Spoiler
Einige von Euch wundern sich wahrscheinlich, wieso ich noch nichts von mir habe hören lassen. Aber wie erwartet, ist die Netzabdeckung im Lagorai recht dünn und auf den wenigen Hütten, die ich passiert habe, war das WLAN für Gäste nicht verfügbar.
Jetzt sitze ich in einem Bistro in Bozen, warte bei 35 Grad im Schatten (das Bistro ist zum Glück klimatisiert!) auf den Flixbus, der mich nach München bringen soll. Kein Zug? Leider nein, für die Rückfahrt habe ich mir zielsicher die einzige Woche ausgesucht, in der die Bahnstrecke wegen Bauarbeiten am Brenner-Basistunnel komplett gesperrt ist!

Jetzt wisst Ihr also immerhin schon mal, dass ich angekommen bin, wenn auch noch nicht, wie oder wo (es sei denn, ihr habt meinen Track verfolgt). Und damit das jetzt nicht zu viel auf einmal wird, werde ich die vergangenen Tage nach und nach veröffentlichen. Ihr seid also irgendwie immer noch „live“ dabei – wenn auch zeitversetzt.
Hier nun also
Tag 1
Das Summen und Scheppern, Pfeifen und Rauschen der Großstadt liegt zwei Busfahrten und eine Frühstückspause in Levico Terme hinter mir.
Der Bus fährt mich sogar noch 300 m höher als erwartet: bis nach Panarotta. Das ist eigentlich nur ein Parkplatz und ein paar Skilifte. Das in der Karte eingezeichnete Refugio ist leider offenbar auch nur in der Wintersaison geöffnet, aber ich habe ja genügend Verpflegung im Rucksack.

Richtung Cima Panarotta sind viele Familien unterwegs. Danach wird es ruhiger, dafür fallen hier Schützengräben und ein Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkriegs ins Auge. Was für ein Blödsinn: da haben hier Soldaten in schönster Umgebung in den Schützengräben gelegen und versucht, „die anderen“ zu erschießen, während sie gleichzeitig Angst um das eigene Leben hatten. Und das alles nur, weil irgendwelche idiotischen Politiker ihre Machtansprüche ausleben mussten. Das Schlimmste dabei ist eigentlich, dass die Menschheit bis heute nichts daraus gelernt hat, zumindest die Mächtigen nicht, die dem Volk die Macht geklaut haben.

Schweißtreibend steige ich eine schuttig erodierte Grasflanke hinauf. Jetzt am ersten Tag bin ich noch nicht akklimatisiert und das merke ich. Auch die Muskeln beschweren sich schon über die ungewohnte Belastung.
Beim Aufstieg höre ich auf einmal ein Pfeifen und sehe einen Schatten an der gegenüberliegenden Felswand, allerdings weder Murmeltier noch Greifvogel.
Kurz vor dem Gipfel des Fravort sehe ich eine Hütte. Schon manifestiert sich ein kühles Radler vor meinem Augen und in meinem Gaumen. Aber es ist nur eine Biwakhütte, das Bivacco dell amicizia. Der Ort bietet sich trotzdem für eine Mittagspause an, wenn auch nur mit Wasser und Brot – und Käse und Salami und Schokoriegel und gesalzenen Erdnüssen und Rosinen!

Von rechts (Westen) ziehen jetzt Wolken heran, während ich zur Forcella di Fravort absteige. Kurz reißen sie auf und ich sehe, wie sich der Weg danach doch wieder über den Grat zur nächsten Höhe aufschwingt.

Statt über den Monte Gronlait zu gehen, quere ich unter ihm entlang. Das entpuppt sich als gute Wahl: der Gipfel ist ohnehin in Wolken und der Weg zieht nahezu höhenlinienparallel zum Passo La Portella hinüber. Sehr schön!

Nach dem Pass quert der Weg nach links – nicht ohne vorherige Warnung, dass sich nur Erfahrene hier weiter wagen sollten – und gelangt auf einen wunderbaren Gratrücken. Eindeutig das heutige Highlight!

Kurz vor der Forcella del Lago steht auf einmal eine Bank am Weg. Herrlich! Hier kann ich nochmal Pause machen, den Wolken beim Quellen und den Kühen unten auf der Alm beim Bimmeln zuschauen.

Dann steige ich zum Lago Erdemolo ab. Hier gibt es eine private Hütte – keine Verpflegung, keine Übernachtung, wirklich privat. Aber ich darf für eine Nacht am See zelten. Darauf hatte ich gesetzt! Es gibt frisches Quellwasser und eine warme Mahlzeit vom Campingkocher. Und nachdem alle Tagestouristen abgestiegen und die anderen wieder in ihrem Haus verschwunden sind, habe ich noch eine große Badewanne ganz für mich allein!

War schon anstrengend heute: der erste Tag, noch nicht akklimatisiert, außer Alltagsradeln kein Training, der Rucksack noch mit Essen voll und entsprechend schwer. Aber dass zu Beginn einer solchen Tour der Genuss noch nicht den Schwerpunkt setzt, weiß ich ja längst. Das wird sich in den kommenden Tagen noch ändern!

20:30 Uhr. Ich bin gerade eingeschlafen, als es laut bellend gegen mein Zelt kracht. Und dann eine liebliche Stimme „Akki“ ruft. In der Zwischenzeit fällt die „Hundeseite“ meines Zeltes zusammen. Na, toll! Ich schäle mich aus Schlafsack und Zelt und will die gelöste Zeltleine wieder abspannen. Nur finde ich den Häring nicht! „Hallo, hat Ihr Hund vielleicht meinen Häring entführt?“ – die Frau ist vielleicht vierzig Meter entfernt. Keine Reaktion! „HALLO?“ – Keine Reaktion. Sie tut einfach so, als hört sie mich nicht! Dann sehe ich den Häring zum Glück auf der gegenüberliegenden Seite – da hat es ihn wohl einmal übers Zeit katapultiert!
Immerhin ist das Zelt unbeschädigt – im Gegensatz zu meiner Nachtruhe.
Time: 7.8.2025, 10:19:4 |
Duration: 07:30:06 |
Ascent/Descent: | Distance: 12.24 km |
Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.
Kein Grund 😎 Aber danke! 😀
Schön zu hören, dass du keinem Bergrutsch zum Opfer gefallen bist. Die Idee mit dem Nach trag Bröckchen für Bröckchen finde ich gut. Dass es zeitversetzt ist, stört dabei ja überhaupt nicht. Ich freu mich auf die Fortsetzung 🙂
Die Fortsetzung kommt heute noch, wenn das Bahn-Wifi mitspielt!
Oh,jetzt freue ich mich,von dir zu hören, Thomas,denn ich war schon besorgt,dass du ggf einem Bären begegnet bist. ..Es war kein Bär,aber immerhin ein wüster Hund, der es auf deine wohl verdiente Nachtruhe abgesehen hatte. Echt unerhört! Nun bin ich auf deine weiteren Erlebnisse gespannt,und wünsche dir die Entdeckung eines Busses,der dich gen Norden transportiert.Viel Glück!
Über Bären hatte ich mir auch Gedanken gemacht, von wegen Trentino und getöteter Jogger … Allerdings haben die kein Interesse an einem Lebensraum oberhalb 2.000m, die bevorzugen die Wälder. Wir sind also überein gekommen, dass ich ihnen die Wälder lasse und sie mir die Berge 😉