Montag, 11.8.2025

Nach einem Frühstück komme ich um Acht weg. Der Weg liegt noch im Schatten, was prima ist, da ich erst einmal 600 Meter hinauf muss. Wahnsinnig steil zieht sich der Weg den Waldhang hinauf. Sehr angenehm, dass die Sonne hier noch nicht hinkommt. So bin ich nach einer halben Stunde schon 200 Meter höher.

Der Weg dreht jetzt nach Norden. Während ich auf den Gebirgszug des Latemar zulaufe, komme ich in die Sonne.

Als mich gerade ein junges Paar überholt hat, das auch in der Hütte übernachtet hatte, habe ich plötzlich eine große Jugendgruppe vor mir. Zum Glück machen die gerade Pause und ich kann vorbei gehen. Aber vermutlich haben wir alle das selbe Tagesziel: das Bivacco Paolo e Nicola. Na, das wird wohl voll werden da oben!

Im Weitergehen rücken Latemar, Rosengarten und Langkofel immer näher – herrlich! Der sich entfaltende, fantastische Höhenweg lässt den steilen Waldaufstieg umgehend vergessen!

An einem See mache ich Mittagspause – nicht als Einziger, viele aus einem der Seitentäler aufgestiegenen Tagesausflügler haben ihn als Ziel auserkoren. Die besten Plätze sind schon vergeben. Aber ich finde noch einen Sitzstein für mich, von dem aus ich die Füße im Wasser kühlen kann.



Die Bewölkung nimmt zu. Immer noch Schönwetterwolken? Ich gehe weiter. Beim anschließenden steilen Aufstieg zur Forcella Morenga bin ich allerdings froh, dass sich die Sonne immer wieder zurückzieht.
Noch ein schöner Höhenweg und ich bin an der Forcella Valmaggiore. Direkt dahinter steht die Biwakhütte. Deren wenige Plätze sind schon alle belegt, aber es gibt genug Platz zum Zelten.

Es ist erst 14 Uhr, eigentlich zu früh zum Aufhören; Weitergehen macht aber auch keinen Sinn, weil es auf den nächsten Kilometern nicht nur kein Wasser gibt, sondern, so sieht es zumindest auf der Karte aus, auch keine Zeltmöglichkeit.
Nachdem ich mein Zelt alleine auf weiter Flur aufgebaut habe, hole ich Wasser an der fünf Minuten entfernten Quelle, koche Tee und mache mir einen gemütlichen Nachmittag.

In den nächsten Stunden entwickelt sich das Gelände zu einer kleinen Zeltstadt.
Spannend ist allerdings, dass es trotz der offensichtlichen Beliebtheit des Bivacco (oder bin ich einfach zufällig am falschen Tag hier?) kein Klo gibt! Offenbar wird aber u.a. eine Kaverne aus dem 1. Weltkrieg als solches genutzt – die Art der dort gelagerten Munition hat sich innerhalb der letzten hundert Jahre allerdings dramatisch geändert!
Um Viertel nach Fünf ist dann auch die Jugendgruppe von heute morgen eingetroffen. Ach nein, die Nachhut kommt noch eine halbe Stunde später. Jetzt sieht es hier aus wie am Everest-Basecamp! Eine Gitarre ist auch dabei. Diese Nacht werde ich wohl wieder nicht um Ohropax herum kommen. Hatte der Lagorai nicht eine einsame Gegend sein sollen?

Time: 11.8.2025, 08:00: |
Duration: 05:58:24 |
Ascent/Descent: | Distance: 9.70 km |
Für ein „Everest-Basecamp“ ist es etwas zu grün…
🙂