An Erft, Rhein und Ruhr

Barbara, Stefanie und Annette verabschieden mich mit dem Klenkes. Klenkes? Nie gehört! Der Klenkes bezeichnet den erhobenen und leicht gekrümmten kleinen Finger, mit dem die Frauen zu Zeiten der Tuchindustrie und Nadelfabriken die Nadeln sortiert, oder besser ausgerichtet haben. Radreisen bildet!

Verabschiedung mit Klenkes: Annette, Barbara und Stefanie

Und was heißt schon verabschieden? Nein, sie fahren mit, um mir den neuen Bahnradweg zu zeigen, dessen letztes Teilstück vor zwei Tagen erst fertiggestellt wurde. Ausgeschildert ist er noch nicht. Und Teil meines Tourentracks natürlich auch nicht. Hier zeigt sich mal wieder, dass man immer auf die Locals hören sollte. Diese Variante ist definitiv schöner als kilometerlang an der Landstraße zu fahren. Da die drei mit Pedelecs unterwegs sind, komme ich definitiv nicht langsamer voran als ohne Begleitung. Leicht außer Puste (ich) erreichen wir Jülich, wo wir noch einen Abschiedskaffee trinken, bevor wir in entgegengesetzte Richtungen wieder aufbrechen.

Unterwegs auf einer alten Bahntrasse zwischen Aachen und Jülich

Mein Weg führt mich jetzt um die Sophienhöhe herum, dem aus dem Aushub des Hambacher Tagebaus künstlich erschaffenen Berg. Ein Stück weiter werfe ich mal wieder einen Blick in das Riesenloch, der mich mit Ambivalenz erfüllt: Mit Respekt vor der Technologie, die das ermöglicht hat, mit Entsetzen vor der Riesenwunde, die wir der Erde angetan haben in unserem energieverzehrenden Drang nach Konsum, Wirtschaftswachstum und Bequemlichkeit.

Auf dem Weg um die Sophienhöre herum
ein großes Loch: der Hambacher Tagebau

Kilometerweit geht es nun nach Osten, bis mich die Erft in einem grünen Mini-Dschungel verschlingt. Gut zu fahrende Wege abseits der Straßen führen entlang des kleinen Flusses, an dessen Rändern grüne Pflanzenwände wuchern und der hier und da Wasserpflanzen treiben. Über die laute Autobahnbrücke erreiche ich das mondäne Düsseldorf, dem man die Landeshauptstadt in Form von Stadtstränden und ausgefallener Architektur durchaus ansieht.

Mit ihren schlammbraunen Wassern zwischen undurchdringlichen grünen Pflanzenwänden erinnert die Erft an einen kleinen Dschungel
Autobahnbrücke bei Neuss: rechts beinahe Idylle, links Lärm und Gestank
Strandbar am Rhein
Düsseldorf: Ausschnitt des Neuen Zollhofs von Frank. O. Gehry

Der Empfang beim AKHD ist ebenfalls einer Landeshauptstadt gemäß: so viele Haupt- und Ehrenamtler hat bisher noch kein Dienst aufgeboten 🙂 Und auch hier ist man wieder bemüht, meinen Kalorienverbrauch des Tages zu kompensieren. Und mehr noch: Gabi, eine der Koordinatorinnen, lädt mich zu sich nach Hause ein, wo ich den Waschlappen mal wieder im Kulturbeutel lassen und gepflegt duschen kann. Nach einem Wein, gemeinsam mit ihrem Mann, falle ich in ein richtiges Bett, gegen das meine Isomatte einfach nicht anstinken kann!

Empfang im Düsseldorfer AKHD

Ich traue es mich ja kaum zu sagen: am Morgen drehe ich noch eine Runde im hauseigenen Pool, bevor ich ein sehr leckeres Frühstück aufgetischt bekomme. Herz, was willst Du mehr! Danke, Gabi!

Aus Düsseldorf heraus geht es nach Norden, nur selten schön, aber dafür schnell bis Duisburg-Ruhrort. Dann fahre ich durch den wirklich sehenswerten Landschaftspark Duisburg-Nord, eine alte Zechenanlage, die heute Industriedenkmal und Freizeitgelände ist – in den ehemaligen Rohstoff-Bunkern kann man z. B. heute klettern. Wieder mal leitet mich ein Bahntrassen-Radweg, der Grüne Pfad, bevor ich erst ein Stück der Emscher und dann dem Rhein-Herne-Kanal folge, um dann mal wieder 10 km Landstraße bis Gladbeck zu fahren, wo mich bereits Anja, Nicole und Bernd erwarten – womit? Na, was wohl 🙂

Zur Abwechslung gibt es in Gladbeck mal was zu Essen 🙂

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