in der wir morgen Abend sein wollen und weiter zur Wildspitze, dem höchsten Berg Tirols.

Nach einer längeren Pause klingeln wir bei dem Fräulein. Leider macht es nicht auf. Wie suchen einen Zugang zur Höhle, finden aber keinen. Auch wenn es technisch nicht übermäßig schwer erscheint: wenn wir oben sind, müssen wir auch wieder runter. Und, ehrlich gesagt, fehlt uns da beiden die Traute! Also lieber nichts riskieren und auf das Interview verzichten.

Wo ist hier nur der Türöffner?

Aber wir fragen uns schon: was ist wohl in der Höhle? Wie kommt dieses Loch überhaupt dahin. Eine Höhle im Kalk ist ja nichts Ungewöhnliches, aber im Gneis?

Im Abstieg

Wir steigen wieder ab zu Cappuccino und Zwetschgenkuchen auf Kleble und fragen uns, ob das Fräulas für seine Gämsen wohl auch Kuchen gebacken hat. Vielleicht wollte es uns ja nur nicht hereinlassen, weil es nicht für alle gereicht hätte …

Das Fräulasloch
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2 Kommentare
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Birgit Rüge
Birgit Rüge
2 Monate zuvor

Sehr schöne Eindrücke.

Viktor
2 Monate zuvor

Der Nederkogel über den Wolken und die Wurzeln sind tolle Fotos. Galleriegeeignet!