Neiße und Oder

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Tag 11: von Forst (Lausitz) nach Guben

Der Wasserturm von Forst

Vor der Weiterfahrt statten wir dem „Ostdeutschen Rosengarten“ einen Besuch ab, der aber eher zu den Reinfällen des Urlaubs zählt: für € 7,- Eintritt pro Person (und wir haben Glück: ab dem kommenden Wochenende kostet es €11!) blüht noch viel zu wenig, viele Bauarbeiten (Vorbereitungen für das Wochenende?) lassen von Idylle keine Spur und außerdem ist viel zu wenig beschriftet, so dass man kaum weiß, was man da sieht – da bietet jeder botanische Garten deutlich mehr! Fazit: keine Empfehlung!

In Forst haben wir die Neisse erreicht. Ufernah radeln wir auf Wegen, die drei Tage zuvor noch vom Hochwasser überschwemmt waren und jetzt noch viele sandige Stellen aufweisen um Forst herum. Im nördlichen Stadtteil Horno liegt das „Archiv der verschwundenen Orte“, das die Geschichte der vom Tagebau geschluckten Ortschaften und die Geschichte der vielfach sorbischen Bewohner festhält. Auch Horno war ein solcher Ort, der immerhin als Stadtteil von Forst wieder auferstehen durfte. Das Archiv enthält eine Unmenge an Informationen, von denen zwei Radtouristen auf der Durchreise natürlich nur einen winzigen Bruchteil mitnehmen können. Aber wir fragen uns schon, warum es eigentlich nichts Vergleichbares in der Rheinischen Braunkohle gibt?

Im Archiv der verschwundenen Orte

Um die Eindrücke zu verarbeiten und weil die Mägen fragen, wo heute eigentlich der erste Cappuccino des Tages bleibt, suchen wir mal wieder ein Café auf und stärken uns zusätzlich mit Hefeplinsen mit Erdbeeren, Vanilleeis und Schlagsahne – ich fürchte, die Kalorienaufnahme in diesem Aktivurlaub übersteigt den Kalorienverbrauch deutlich!

Neiße-Brücke

So verlassen wir Forst erst um 14:30 Uhr endgültig und fahren entlang der Neisse, die sich hier als schlammige Brühe mit vielen Ästen und auch einigem Unrat zeigt – offenbar ein Tribut an das gerade überstandene Hochwasser, das zum Glück aber offenbar so moderat war, dass es sich nicht in die von Donau und Elbe dominierten Nachrichten einschleichen konnte. So radeln wir wieder mal auf einem Deich durch eine schöne, entspannende Auenlandschaft. Das kennen wir eigentlich schon. Neu sind aber die Grenzpfähle alle 500 Meter: hier die schwarz-rot-goldenen und auf der anderen Flussseite die weiß-roten Polens. Immer wieder passieren wir auch zerstörte Brücken, vermutlich stehen die schon seit 1945 in diesem Zustand hier rum.

10 Kilometer vor Guben blockiert auf einmal meine linke Pedale und knackt, schmatzt und ächzt bei jeder Umdrehung, so dass ich nur mit Belastung auf der rechten Pedale fahren kann, während ich links immer bei jeder Aufwärtsbewegung den Fuß hochnehmen muss, damit er mir nicht nach vorne herunter rotiert wird. Hoffentlich gibt es unterwegs keine Steigungen!

deutsch-polnische Grenze

Industrielandschaft an der Neiße

 

 

 

 

 

 

 

 

In Guben, der Stadt die lange zwischen der DDR und Polen geteilt war und heute wieder als grenzüberschreitende Doppel-Stadt (hier Guben, dort: Gubin) zusammengewachsen ist, verhilft uns die Tourist-Info erst zu einer Über-nachtung und dann zu einem Fahrradladen, wo ich für € 11,99 einen neuen Satz Pedale erstehe – Einbau durch den freundlichen Ladenbesitzer inbegriffen!

Wir radeln noch 5 km weiter zum Landgasthof Waldow, wo nicht nur wir ein komfortables Zimmer bekommen, sondern sogar unsere Räder im (ehemaligen) Tanzsaal auf Parkett übernachten dürfen – Bett-and-Bike der Luxusklasse, wenn auch zu moderatem Preis!

Tag 12: von Guben nach Frankfurt (Oder)

Der Wetterbericht sagt für Donnerstag bis Samstag Schauer an der Küste voraus. Bis dorthin sind es nur noch wenig mehr als 300 Kilometer – wir sollten uns vielleicht nicht unbedingt beeilen, denn hier passt wettertechnisch alles zusammen: ein paar Wolken am blauen Himmel und die Temperaturen so angenehm, dass wir wie gestern in Trikot und kurzen Hosen losradeln können.

Wir fahren die Neisse abwärts bis zu ihrer Mündung in die Oder. Hier wird die Flussaue wieder viel breiter und da beide Flüsse auch recht viel Wasser führen, erinnert das an die Elbauen, so wie wir sie vor wenigen Tagen verlassen haben. Idyllisch ruhig ist es auch hier und wir sehen wieder Seeadler und Rohrweihen.

Wir machen einen Abstecher zur Klostersiedlung Neuzelle und seiner Stiftskirche St. Marien. Die ursprünglich gotische Hallenkirche wurde im 17./18. Jahrhundert barock umgestaltet und wird auch „Barockwunder“ genannt – “Barock extrem” wäre auch treffend! Wir werden beinahe erschlagen von überbordenden Mengen an Stuck, Gemälden, Figuren und Gold. Bei all dem ist sie trotzdem hell und wirkt damit freundlich, als wollte sie uns einladen, die Reizüberflutung aufzulösen und stattdessen in einzelne Details abzutauchen und die Leistung der Künstler und Handwerker zu würdigen, die dieses Gesamtkunstwerk geschaffen haben.

Stiftskirche St. Marien im Kloster Neuzelle

“Barock extrem” in Neuzelle

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber auch weltlichen Gelüsten kann man in Neuzelle frönen: Es gibt eine Klosterbrauerei, die mit dem „Schwarzen Abt“ auch ein Dunkelbier braut, von dem wir uns eine Flasche für den Abend mitnehmen.

Eisenhüttenstadt, unser nächstes Ziel, klingt nicht sehr einladend. Wenn man erfährt, dass das frühere Fürstenberg nach dem 2. Weltkrieg als Wohnstadt für das „Eisenhüttenkombinat Ost“ ausgebaut wurde und ab 1953 „Stalinstadt“ hieß, erhöht das die Sympathiewerte auch nicht unbedingt. Sie hat aber durchaus ihre lebenswerten Ecken, denn die ursprüngliche Wohnstadt ist nicht als Plattenbausiedlung entstanden, viel mehr ist sie das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs, was sich in durch Erker und Ziergitter aufgelockerten Fassaden, mit Säulen und Pilastern geschmückten Hauseingängen und parkähnlichen Innenhöfen ausdrückt.

Auch das „Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR“ ist in einem solchen Haus untergebracht. Es führt durch Alltag, Politik und Gesellschaft der DDR, beleuchtet Familie und Arbeit und berichtet über Konsum, Bildung, Kommunikationsmöglichkeiten und oppositionelle Milieus – und über Indoktrinationen, die schon beim „Sandmännchen“ und seinen Geschichten begann: so erzählte es u.a., wie sich jedes Mädchen einen großen Bruder wünscht, der als NVA-Soldat den Frieden in der DDR gegen den bösen Klassenfeind sichert.

Ein warmer Südwind bläst uns mit 25 km/h bei geschätzten 25°C nach Frankfurt/Oder. Aber der Weg verläuft langweilig unterm Deich – keine Oder zu sehen. Rechts der Deich, links Wald, der im Wasser steht oder sumpfige Grünflächen.

Da wir schon Tourist-Infos erlebt haben, die um 17:00 schließen, rufen wir schon vorher in Frankfurt an, wo wir übernachten wollen, bekommen aber gesagt, dass sie bis 19 Uhr geöffnet haben und auf Radler eingestellt sind. Das sind die Mücken offenbar auch – wir fahren schnell weiter.

Bei Brieskow-Finkenheerd erzählt uns ein Angler bei einer kurzen Pause von Wölfen auf der polnischen Seite und Bibern am Deich, die wir bisher nicht gesehen haben (und die wohl auch erst abends herauskommen, wenn wir schon längst beim Essen sitzen). Überhaupt kommen wir immer wieder schnell mit den Menschen ins Gespräch. Sobald wir irgendwo herumstehen, werden wir schon angesprochen und mit Tipps für das Sightseeing-Programm versorgt oder erfahren Geschichten von früher. Und das alles nicht aufdringlich, sondern ausgesprochen freundlich.

Die nette Tourist-Info in Frankfurt vermittelt uns ein schönes Zimmer in der Pension am Kleistpark: gute Lage, recht ruhig, vernünftiger Preis und in der Nähe noch das Café am Kleistpark mit einem schönen Biergarten und gutem Essen!

Tag 13: von Frankfurt (Oder) nach Gorgast

Frankfurt / oder: Rathausportal

In Frankfurt an der Oder wurde Heinrich von Kleist in einem Haus gegenüber der Marienkirche geboren. Kleist lebt nicht mehr, auch sein Geburtshaus ist längst abgerissen, Also halten wir uns an das, was noch da ist: die Kirche.

Frankfurt / Oder: Marienkirche

Die Marienkirche ist mit ihrem fünfschiffigen Langhaus eines der größten Gebäude der norddeutschen Backsteingotik – das allein ist schon recht beeindruckend, obwohl sie nach ihrer Zerstörung im April 1945 erst nach und nach wieder hergestellt wird und innen bis auf ein paar Stühle völlig leer ist. Nach Osten weist sie 3 große Bleiglasfenster auf, die 1943 vorsichtshalber ausgebaut und eingelagert wurden und nach Kriegsende als Beute in die UdSSR gingen, wo sie bis 1997 verschollen waren. Seit 2008 sind sie aber wieder voll-ständig an ihrem Originalort vorhanden. Die Fenster weisen 117 thematisch gruppierte Einzelbilder auf: Szenen aus der Genesis, solche aus Altem und Neuem Testament und Darstellungen aus der in Kirchen eher selten zu findenden Antichristlegende.

Marienkirche: Ausschnitt aus der Antichrist-Legende

Wir fahren weiter Richtung Lebus und von wegen: an der Oder ist alles flach, Lebus liegt auf der Höhe! Wir beschließen, bis Reitwein vom Oder-Radweg abzuweichen und stattdessen auf dem „Natura-Trail“ zu fahren, wo es Schmal- und Schlürfbienen geben soll! Wie? Schmal- und Schlürfbienen? Nie gehört! Zu Hause berichtet die Wikipedia, dass es 14 verschiedene Arten von Schlürfbienen gibt, von den zwei auch in Mitteleuropa vorkommen. Gesehen haben wir allerdings keine, zumindest nicht bewusst. Stattdessen entpuppt sich der Natura-Trail als ziemlich staubig, teilweise auch schlammig – deswegen vielleicht der Name!? Mehr Natur gab es jedenfalls an der Oder.

Von Reitwein nehmen wir auch nicht viel mit außer einer Pause im ehemaligen Reitweiner Schloss, von dem aber bis auf in Form des ehemaligen Grundrisses beschnittene Hecken und eines Steinernen Stuhls nichts mehr übrig ist.

Zurück auf dem Oder-Radweg freuen wir uns über die Strecken, die auf dem Deich verlaufen und einen weiten Blick über die Oderauen nach Polen ermöglichen, während uns ein warmer SW-Wind auf angenehme Weise in den Rücken fällt. Wo der Weg unterhalb des Deiches verläuft, ist er dagegen eher langweilig.

In Küstrin (oder Küstrin-Kietz, wie es auf deutscher Seite heißt) fahren wir nach Polen rüber, um die am Zusammenfluss von Oder und Warthe gelegene ehemalige preußische Festung zu besichtigen, die einst die Altstadt beherbergte, aber im Frühjahr 1945 schwer zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut wurde.

Morgen wollen wir im Oderbruch Kanu fahren. Auf Empfehlung des Verleihers fahren wir nach Golzow, wo wir im Gasthaus übernachten wollen. Hier gibt es am Abend aber eine Klassenabschlussfeier mit geschlossener Gesellschaft. Mehrere Versuche und Telefonate später landen wir schließlich auf einem Dauer-Campingplatz in Gorgast in einem ausrangierten Zirkuswagen – sehr warm und vermutlich mückenverseucht, aber billig. Für eine Nacht wird es wohl gehen!

Tag 14: von Gorgast nach Kienitz

Nach Regen und Sturm in der Nacht gibt es morgens ein Frühstück aus dem Tante-Emma-Laden: Brötchen und Schinken (ohne Butter oder Margarine), dazu die letzten zwei Teebeutel, die Uta für alle Fälle zu Hause noch eingepackt hatte.

Auf dem Weg zum Kanuverleiher kommt uns ein VW-Bus mit Kanu-Anhänger entgegen, den wir sicherheitshalber einfach mal anhalten und das ist auch gut so: Der Verleiher sitzt nämlich keineswegs am Wasser, sondern im Ort und hatte uns bei unserer telefonischen Anmeldung auch keine Einsatzstelle genannt, was der Fahrer, der gerade dorthin unterwegs ist, um „unser“ Boot abzuladen, jetzt nachholt.

Das Paddeln auf der Alten Oder ist geruhsam, obwohl es durch die in den Oderbruch drängende Oder eine leichte Strömung gibt. Die nimmt auch zu, wenn das Flüsschen sich verschmälert, ganz besonders an den Brücken, von denen es unterwegs mehrere gibt und die alle noch gerade so mit eingezogenem Kopf zu unterfahren sind.

Hinter einer Kurve kommt allerdings eine Brücke so plötzlich auf uns zu, dass keine Zeit mehr bleibt, das Boot zu wenden oder zum Umtragen am Ufer anzulegen – und diese Brücke ist niedriger als alle vorherigen! Viel mehr als die Bootshöhe bleibt nicht zwischen Wasser und Brückenunterseite. Uta lässt sich von ihrem Sitz nach hinten fallen und liegt wie ein Käfer auf dem Rücken – nur das Käfer dabei nicht lachen. Ich selber sitze, da ich schwerer bin als sie, etwas tiefer und unterquere die Brücke quasi in Limbo-Technik, wenn auch mit den Händen zum Diri-gieren an der wenige Zentimeter über meiner Nasenspitze vorbeidriftenden Betondecke. Puh, das ging ja gerade nochmal gut!

Insgesamt sind die Fahrmanöver spannender als der Tierreichtum der Alten Oder. Gut, wir sehen Reiher, Schwalben und Möwen sowie kleine Fische, auch mal ein Reh oder einen Biberbau, wenn auch keine Biber. Aber wo sind die Eisvögel, die Fischadler, die Otter, die es hier auch geben soll?

Nach rund viereinhalb Stunden haben wir genug. Wir satteln unsere „Pferde“, denn wir wollen heute nicht nochmal in dem Zirkuswagen übernachten. Bei viel Gegenwind suchen wir nach einem Cappuccino, finden aber keinen. Dafür Natur pur: kaum mehr Ortschaften, dafür eine weite Oderaue mit Störchen, Reihern, Möwen, Schwänen, Enten, Lerchen, Goldammern, Staren … Die Schwäne haben gerade Junge, kleine graue Federknäuel, die entweder noch im Nest hocken oder schon hinter Mama (oder ist es Papa?) herschwimmen. Und auch den (folgenlosen) Angriff eines Fischadlers auf einen Storch konnten wir beobachten! Nanu, was sollte das denn?

In Kienitz-Nord übernachten wir zwei Kilometer von der Oder entfernt auf dem Erlenhof – Schafzucht, Schafpudel und Frühstück im Blockhaus inklusive!

Tag 15: Kienitz

In der Nacht bekomme ich eine heftige Migräne. Uta sieht mich morgens nur an und sagt: „Ich geh mal fragen, ob wir noch eine Nacht bleiben können“. Auf dem Hof findet heute das Sommerfest der Lebenshilfe statt, aber wir können gerne noch bleiben. Am Nachmittag kann ich das Bett wieder verlassen. Wir fahren ohne Gepäck mit dem Fahrrad zurück nach Kienitz und über den Oderdeich nach Groß-Neuendorf zum Abendessen. Groß-Neuendorf war einmal ein großer Umschlaghafen und ein landwirtschaftliches Zentrum mit Malz- und Ölmühlen. Heute sind Maschinenhaus und ein weiteres Hafengebäude restauriert und als Restaurant und Hotel im Einsatz!

Als wir nach dem Essen wieder zum Hof zurück fahren wollen, hat Utas Rad einen Platten. Das war heute wohl nicht unser Tag!

Groß-Neuendorf

Tag 16: von Kienitz nach Schwedt / Oder

Damit wir nicht zu Fuss gehen mussten, war Uta gestern Abend auf meinem Gepäckträger, ihr Rad am Lenker führend zum Hof zurückgekommen. Wir hatten ja kein Gepäck und damit auch kein Flickzeug dabei. Beim Wiederaufpumpen nach dem Flicken machte es auf einmal „ptsch“, gefolgt von einem hohen Pfeifton. Offenbar war der Flicken nicht ganz dicht – zu schnell aufgepumpt? Ärgerlich! Jedenfalls habe ich dann noch eins drauf geklebt.

Und heute Morgen ist das Rad schon wieder platt!! Selbst ein dritter Flicken hält nicht!!! So langsam dämmert mir, dass ich vor dem Urlaub vielleicht mal neues Flickzeug hätte kaufen sollen, wahrscheinlich habe ich dieses hier noch in D-Mark bezahlt! Zum Glück haben wir noch ein Pannenspray dabei – „Schaumfestiger“, wie Uta sagt – wenn auch noch keine Erfahrung damit. Das wird jetzt die Premiere. Also los: Einsprühen, Reifen drehen, damit sich der Schaum verteilt, nachpumpen – hält!

Auf dem Oderdeich

Wir fahren los, mittlerweile ist es viertel vor 11. Auf dem Deich geht es über Zollbrücke und Hohenwutzen, wo beim Oder-Hochwasser 1997 die dramatischste Gefährdung der Deiche und damit des Oderbruchs stattfand. Später radeln wir entlang der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, bis der Tacho bei Stolpe die 1000km-Marke anzeigt! Gefeiert wird natürlich mit Cappuccino und Kuchen!

Der “Grützpott” in Stolpe

In Stolpe besuchen wir noch den „Grützpott“, mit seiner Mauerstärke von sechs Metern einer der stärksten Bergfriede Deutschlands. Seine Entste-hung ist nicht gesichert, die Ursprünge werden aber in dänischer Zeit im 12. Jhd. vermutet. Von oben hat man einen schönen Blick über die Wasser-straße hinweg zur Oder und nach Polen hinüber. Ab Stolpe ist uns der Wind mal wieder wohl gesonnen und treibt uns nach Nordosten bis Schwedt, wo wir im Hotel Altstadtquartier Unterkunft finden. Unser Eindruck von Schwedt ist zwiespältig: es gibt ein paar hübsche Ecken, aber momentan auch viele Baustellen und es wirkt am Abend ziemlich tot.

Oder-Panorama vom Grützpott

Tag 17: von Schwedt / Oder nach  Schloß Rothenklempenow

Haben wir gestern noch im Blockhaus gefrühstückt, mit Schafen vorm Fenster und Vogelgezwitscher im Ohr, sitzen wir heute eher in einem Bürogebäude, Autos fahren vorbei und draußen dröhnt eine Elektrosense.

In einem Fahrradladen lassen wir Utas Reifen wieder auf vollen Luftdruck auf-pumpen („der hält jetzt erstmal“), besorgen für alle Fälle noch einen Ersatzschlauch und neues Flickzeug und füllen anschließend in einem Supermarkt noch unsere Getränke- und Keks-Vorräte auf.

Dann geht es wieder auf den Deich und bei bestem Wetter inkl. Rückenwind weiter die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße entlang. Wir sind nahezu alleine, nur ab und an sehen wir mal einen Angler. Dafür hören wir Drosselrohrsänger mit ihren ungewöhn lichen, zwischen Knarzen und Zwitschern pendelnden Rufen – sehen können wir sie allerdings nicht.

Für drei Kilometer fahren wir durch einen schattigen Kiefernwald, in dem wir kurz Pause machen, was aber durch einen sofortigen Mückenangriff bestraft wird. Also schnell weiter. In Gartz (jetzt mit ‚t‘) trinken wir unseren Cappuccino in einem Café, in dem sich auch eine Schulklasse niedergelassen hat. Und noch zwei weitere Schulklassen treffen wir auf den nächsten Kilometern. Heute ist wohl Wandertag in Brandenburg!?

Hinter Mescherin verlässt die Oder die Grenze und begibt sich ganz auf polnisches Gebiet. Auch der Radweg folgt nun nicht mehr der Oder, sondern bleibt Flussfern auf deutschem Gebiet. Warum eigentlich? Wir wählen einen Abzweig durch hügelige Felder zur idyllisch gelegenen Salveymühle 3, der letzten von ehemals vieren, die heute als Ferienhof und Tagungszentrum genutzt wird.

Kurz vor Penkun retten wir eine junge Schwalbe, die ihre Flugfähigkeiten wohl noch etwas überschätzt hat vor einem herannahenden Traktor, um unserer sich einstellenden Unterzuckerung anschließend in der „Fahrradtankstelle“ mit einer großen Cola zu begegnen. Hier bekommen wir auch eine Übernachtungsempfehlung für ein Gästehaus in Schloß Rothenklempenow.

Das Eiscafé in Krackow lassen wir links liegen, was sich im Nachhinein als Fehler erweist. Am nächsten Tag erfahren wir von anderen Radlern, dass es eines der besten Eiscafés der Tour sein soll. Jetzt, wo wir die Oder verlassen haben, fahren wir über meist kleine Straßen und mit viel Sonne viel auf und ab, aber eher langweilig. Die einzige Abwechslung ist die Varianz der Feldfrüchte neben der Straße: mal Gerste, mal Raps, mal Mais und zwischendurch auch schon mal eine Heuwiese.

Vor Löcknitz wechseln wir auf einen sandigen, Wurzel-durchsetzten Waldweg, passieren eine 1995 sanierte 1000jährige Eiche und fahren danach auf unserem „Lieblings“-Hoppelpflaster nach Löcknitz hinein, wo wir nach einer kurzen Burgturmbesichtigung bulgarisch Essen gehen, um danach die letzten acht Kilometer nach Schloß Rothenklempenow hinter uns zu bringen, wo das einzige Gasthaus heute Ruhetag hat – es ist Montag!

sehr originell!

Tag 18: von Schloß Rothenklempenow zum Seebad Ahlbeck / Usedom

unser “Lieblings”-Straßenbelag

Frühstück im Gewölbekeller – stylisch! Wieder auf den Rädern, geht es so weiter, wie es gestern aufgehört hatte: Acht Kilometer Landstraße, aber kaum befahren. In der Folge viel Wald, teils Pflasterstrecken, teils sandige Birken- und Kiefern-dominierte Mischwälder; alles in allem eher langweilig. Hinter Rieth am Neuwarper See treffen wir vier Radler, die wie wir auch mit der Fähre nach Usedom übersetzen wollen statt das Stettiner Haff zu umfahren.

In Ueckermünde haben wir noch viel Zeit bis zur Fährabfahrt um 14:50 Uhr, deshalb starten wir ein kulinarisches Unterhaltungsprogramm: zuerst Fischbrötchen, dann Kuchen und Cappuccino und schließlich nochmal Kuchen auf die Hand.

Pause in Ueckermünde

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