TransLagorai – Tag 2

Freitag, 8.8.2025

Um halb elf in der Nacht werde ich wieder wach. Mir ist kalt, die Blase drückt und dann friert man ja ohnehin leichter. Also nix wie raus zur Druckentlastung – Wow! Die Sterne! Keine Wolke mehr! – und anschließend mit einer zusätzlichen Schicht zurück unter den Quilt.

Am Morgen sind es nur fünf Grad. Es gab nicht das geringste bisschen Wind in der Nacht und jetzt ist alles feucht von Tau und im Zelt von Kondenswasser. Und so schön dieser Zeltplatz auch ist, er hat einen Nachteil: die Sonne kommt hier erst sehr spät hin. So muss ich wohl oder übel eine ganze Menge nasses Zeug einpacken.

Rückblick zum Lago Erdemolo

Um Viertel nach acht, als der Rucksack fast fertig ist, hat die Sonne meinen Platz erreicht. Jetzt warte ich aber doch noch, um das Zelt zumindest noch ein bisschen vorzutrocknen. Hat auch den Vorteil, dass ich direkt die kurze Hose anziehen kann. Die Sonne brutzelt, sobald sie da ist!

Ab der Forcella del Lago laufe ich auf einem „sentiero alpinistico“, immer auf der Höhe und mit einer fantastischen Fernsicht. Im Norden das weite Pian di Neve mit dem Adamello-Gipfel, weiter östlich die Brenta mit den schneebedeckten Cime Brenta und Tosa, und noch weiter drüben in der Ferne der Ortler.

Block zum Adamello

Bei einer Frühstückspause trockne ich meine Sachen.

Trockenpause

Am späten Vormittag komme ich nach einem etwas nervigen Abstieg zum Rifugio Sette Selle, das wieder im Wald liegt. Heute bleibt die (Zelt)küche kalt, ich esse hier! Leider ist das Essen nicht besonders, noch nicht mal der Kaffee: im Pappbecher serviert, kaum lauwarm. Statt Crema gibt es Kaffeekrümel als Bodensatz. Aber dafür ist die Bedienung nett. Na, ist ja auch was. Ich fülle meine Wasserflaschen auf, lade Handy und Kamera und weiter geht’s!

Passo Palu

Es folgt ein schweißtreibender Aufstieg in der Mittagssonne. Zum Glück nur eine halbe Stunde und nicht übertrieben steil. Dann 10 Minuten hinunter zum Passo Palu mit Gedenkstätte.

WK I Gedenkstätte am Passo Palu

Und wieder ein Aufstieg und wieder brennt die Sonne, aber ich wollte die Tour ja im Schönwetterfenster gehen und nicht im Regen.

So langsam groove ich mich ein. Der bekannte Rhythmus nimmt Fahrt auf: rechter Stock, linker Fuß, linker Stock, rechter Fuß, der Weg ist gleichmäßig und lässt das zu.

Der Dunst treibt die Bergketten in immer helleren Blautönen in die Ferne. Viele Tiere sind jetzt nicht unterwegs: ein paar Schmetterlinge, Schwebfliegen und ab und an springt ein Grashüpfer vor mir auf den Weg.

(c) Dunst

Ich hatte überlegt, an der Malga Cagnon di Sopra zu zelten. Als ich vom Pass aus hinunter schaue, sieht die aber nicht so einladend aus: viele Autos, immerhin auch ein Zelt. Müsste also gehen. Dann sehe ich auf der Karte eine Quelle im weiteren Wegverlauf. Wenn ich dann auch noch einen Platz für mein Zelt finde, müsste ich nicht runter. Wenn nicht, kann ich immer noch absteigen. Und tatsächlich: nach einer halben Stunde findet ich ein Plateau wie gemacht für mein Zelt. Die vielen beiseite geräumten Steine sprechen dafür, dass ich nicht der Erste bin, der hier übernachtet!

Oberhalb der Malga Cagnon die Sopra

Die Quelle ist zehn Minuten weiter und verschafft mir frisches Wasser und eine Wäsche.

Der Vollmond beleuchtet meine Nacht!

Time:
8.8.2025, 08:24:5
Duration:
08:23:24
Ascent/Descent:
1014 m 952 m
Distance:
11.53 km
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Viktor
5 Monate zuvor

So darf es weitergehen 🙂

Christa Reppel
Christa Reppel
5 Monate zuvor

Die Fernblicke begeistern mich außerordentlich, ich schaue jedes Foto mehrmals an! Und all die Mühe bei den Auf- und Abstiegen scheint sich unbedingt gelohnt zu haben. Toll,dass das Wetter an diesem Tag wunderbar mitgespielt hat!