wie ich mich (meistens) warm gehalten habe

Dass ich Ende Februar mit Minusgraden rechnen musste, war klar. Deshalb hatte ich auch schon länger überlegt, was ich so alles mitnehmen bzw. anziehen müsste. Folgendes ist dabei herausgekommen:

Einschub: ich werde von den Firmen, die ich nachfolgend erwähne, nicht gesponsort (aber vielleicht kann man das ja mal ändern, hallo Odlo, hallo Icebreaker, und all ihr Anderen 😉 ) und ich bin sicher, dass andere Firmen gleichwertige Produkte im Portfolio haben. Ich stelle hier nur mein aktuelles Equipment dar.

Kopf

Mütze (Odlo), Maske (Gore Bikewear), Helm (Casco), Regenschutz (Vaude – als Windschutz)

Wenn man wie ich kein Isolationsmaterial mehr auf dem Kopf hat, ist eine Mütze bei Wintertemperaturen Pflicht, sonst friert einem das Hirn ein! Ob meine Odlo mal als Helm- oder Langlaufmütze gedacht war, weiß ich nicht mehr, auf jeden Fall ist sie dünn, aber warm.

Für Temperaturen unter 0 hatte ich mir noch eine Gesichtsmaske zugelegt, die Mund und Nase bedeckt, dabei aber Atemöffnungen freilässt. Als Brillenträger reicht ein Tuch (Buff o.ä.) nicht aus, weil die Atemluft damit nach oben entweicht und die Brille beschlägt. Die Maske rutschte bei ersten Probefahrten aber immer runter, so dass Uta sie noch mit einem Band versehen hat, das quer über den Kopf geht und so das Abrutschen verhindert.

Darüber kam der Helm, den wiederum ein Regenüberzug krönte, die hier als Windsperre diente – der Helm selber hat viele Lüftungsschlitze, was im Sommer sehr angenehm ist, im Winter aber den kalten Fahrtwind auf die Kopfhaut leitet.

Was geht besser?

Bei den kalten Temperaturen, verbunden mit dem Fahrtwind, trocknen die Augenschleimhäute schnell aus, abends waren die Augen der gefühlt müdeste Teil des ganzen Körpers. Eine Radbrille wäre hier sinnvoll, als Gleitsicht-Brillenträger habe ich aber bisher die Kosten für eine optische Fahrradbrille gescheut.

Oberkörper

Funktionsshirt kurzärmelig (Odlo), Funktionsshirt langärmelig (Icebreaker), Radtrikot (Rose), Windbreaker (Gore Bikewear), Daunenjacke (Meru)

An den kältesten Tagen hatte ich zuunterst ein kurzärmeliges Odlo, darüber ein langärmeliges Merino-Shirt von Icebreaker, das ich an allen “normalen” Tagen direkt auf derHaut trug. (Für alle, die es immer noch nicht wissen: Merinowolle ist keine (Schur-) Wolle und kratzt nicht auf der Haut!) Generell fühlt sich die Merinowäsche auf der Haut viel angenehmer an als die Funktionswäsche aus Polyester, in der ich viel schneller ein schwitzig-klebriges Gefühl habe.

Über die Unterwäsche kam ein langärmeliges Radtrikot und darüber der Windbreaker von Gore.

Die (leichte) Daunenjacke kam nur bei Abfahrten oder Pausen im Freien sowie zweimal beim morgendlichen Losfahren zum Einsatz. Mit Erreichen der Betriebstemperatur war sie schon zu warm.

Was geht besser?

Ausschließlich Merinowolle direkt auf der Haut.

Hände

Regen-Überzieher (Roeckl), Fahrrad-Handschuhe (Mavic), Merino-Unterzieher (Icebreaker)

Da ich ohnehin zu kalten Händen (und Füßen) neige, hatte ich hier die meisten Befürchtungen – zu Recht!

Als erste Schicht hatte ich dünne Unterziehhandschuhe von Icebreaker aus – richtig, Merinowolle 🙂 Darüber bereits wintertaugliche Fahrradhandschuhe von Mavic, mit denen sich sogar ein Smartphone bedienen läßt! Als es dann noch kälter wurde, habe ich darüber noch einen Regen-Überhandschuh von Roeckl gezogen, der hier schlicht als zusätzliche Windbremse diente. Mehr geht nicht, weil man sonst kein Gefühl mehr für Bremsen und Schaltung hat.

Was geht besser?

Beim Ausziehen der Fahrradhandschuhe, wobei der Unterziehhandschuh anbleiben sollte, hat sich das Innenfutter häufig nach außen umgestülpt. Das dann wieder hineinzubekommen, war eine ziemliche Fummelei, bei der dann auch noch die Hände auskühlten. Hier würde ich mir Handschuhe wünschen, bei denen das Innenfutter mit dem Außenhandschuh fest verbunden ist.

Noch tiefere Temperaturen als die morgendlichen -5° würden bei mir definitiv nicht gehen – es sei denn, ich suche mal nach beheizbaren Handschuhen.

Beine

Regen-Überziehhose (Vaude), Merino-Longjohn (Icebreaker), Radhose mit Sitzpolster (Craft), Beinlinge (Craft)

Da die Radhose eher dünn ist und damit schnell zu kalt war, kamen die Beinlinge unten drunter, so dass die Knie ein zusätzliches Wärmepolster hatten. Als auch das nicht mehr reichte, musste die lange Unterhose (neudeutsch: Longjohn) von Icebreaker ran. Das ging allerdings wegen des festen Sitzpolsters nicht unter die Radhose, sondern nur drüber. Um die auf dem Sattel nicht kaputt zu scheuern, kam dann direkt noch die Regenüberhose drüber, die damit auch als zusätzlicher Windschutz fungierte. Um darunter nicht übermäßig zu dampfen, habe ich sie an der Seite (durchgängige Reißverschlüsse!) offen gelassen bzw. nur mit den Kletten fixiert, von denen es fünf über die ganze Länge gibt (zusätzlich zu den Fixierhaken im Bund).

Was geht besser?

Um flexibler zu sein, ist es allemal besser, keine Kompletthose mit integriertem Radpolster zu tragen, sondern immer eine separate Rad-Unterhose – die ist nach einer Wäsche auch schneller wieder trocken! Dann hätte ich den Longjohn unter der Radhose getragen und auf die Überhose verzichtet, die dann doch meist eine Spur zu warm war.

Füße

Zehenschutz (Castelli), Thermo-Überschuhe (Rose), Radschuhe (Shimano), Merino-Socken (Smartwool), Batterie-betriebene Heizsohlen (Pearl -nicht im Bild)

Für diese eine Tour wollte ich mir keine Winter-Radschuhe kaufen, deshalb kamen meine normalen und eher sommerlich leichten Shimanos mit Cleats zum Einsatz. Darin trug ich die Merinosocken von Smartwool, die ich auch zum Wandern nehme. Wegen der Winddurchlässigkeit der Schuhe reichte das natürlich noch nicht, so dass darüber ein Paar Thermo-Überschuhe kamen. Selbst dann sind die Zehen besonders anfällig , so dass ich darüber noch Zehenschützer (sog. Toe Caps) gezogen habe. Nicht abgebildet sind die Batterie-betriebenen Einlegesohlen, die ich bereits am ersten Tag eingesetzt habe, da die metallischen Cleats, die auch noch in einer Aussparung derSohle sitzen, die Kälte von unten her in den Schuh leiten.

Was geht besser?

Würde ich nochmals im Winter fahren, würde ich auf Radschuhe mit Cleats verzichten und statt dessen einen Trekkingschuh anziehen – der ist einfach rundum (eben auch von unten) besser isoliert, so dass die Füße wärmer bleiben. Natürlich verliert man damit die Möglichkeit, auf Steigungen nicht nur in die Pedale zu treten, sondern auch daran zu ziehen und fährt mit der potenziellen Gefahr, von der Pedale abzurutschen. Letzteres sollte aber bei vorwiegend Asphalt und festen Wegen kein wirkliches Problem darstellen.

Fazit

Im Großen und Ganzen hat die Ausrüstung funktioniert. Meine Schwachstellen sind eindeutig Hände und Füße. Während ich die Kälte-Probleme an den Füßen wohl noch lösen könnte, ist bei der Isolierung der Hände das Ende der Fahnenstange erreicht – wie gesagt: sofern es keine beheizbaren Handschuhe gibt, die die für Bremsen und Schaltung notwendige Taktilität erhalten.

Und das man am besten mit einer Radbrille Rad fährt, ist ohnehin eine Binse!

2 Replies to “wie ich mich (meistens) warm gehalten habe”

  1. Hallo Thomas,
    War sehr interessant über deine Erfahrungen mit Kälte und Kleidung zu lesen. Ich hätte wahrscheinlich noch Fäustlinge benötigt – meine Hände werden sehr schnell kalt, auch ohne Fahrradfahren.

    VG Nadja

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *