Im Baskenland – von Hendaye nach Roncesvalles

Eins vorweg

Da ich dieses mal nur übers Handy blogge (die Fotos kommen allerdings meistens von der Kamera), habe ich nur ein kleines Display und keine Möglichkeit, die Fotos vernünftig zu bewerten. Wenn also mal ein bisschen Schrott dabei ist, nehmt’s mir nicht übel!

Noch Eins vorweg

Ich habe auf der HRP nur ab und an mal Empfang, geschweige denn WLAN, weshalb es auch nur alle paar Tage mal einen Bericht gibt.

Und noch ein Drittes

Wenn ihr auf das kleine verschnörkelte “P” oben rechts klickt, bekommt ihr meinen abendlichen Standort angezeigt. Das klappt auch nicht immer (s.o.), erfordert aber zumindest weniger Traffic als ein Blogbeitrag mit mehreren Fotos.

So, jetzt aber zu meinen Erlebnissen:

Do, 2.9.

Auf Asphaltstraßen lasse ich Hendaye hinter mir, bis ich nach einer knappen Stunde in die hügelige Landschaft des Baskenlandes eintauche: in Wälder, Felder und Farnheiden.

Am Col d’Ibardin ist es allerdings mit der Idylle schon wieder vorbei. Hunderte von Autos parken hier und deren Besitzer schwärmen in die vielen Shops, Bars und Restaurants aus, die sich hier genauso knubbeln wie die Menschen. Ich trinke einen Kaffee, esse eine Tarte au peche und bin schon wieder weg.

Col d’Ibardin

Am Col d’Usategieta treffe ich vier Belgier, die bereits gestern in Hendaye gestartet sind und zwischen 5 und 20 Tagen auf der HRP laufen wollen.

La Rhune lasse ich links liegen, da eine französische Seilbahn auch hier die Menschenmassen hochkarrt. Das muss ich heute nicht nochmal haben. Der Weg führt mich durch einen dschungelartigen Wald, dem man die hohen Niederschlagsmengen im Baskenland ansieht. Hat leider auch den Nachteil einer großen Pferdebremsen-Population. Mann, kennen die ihren Namen nicht? Ich bin doch kein Pferd! Nach zwei nicht rechtzeitig bemerkten Attacken – neben vielen anderen mit vielen Bremsenopfern – schlucke ich eine Ceterizin – ich reagiere allergisch auf die blöden Viecher und dicke, juckende Beulen kann ich gerade nicht gebrauchen!

Am Nachmittag bin ich am Col de Lizuniaga, meinem heutigen Ziel. Ich treffe ein französisches Paar, das in Gegenrichtung unterwegs ist und somit morgen seinen letzten Tag hat. Das ergibt wieder ein paar Informationen: die Hütte unter der Breche de Roland ist geschlossen (sie wird gerade renoviert) und das Ref. Barroude ist abgebrannt! Mal schauen, inwiefern das meine weitere Tourenplanung tangiert!

Kurze Zeit später trifft Suvi aus Finnland hier ein, die ebenfalls hier zeltet und von der mir Biru, den ich heute morgen traf, bereits berichtete. Der Arme musste nach drei Tagen wegen Knieproblemen abbrechen und die zwei haben im selben Airbnb übernachtet. Schon schön, was sich einfach so an Kontakten unterwegs ergibt!

Suvi vor ihrem Ultra-light-Zelt

Am Abend tobt sich dann ein Gewitter über uns aus. Gut, dass das Zelt recht geschützt steht.

Fr, 3.9.

Trotz des heftigen Gewitters mit kräftigen Böen steht auch Suvis Zelt noch, ein Ultra-lightweight-Teil, das ohne Gestänge nur mit den Wanderstöcken aufgerichtet und durch Häringe und Leinen auf Spannung gehalten wird. Suvi bricht auch schon bald auf.

Am Morgen geht es erst ziemlich langweilig über Fahrwege, wenn auch durch Eichen-, Buchen und Kastanienwälder, die ab und an von Farnfeldern unterbrochen werden. Eigentlich unspektakulär, wenn nicht die Wolken beschlossen hätten, sich nach oben und unten zu verteilen und die hügelige Landschaft malerisch einzurahmen.

Am Col de Lizarrieta gönne ich mir einen Kaffee, bevor ich meinen Muskelkater weiter bewege. Und der hat es heute in sich. Da werde ich auch morgen noch was von haben!
Die Wege finden ihren negativen Höhepunkt in einer frisch planierten Trasse, deren Lehm im gestrigen Unwetter gut genässt wurde – ein unglaublicher Matschweg, und dazu noch steil! Danach kann es nur noch besser werden. Wird es auch!


Hinter dem Atxuela, der mit rund 850 Metern höchsten Höhe für heute geht der Weg durch Farnheiden nach Azpilkueta hinunter und dann leider noch über 2 km Asphalt hinüber nach Arizkun, wo mich eine einfache Pension empfängt. Und eine Dusche!

Sa, 4.9.

Den Morgen hüllt der Nebel ein. Ich höre nichts außer meinen Schritten und das Klacken der Stöcke auf dem Weg. Nur ab und an meldet sich mal ein Vogel zu Wort. Das lullt ein und schon verliere ich den Weg, was ich zum Glück prompt merke. Trotzdem ist der Weg irgendwann so schmal dass er in den hochgewachsenen Farnen kaum zu finden. Dann treffe ich die vier Belgier wieder, die gerade ihr Nachtlager abbauen. Wir laufen ein paar Kilometer gemeinsam, bevor unsere Wegevorstellungen etwas differieren: während ich eine Anhöhe bequem umgehe, nehmen sie jeden Höhenmeter mit. So trennen wir uns wieder.

In Aldudes trinke ich eine Cola am Ortseingang und Ende des steilen Abstiegs. Perfekte Lage für eine kleine Jausenstation! Der Besitzer erzählt, dass in diesem Jahr bereits 26 Nationen hier vorbeigekommen sind. Eine Finnin kam vor gerade einer Stunde erst hier durch. Das kann ja nur Suvi gewesen sein!

Ich nutze Aldudes für eine längere Pause, um etwas zu essen und die Mittagshitze vorbei gehen zu lassen. Danach steige ich in der Nachmittagshitze noch einige Kilometer über eine Hügelkette weiter, bis ich am Col de Teilary, wo es eine Wasserstelle gibt, einen wunderschönen Zeltplatz mit Fernblick finde!

So, 5.9.

Was für ein herrlicher Platz! Aber was für eine Nacht! Um 3:00 zieht Wind auf, der vom Tal hoch kommt. Es fängt mit einem leichten Flattern der Zeltwände an, wodurch das Kondenswasser auf meinen Schlafsack gesprüht wird. Aber bald schon nimmt der Wind so an Heftigkeit zu, das ich Angst habe, er könnte dass Zelt eindrücken. Hätte ich doch gestern Abend noch die Sturmleinen abgespannt. Habe ich aber nicht! Also muss ich wohl oder übel jetzt raus und das nachholen. Der Wind, der jetzt eher ein Sturm ist, drückt nun zwar immer noch heftig, aber das Zelt steht! An Schlaf ist bei dem Lärm allerdings nicht mehr zu denken.

Am Morgen koche ich mein Teewasser auf der windabgewandten Seite im offenen Eingang. Ich bin kaum fertig, da legt der Sturm nochmal zu. Und jetzt drückt er trotz der Abspannleinen auf das Gestänge! Also packe ich so schnell es geht und halte mit dem Rücken oder mit einem Fuß dagegen. Schließlich baue ich erst das Innenzelt ab, dann lege ich von innen das Gestänge flach, bevor ich auch das Außenzelt aufnehme. Beim Rucksack packen muss ich dann noch aufpassen, das mir nichts davon fliegt!

Entsprechend müde bin ich, als ich anschließend kilometerweit über Asphaltstraßen laufen muss, was nicht wirklich Spaß macht. Ein steiler Abstecher bringt mich auf die Redoute de Lindus, ein merkwürdiges Grabensystem. Ich vermute, auch das stammt aus der Franco-Ära, zumal es direkt auf der spanisch-französischen Grenze liegt.

Anschließend geht es – wieder über Asphalt – zum Col de Ronceveaux und dann für 25 Minuten auf dem Camino Richtung Santiago de Compostela, für mich allerdings nur bis Roncesvalles. Trotzdem hält mich hier offenbar jeder für einen Pilger, auch der Mann, der im Schatten seines Kleinbusses steht und mich, nach Abwechslung suchend, freudig anspricht. Er ist Slowene, hat den Camino schon mehrfach zu Fuß und auch mit dem Rad absolviert, fährt jetzt aber sieben älteren Ladies das Gepäck von Herberge zu Herberge.

Nach dem Plausch suche ich mir ein Hotel, nehme eine wunderbare Dusche, pflege erst meine Waden und Füße und dann endlich mal den Blog. Und gut schlafen werde ich diese Nacht!

Und hier noch ein paar Eindrücke aus Roncesvalles:

Ja und dabei merke ich noch, dass die Pflege des Blogs mit dem Smartphone doch viel zu mühselig ist. Wahrscheinlich werden die künftigen Texte kürzer und die Fotos weniger werden. Dafür gibt es dann vielleicht im Winter einen Vortrag über die Tour 🙂

4 Replies to “Im Baskenland – von Hendaye nach Roncesvalles”

  1. Lieber Thomas,
    wenn Dir der Rucksack zu schwer wird, liegt das daran, dass ich drin sitze und mitreise.
    Vielen Dank, dass du uns, die wir zuhause geblieben sind, teilnehmen lässt.
    Ein heiteres Wandern wünschen Dir
    Doris und Eckhard aus Niestetal bei Kassel

    1. Hallo Doris und Eckhard,
      das ist ja schön, von Euch zu hören! Und ja, jetzt weiß ich natürlich, warum der Rucksack manchmal drückt. Dabei hab ich schon auf den Whisky verzichtet! ☺

  2. Schön, von dir gelesen zu haben. Hatte mir schon Sorgen gemacht, ob alles in Ordnung ist. Aber du scheinst ja die großen Herausforderungen mit Bravour zu meistern. Wünsche weiterhin viel Erfolg für die Tour!

  3. Hallo, lieber Sturm zerzauster Thomas! In der kurzen Zeit hast du ja shon viel erlebt und natürlich macht es Spaß, deine spannende Wanderung mit zu verfolgen. Danke für die viele Mühe, was rüberzubringen. War ein voller Erfolg!☺😇☺ Weiterhin gutes Durchhalten und weniger Asphalt, das wünsche ich dir mit “Berg Heil”.
    Christa

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