Am Hochrhein

Betty und Udo haben mich – trotz Corona – wieder herzlich aufgenommen, so dass ich am Morgen ausgeschlafen und gesättigt an Leib und Seele losfahre. Nun startet sie also, die Rückrunde von “Deutschland Süd-West”, die mich letztes Jahr bereits durch Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald und Schwarzwald hierher gebracht hat. Aufgrund der damaligen Hitze hat es mir dann gereicht. Jetzt ist der Plan, durch den Hegau, ein Stück am Neckar entlang, durch den Odenwald, Taunus und Westerwald wieder nach Bonn zu radeln. Das erste Zwischenziel heißt Rheinfall, wo ich wohl morgen hinkomme.

Den Anfang fahre ich nicht am Rhein entlang – die Aussicht auf das Baseler Indurstriegebiet stelle ich mir nicht so prickelnd vor. Statt dessen nehme ich die südlichen Ausläufer des Schwarzwalds unter die Räder. Das bedeutet zwar gleich zu Beginn einige Höhenmeter, aber ich bin ja noch frisch. Ok, ich bin auch noch untrainiert, aber wir werden ja sehen!

Durchs Wiesental geht es nach Lörrach, schön grün, aber auch laut – die B317 nimmt den selben Weg. Aber in Brombach schwenke ich nach Südosten und fahre schön ruhig über kleine Asphaltsträßchen nach Ottwangen und auf 400 Meter Höhe zur 400 Jahre alten Kreuzeiche. Weiter geht’s zur Hohen Flum mit ihrem hübschen Aussichtstturm. Mittlerweile triumphiert “untrainiert” über “frisch” und so bin ich froh über die 7 km lange Abfahrt nach Schwörstadt und an den Rhein.

“Kummet mer jetzt in d’r Zeidung?” fragt mich ein älterer Mann (also so einer wie ich), als ich ein Foto seines Dorfes mache während er im Garten arbeitet. Und überhaupt findet er es so herrlich hier, dass er keinen Urlaub brauche. Naja, wahrscheinlich geht es ihm so wie mir: Er kann gar keinen Urlaub mehr beantragen!

Kurz drauf fließt die Wehra in den Rhein, nicht ohne ein kleines Mündungsdelta zu bilden, dass seit 1997 unter Schutz steht. Nächste Station: Erbeerkuchen, d. h. eigentlich natürlich Bad Säckingen mit seinem alten Schloss, dem “Diebsturm”, seinen kleinen Gassen und der mit über 200 m längsten gedeckten Holzbrücke Europas.

In Küssaberg übernachte ich auf einem Campingplatz – göttlich, so eine Dusche nach 29 Grad Tagestemperaturen, 16 Sonnenstunden, etlichen Höhenmetern und viel Gegenwind! Blöd nur, dass man im Sanitärtrakt einen Mundschutz tragen soll – das ist beim Zähneputzen ganz schön herausfordernd!

Wie soll das denn bitteschön gehen???

Am nächsten Morgen hat sich der Rhein wieder in alpines Schmelzwasser-Grün gekleidet. Noch 40 km bis Schaffhausen, also Mittagspause am Rheinfall! Teils durch Deutschland, teils durch die Schweiz (ich wusste gar nicht, dass auch das rechte Rheinufer in so vielen Teilen Schweizer Gebiet ist) fahre ich wieder entweder mit Gegenwind oder bergauf. Meistens beides. Um 12 Uhr ist der Akku leer – 10 km vor Schaffhausen. Also Mittagspause im Irgendwo! Von Essen, Trinken und Powernapping gestärkt fahre ich weiter und betrachte weiße Gicht und grünen Rhein unter blauem Himmel im strahlendsten Sonnenschein – der Rheinfall von Schaffhausen! Kein ideales Fotowetter, aber ok, das ist schon wieder Jammern auf hohem Niveau!

Eigentlich wollte ich noch einen Blick auf den Bodensee werfen, aber mein Etappenziel mit Warmshowers-Unterkunft ist Singen und ehrlich gesagt, plädiere ich gerade für die kürzeste Strecke, weil auch heute die Bedingungen nicht anders sind als gestern. Nur zur Erinnerung: 29 Grad, ausschließlich Sonnenschein, viel bergauf (und ich dachte, ich fahre gemütlich am Rhein entlang!) und noch mehr Gegenwind. Ich erhöhre mein Plädoyer und nach einem Erdbeerbecher in der Singener Innenstadt begrüßt mich Matthias, wo ich die Dusche wieder dankbar annehme. Nun noch ein, zwei Bier … den Blog schreiben … schnarch!

Total distance: 145.83 km
Max elevation: 539 m
Min elevation: 267 m
Total climbing: 1285 m
Total descent: -1107 m
Download file: DSWR_1_Hochrhein.gpx

2 Replies to “Am Hochrhein”

  1. Macht Spaß, dich zu „verfolgen“, lieber Tom. Alles sehr anschaulich und humorvoll beschrieben, als wenn man selbst dabei wäre. Wünsche dir weiterhin viel Freude und gutes Durchhalten bei diesen widrigen Umständen und: „Immer eine Handbreit Asphalt unter dem Reifen“ (oder hab ich da jetzt was verwechselt?)!

    Hans

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *