Schlangendiät

Auf den Croagh Patrick

Der Legende nach hat der heilige Patrick (auf irisch: Padraig) im 4. Jh. den heute nach ihm benannten Berg bestiegen, dort weder Wasser noch Brot zu sich genommen und anschließend die Schlangen aus Irland vertrieben. Legenden haben zwar meistens einen wahren Kern, doch ist der häufig ziemlich klein. So wie die Forschung heute davon ausgeht, dass die Figur des Heiligen Patrick tatsächlich aus mehreren historischen Personen zusammengesetzt ist, kann auch das mit dem 40tägigen Fasten nicht ganz stimmen, es sei denn, er hat statt Brot und Wasser Irish Stew und Guiness (ok, gab’s damals noch nicht, sagen wir: Wein) zu sich genommen. Und mit den Schlangen sind wohl auch eher die Heiden oder deren Schamanen gemeint. Sei’s drum: Jedes Jahr pilgern Tausende auf Irlands heiligen Berg, auf dem sogar eine Kapelle steht, allein am letzten Juli-Wochenende, dem Termin der traditionellen Wallfahrt, nehmen rund 25.000 Gläubige den Weg auf sich, teils barfuss, teils auf Knien.

Wir haben laut Wetterbericht mal wieder ein Zeitfenster, das wir nutzen wollen: Der Vormittag soll ganz ok sein, ab Mittag gibt’s Regen. Das Ziel ist also, bis mittags oben zu sein und die Hoffnung, dann auch noch etwas Sicht zu haben.

St. Patrick vor dem Croagh Patrick

Wir sind nicht die Einzigen, natürlich nicht, denn generell gilt als Pilgerfahrt, wenn die Gipfelbesteigung in den Monaten Juni bis September durchgeführt wurde. Darüber hinaus gibt es wohl genügend Leute, die so wie wir, auch ohne Pilgerambitionen einfach mal da rauf wollen. Die meisten laufen in Straßen- oder Turnschuhen, viele in kurzen Hosen, manche ohne Jacke. Da fallen wir mit Anorak, Rucksack und sogar Regenhose offenbar als “Weicheier” aus dem Rahmen. Trotzdem: meins wäre es nicht, bei 5 Grad und starkem Wind leicht bekleidet und ohne Profil unter den Schuhen da hoch zu laufen. Meistens geht es ja gut, aber nicht immer: die Telefonnummer der Mountain Rescue nebst Verhaltensregeln wird im Visitorcenter bereitwillig verteilt. Das besucht man aber erst, wenn man durchgefroren wieder runter kommt, um sich bei Tee oder Kaffee aufzuwärmen.

Zu Beginn des Aufstiegs begrüßt uns eine Figur des Heiligen Patrick. Der Weg ist leicht zu finden. Zu ausgetreten ist er von den Millionen, die schon oben waren. Hier rächt sich der fehlende Wegebau: Der Weg zieht sich breit wie eine schwärende Wunde den Berg hoch, als wäre dieser gegeißelt worden. Viel zu erzählen ist über den Weg eigentlich nicht: breit, oft runtergetreten bis auf den felsigen Untergrund, im oberen Teil eine steile Geröllflanke. Dafür die ganze Zeit mit fantastischer Aussicht aufs Meer und aufs Hinterland – solange uns der Regen, der dann doch mal kurzzeitig einsetzt, läßt.

Ein Pilgerberg fordert manches Opfer!
Im Coffee Shop kann man Pilgerstöcke für € 4,- kaufen – sie sind sehr beliebt!

Auf dem Gipfel haben uns leider die Wolken erwischt. So bleibt uns der Blick nach Westen verwehrt. Die Kapelle ist geschlossen und das hat vermutlich seinen Grund. Bei der Vielzahl der Menschen, die hier herauf kommt, würde sie bestimmt als Picknnickraum und insbesondere als Mülleimer benutzt. So bleiben wir nicht lange. Im Abstieg reißt es dann wieder auf. Irisches Wetter eben!

Die Anforderungen an die Pilgerfahrt sind nicht ohne!
Gipfelkapelle in Wolken

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