Bad Oeynhausen – Beckum

Heute soll der letzte “warme” Tag sein, soll heißen: tagsüber steigt das Thermometer nochmal über den Gefrierpunkt. Ulli will mich dem Angebot korrumpieren, mich nachmittags mit dem Auto 10 min vor Beckum abzusetzen und solange den Tag mit ihnen zu genießen. Aber ich bin nicht käuflich! Jedenfalls nicht heute 😉

Trotzdem traue ich den Temperaturen nicht so recht. Die Füße sind zwar schon mit Wollsocken, Wärmesohlen, Schuhen und Überschuhen versorgt, aber heute bekommen sie noch zusätzliche Zehenwärmer verpasst. Oben herum setze ich auf Daunenjacke.

Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft, Angelika und Ulli!

Heute auch mit Toe Caps über den Überschuhen!

Dank des Tipps meiner Gastgeber habe ich die Route etwas überarbeitet und fahre von Bad Oeynhausen bis Herford an der Werre entlang. Macht zwar drei Kilometer mehr, spart aber auch ein paar Höhenmeter und ist sicherlich schöner zu fahren.

Tatsächlich ist die Strecke nahezu autofrei, da sie auf separaten Wegen am Fluss entlang verläuft. Anfangs drehe ich noch ziemlich hektisch an der Kurbel, hin- und hergerissen zwischen “bloß nicht frieren” und “bloß nicht schwitzen”. Die Daunenjacke hat ihren Platz nun doch wieder gegen den Windbreaker getauscht. Ab und an sehe ich auch  ein paar dick vermummte Vogelfotografen mit ihren langen Teleobjektiven, obwohl die Sonne sich nur selten zwischen den Wolken hindurch schummelt.

Ein weiterer Tipp von Angelika lässt  mich in Herford an MARTa vorbeifahren, ein vom Architekten Frank Gehry entworfenes Museum für zeitgenössische Kunst. Gehry gilt als Meister des Dekonstruktivismus. Auch wenn ich davon keine Ahnung habe: es sieht auch so aus!

das MARTa, ein Kunstwort aus m wie Museum, art wie Kunst und a wie Ambiente oder Architektur

Im Museumscafé wärme ich mich bei einem Cappuccino auf, bevor es ohne nennenswerte Höhepunkte nach Bielefeld (das gibt es ja doch!) weiter geht. Hier mache ich Mittagsrast im Vorraum einer Sparkasse. Da ist es schön warm, während das Thermometer draußen 0° anzeigt.

Mittagspause im Warmen!

Bis Gütersloh bleibt es langweilig, erst dahinter verläuft meine Route wieder über kleinere, ländliche und ruhige Straßen. Freundlicher Weise scheint auch die Sonne wieder und zeigt, warum schwarze Klamotten im Winter absolut sinnvoll sind! Gleich werden meine Hände (schwarze Handschuhe) und zumindest die eine Seite der Beine (schwarze Hose) wieder wärmer.

In Rheda brauche ich wieder mal eine Pause und finde eine “Confiserie”: Kuchen, Earl Grey Tee, Polstersessel! Und alles ist geheizt, sogar die Toilette! So kann man auch mit kleinen Sachen dem Winterradler große Freude machen 🙂 Das Leben kann so schön sein!

In dauerndem Auf und Ab radele ich nun durch die Wellenlandschaft der Soester Börde. Keine schlimmen Steigungen, aber doch ermüdend. Überhaupt setzt mir der heutige Tag mehr zu als gedacht. Und das liegt wohl nicht nur an der Länge der heutigen Etappe, sondern auch an der Temperatur und dem eisigen Wind, der glücklicherweise weiterhin meistens von hinten kommt.

Windräder in der Soester Börde

Mein Warmshowers-Host in Beckum hat mich leider kurzfristig versetzt und so komme ich in einer “Monteursunterkunft” unter. Recht einfach mit Gemeinschaftsküche und -bad, aber die beiden anderen Gäste sind über Nacht außer Haus. Was der Unterkunft an Service fehlt, macht die Vermieterin durch Redseligkeit und Lamentierkunst wett. Aber irgendwann kann auch ich mal unter die (heiße!) Dusche, zu Abend essen, meinen Blog schreiben und ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag (ein kalter, brrr!)

100 km, 420 Hm

 

 

4 Replies to “Bad Oeynhausen – Beckum”

  1. Hallo Thomas, mein Rückweg aus Köln führte mich auch an Beckum vorbei, und dann an einem der braunen Schilder, mit denen auf örtliche Sehenswürdigkeiten hingewiesen wird: hier war es “MARTa”. Das Schild hatte ich vorher nie bemerkt, aber jetzt fiel es mir gleich auf. Kurz danach schickte mich mein Navi auf eine Umleitung, die durch Bad Oeyenhausen führte. Ich habe also deine gestrige Etappe zumindest ansatzweise (rückwärts) nachvollzogen (und dann von weitem auch noch das vorgestrige Denkmal an der Porta Westfalica geshen). In der schönen Landschaft bei Bad Oeyenhausen wurde mir erst klar, wo deine Höhenmeter herkommen. Du magst sowas ja als “Wellenlandschaft” bezeichnen, für mich Flachländer sind das Berge. 🙂 An einer Autobahnraststätte konnte ich dann die Kälte nachempfinden. Alle Achtung für deine Leistung!

  2. Hallo Thomas,
    wie froh bin ich, dass du bei der Kälte heil in Beckum angekommen bist. Dein Besuch hier war wunderbar und so bereichernd für uns. Jetzt fiebern wir (besser frösteln Uli und ich) mit dir und sind ständig in Gedanken bei der Wettervorhersage und dem angesagten Schnee.
    Gute Weiterfahrt und wärmende Sonne – mindestens im Herzen – !
    Deine Angelika

  3. Hallo Thomas,
    Gestern haben wir mit Sebastian einen längeren Spaziergang gemacht und mussten an dich denken, als der eisige Wind uns entgegen kam. Halte durch! Ich bin gespannt auf deinen neuen Beitrag heute Abend!
    Bus bald,
    Nadja

  4. Es soll ja richtig eisig werden die nächsten Tage, und morgen ist Schnee und Wind angesagt. Wir wollen hier nichts über erfrorene Zehen, Finger oder Nasen lesen. Die Kunst des Bergsteigens besteht ja zum Teil darin zu wissen, wann man abbrechen muss. Vielleicht ist es beim Radfahren auch so?
    Ich bin zurzeit in Köln und fahre morgen (mit dem Auto) nach Hannover zurück. Ich werde also morgen irgendwann in deiner Nähe vorbeikommen und an dich denken, wie du dich da draußen durch die Kälte kämpfst.

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