Die Festung Königstein

Von Janov nach Halbestadt (18.6.)

Heute haben wir es nicht weit. Wir wollen die Festung Königstein besichtigen und natürlich auch das Standard-Programm aller Elbsandsteinbesucher absolvieren: die Bastei. Aber eins nach dem anderen. Deshalb haben wir uns einen Zeltplatz bei Königstein als Tagesziel gesetzt, wo wir wahrscheinlich zwei Nächte bleiben werden.

Doch zunächst dürfen wir die Abfahrt von Janov nach Hrensko genießen: 10 Prozent Gefälle, die Räder einfach laufen lassen: die Spitzengeschwindigkeit von fast 60 km/h wird nur von einem vorausfahrenden Auto ausgebremst. Viel zu schnell ist der Spaß vorbei und viel zu kurz der Ausgleich für den vielen Schweiß, den uns derselbe Weg – in umgekehrter Richtung – vorgestern Abend gekostet hat. Wir fahren noch einmal durch das eigentlich sehr schöne Hrensko – wenn es nicht zu einem einstmals “Duty free”, jetzt “Travel free”-Ort kurz vor der deutschen Grenze verkommen wäre. Beinahe vergeblich stemmen sich die noch ansässigen Hotels und Pensionen und die wenigen Gasthöfe mit tschechischer Küche gegen die Händler, die touristische Einheitsware – Klamotten, Taschen, Schuhe, Zigaretten und Alkohol, aber nichts lokaltypisches – verkaufen. Viele Geschäfte, aber überall dasselbe Sortimemnt und offenbar fest in vietnamesischer Hand. Schade, dass es für diese Art von Ware dennoch so viele Käufer gibt!

Nein, nicht Vietnam; Hrensko: Aufbau des touristischen Tagesangebots

Wenige Kilometer hinter Hrensko sind wir wieder in Deutschland. Von nun an sind die Radwegeschilder nicht mehr gelb, sondern weiß mit grüner Schrift, die Radwegequalität deutlich konstanter und die Preise deutlich höher. Wir radeln durch Bad Schandau, sehen die Festung Königstein auf der anderen Elbe-Seite vor uns und überradeln die Hinweisschilder, die eindeutig besagen, dass dieser Weg in eine Sackgasse führt und der Elbe-Radweg auf der anderen Seite des Flusses weiter verläuft. Zweimal drehen sich Wanderer nach uns um und Uta hört sie noch sagen: “die werden sich aber gleich wundern!”. Wir wundern uns nicht, sondern freuen uns, in Ferdinands Homestay, einem wunderschön abseits gelegenen Zelt-, nicht Camping(!)-Platz angekommen zu sein, der schon in seiner Platzordnung Steckern und elektronischen Geräuscherzeugern Platzverbot erteilt, handgemachte Musik dagegen willkommen heißt! Ok, es gibt auch Nachteile: dieser Blogbeitrag wird später erscheinen, denn hier gibt es kaum Handy-Empfang, geschweige denn WLAN und die Deutsche Bahn auf der gegenüber liegenden Flussseite hat leider auch noch nicht mitbekommen, dass es hier (eigentlich) besonders ruhig und idyllisch ist.

wieder in Deutschland

Endlich mal eine Alternative zu dem unsäglichen “Radfahrer bitte absteigen”-Schild!

Ferdinands Homestay

Nachmittags fahren wir mit der Fähre nach Königstein hinüber und laufen zur Festung hoch. Im 16. Jahrhundert wurden die auf dem Plateau bereits existierenden Gebäude durch rund um den Tafelberg verlaufende, bis zu 42 m hohe Mauern abgeschlossen, wobei auch die vorhandenen natürlichen Sandsteinwände einbezogen wurden und das Gelände damit zur Festung ausgebaut. Um jederzeit an frisches Wasser zu gelangen, wurde innerhalb von drei Jahren ein 152,5 m tiefer Brunnen aus dem Sandstein gepickelt – von Hand, versteht sich – und damit der tiefste Brunnen Sachsens und der zweittiefste Europas ausgehoben, nur der Burgbrunnen der Reichsburg Kyffhausen ist mit 176 m noch tiefer. Um das Wasser zu fördern, wurde ein 7m durchmessendes Laufrad installiert, das von 4 Männern bedient werden musste (Prinzip Hamsterrad) und mit dem in 10 Minuten ein “Eimer” von 150 Litern hochgezogen werden konnte. Es gäbe noch einiges mehr zu erzählen, z. B. von den Verteidigungsanlagen, vom Königsteiner Riesenfass, aber das würde dann den wohl doch diesen Blog sprengen.

Das Medusenhaupt am Eingangstor der Festung Königstein soll Feinde abschrecken

Blick von der Festung Königstein elbaufwärts zum Luisenstein. Rechts im Bild die Friedrichsburg

23 km / 300 Hm

2 Replies to “Die Festung Königstein”

  1. Auf der Festung Königstein waren Lars, Thilo und ich im August 2015 – da haben Jürgen und Kathi nämlich geheiratet. 🙂
    Grüße,
    Anna

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *