Samstag, 9.8.2025

Um Viertel vor sieben streichelt die Sonne mein Zelt, das heute komplett trocken ist: die ganze Nacht ging ein leichter Wind. Perfekt! Ansonsten hat der Vollmond für eine ziemlich helle Nacht gesorgt, so, also hätte ich ein Zimmer mit Fenster zur Straßenlaterne.
An der Quelle fülle ich meine Wasserflaschen wieder auf. Gestern habe ich rund 4,5 l verbraucht. Man schwitzt halt so einiges weg!

Auf einmal biegt der Weg um eine Ecke und ich laufe unter wunderschönen rötlichen Porphyr-Felsen entlang, einem Eruptivgestein, aus dem die ganze Lagoraikette aufgebaut ist.

Kleiner geologischer Exkurs gefällig?
Vor 480 Millionen Jahren riss hier in der Gegend die Erdkruste auf und über einen langen Zeitraum trat Magma an die Oberfläche, Vulkane entstanden, weite Gebiete wurden von flüssigem Gestein überflutet. Das war so heftig, dass die vulkanischen Ablagerungen an manchen Stellen zwei Kilometer dick wurden. 40 Mio Jahre später drang dann von Osten her die (Neo-)Thetys in das Land, ein Urozean, in dem sich Fischsaurier und Ammoniten tummelten. Korallen wuchsen und bildeten riesige Riffe – aus diesen Ablagerungen formten sich die Dolomiten, die bei der späteren Gebirgsbildung durch die unterliegende, dicke und starre Porphyr-Platte weitgehend unverfaltet blieben.
Wenn ich also jetzt die Dolomiten sehe, so wie gestern die Brenta, dann schaue ich gewissermaßen von der Vergangenheit in die – naja, etwas jüngere Vergangenheit.
Dann wird der Weg sehr steil. Ich schalte in den Berggang. Auch wenn es mal etwas verflacht, behalte ich die Schrittfrequenz bei, ich variiere höchstens mal die Schrittlänge.

Eine Stunde vor dem Passo Manghen mischt sich bereits der Lärm der Motorräder in den Kuhglocken-Sound, der von der Almen heraufklingt. Die Straße über den Pass, die ich gleich kreuzen muss, ist eine beliebte Ausflugsstrecke.
Am Pass tobt der Bär. Fahrräder, Motorräder und Autos bevölkern die Parkplätze. Kein Wunder, es ist Samstag und schönes Wetter!

Aber es gibt auch ein Restaurant. Deshalb muss ich heute Abend wieder nicht kochen und dieses Mal sind die Kalorien deutlich schmackhafter als gestern. Auch der Kaffee macht seinem Namen alle Ehre!

Nach einer langen Mittagspause verlasse ich den Trubel, frisch gesonnenmilcht und den Rucksack wieder um zwei Kilo Wasser schwerer (Wassernachschub, es ist reichlich heiß!). Eine dreiviertel Stunde später finde ich, was mir noch gefehlt hat: ein schattiges Plätzchen für ein Powernapp.

Ausgeruht(er) geht’s weiter. Ich laufe noch ein paar Kilometer, bis ich an einem See mein Zelt aufschlagen kann. Vollbad, Abendessen und alles ist gut!

Time: 9.8.2025, 08:24:0 |
Duration: 09:38:05 |
Ascent/Descent: | Distance: 16.09 km |
Da bekommt man gleich wieder Lust aufs Wandern…