Ein Tag zum Vergessen

Freitag, 30. September

Ins Hotel sind wir gestern nur Dank Leos Überredungskunst gekommen, denn eigentlich hatte es, wie alle anderen am Pordoi-Joch, geschlossen. Hier fand am Abend eine Saison-Abschlussfeier statt. Wir haben dann doch ein Zimmer bekommen, durften in der Küche essen (wo wir bestens versorgt wurden) und frühstücken am Morgen im großen Saal, der gerade wieder vom Festsaal zum Restaurant umgebaut wird. Ist schon witzig: einerseits habe ich das Gefühl, dass wir den Damen lästig fallen müssten, andererseits entschuldigen sie sich permanent für die Umstände unserer Übernachtung.

Kurzer Sonnenauftritt am Morgen

In der Nacht hat es wieder ein wenig geschneit. Der Schnee auf dem Pfad ist bereits geschmolzen und hat ihn durchtränkt. Und offenbar nicht zum ersten Mal in diesen Tagen: Der Matsch ist tief und saugt sich in das Profil unserer Schuhe, die mit jedem Schritt schwerer werden.

Nach einer halben Stunde erreichen wir einen Sattel mit dem Beginn des Bindelwegs, “einer der schönsten Wege nicht nur an der Höhenroute Nr. 2, sondern überhaupt in den Dolomiten”, wie unser Wanderführer schreibt. Wir schauen mal wieder nur auf Wolken. Nach einiger Zeit sehen wir dann aber doch den “eindrucksvollen Blick zu den Gletschern der Marmolada” – auf einer Ansichtstafel.

Am Fedaiapass trinken wir einen Cappuccino. Dann überqueren wir die Staumauer des Fedaiasees, um auf einer stillgelegten alten Straße Richtung Malga Ciapela, unserem heutigen Tagesziel zu laufen. Die Straße ist allerdings gesperrt, wie wir – drüben angekommen – erfahren. Also wieder zurück über die Staumauer und dann die Straße entlang, an der passenderweise ein Fußgängerverbotsschild genau das verhindern will. Nee, oder? Wir ignorieren das geflissentlich. Die letzten Kilometer des Tages verteilen sich auf Straße und Skipiste – nicht sehr attraktiv.

An unserer Unterkunft, der einzigen noch offenen in diesem Ort, die ich gestern erst nach mehreren Telefonaten und Herumfragen ergattern konnte, werden wir von einem Angestellten des Appartementhauses begrüßt, der uns später auch noch zum Einkaufen fährt, denn die angeblich geöffneten Läden in Malga Ciapela haben alle erst im Winter wieder auf. Und die Pizzeria, zu der wir gefahren werden, hat ebenfalls geschlossen. Wie gesagt: ein Tag zum Abhaken.

2 Replies to “Ein Tag zum Vergessen”

  1. Denk an das, was du am Anfang der Tour schriebst: Für diesen einen wunderschönen Tag hat sich die Wanderung unbedingt gelohnt…. Sinngemäß. Jetzt aber drücke ich alle Daumen, damit ihr die nächsten Tage wieder Klarsicht habt!

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